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MK&G Hamburg

Sonderangebot des Hamburger Lieblingshotels – Vorwand genug für George einmal wieder ein langes Wochenende in dieser schönen Stadt zu verbringen.

Ein Besuch des Museums für Kunst und Gewerbe MK&G gleich schräg rechts hinter dem Hauptbahnhof bietet sich für SelberschneiderInnen jeder Interessenlage unbedingt an: Sowieso immer und dieser Tage besonders mit gleich zwei moderelevanten Sonderausstellungen: BILDER DER MODE (bis 3.5.2015) und INSIDE OUT (bis 15.3.2015).

Also gleich am ersten Tag hinspaziert. Am Einlass überrascht positiv die kostenlose, bewachte Garderobe. So fühlt sich auch Reise-Gepäck oder der Einkauf von der nahen Fußgängerzone sicher während des Museumsbesuchs bewahrt.

Die drei weitläufigen Etagen des Gebäudes beherbergen zahlreiche ständige und wechselnde Ausstellungen – es lohnt sich auf jeden Fall einmal komplett durchzuschauen. Zuerst Eindrücke der Dinge, für die George eigentlich gar nicht da ist:

Den klar höchsten Zulauf mit dem klar geringsten Durchschnittsalter hat die Sonderausstellung TATTOO (bis 6.9.2015). Viele schöne (und hässliche ;-)) Fotos, viel geschichtliches und hintergründiges zu diesem Kunstgewerbe.

Die Abteilung ASIEN (z.Zt. teilweise geschlossen wegen Umbau) zeigt  eine wirklich interessante Anzahl von Exponaten zur Geschichte und Kultur der SAMURAI. Interessierte können z.B. einige original Kampfausrüstungen bewundern.

Eine Anzahl besonders schöner (wenn auch nicht zwangsläufig bequemer) Modekreationen sind in der Abteilung DESIGN zu bestaunen. Viele Künstler der Branche haben sich erfolgreich an der Nutzung näh-untypischer Materialien versucht.

Ein Gang zeigt DAMENMODE 1900 – 1945, viele Kleider und viel Zubehör wie z.B. Schuhe. Eine schöne Präsentation, besonders beim Glück allein und in absoluter Ruhe die Glasfront entlang spazierend die Stücke genießen zu können.

Da sind noch die Musikinstrumente mit Empire-Kleidern, die verblüffenden, prämierten Werbeplakate, aber halt: George hat ja immer ein offenes Auge für Modepuppen. Und es gibt neue Fundstücke: zwei griechisch / korinthische Gliederpuppen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus mit einem Originaltext  „… und die Puppen mitsamt den Puppengewändern als Jungfrau der Jungfrau Artemis …“; sowie eine „frühe BJD“ nach Proportionsstudien Dürers aus dem 16. Jahrhundert.

Aber jetzt, Besichtigungsstunden später, zum eigentlichen Grund des Besuchs:

BILDER DER MODE

Über 200 Arbeiten von Modezeichnungen bekannter Künstler und für bekannte Modejournale zeigt diese Sonderausstellung. Einerseits die eigentlichen Zeichnungen, teilweise im Entwurfsstadium, andererseits die Umsetzung und Nutzung als Coverbild der Zeitschriften und Bücher des späten 19. und des 20. Jahrhunderts werden gezeigt.

Eine Inspiration für alle InteressentInnen der Darstellung von Mode. Der dargestellte Weg von der Skizze, der Zeichnung, dem „Gemälde“ bis hin zum Hochglanz-Titel mit Schrift, Datum und Preis macht dem Museumsnamen „Kunst & Gewerbe“ alle Ehre.

INSIDE OUT

Der Ausstellungskatalog beschreibt: „Mit rund 55 Modellen … Blick auf Mode, die das Innere nach außen kehrt und Oberflächen aufbricht.“ Ein Ausstellungsraum zum schauen und staunen. Als Aufhänger gewählt (natürlich) besucherquotenbedingt aufgedruckte Nacktheit, aber auch die anderen Exponate sind absolut hinschauenswert.

Die Modelle verschiedener Designer spielen mit Material, Form und Oberfläche, mit Verhüllungen und Enthüllungen. Ein guter Abschluss des Museumsbesuchs. Nur noch faszinierende Eindrücke sammeln ohne den unbedingten Zwang planvollen Mitdenkens.

Nach dem Besuch der Ausstellungen ist unbedingt ein Rundgang durch den Museumsshop anzuraten. Selten hat George so viele bisher nicht bekannte Modebücher entdeckt. Schade, dass Buch-Etat wie freie Billy-Fläche begrenzt ist…

Empfehlung an alle SelberschneiderInnen: Hinfahren und schauen!

Link zur Museumsseite: http://www.mkg-hamburg.de


 

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Modemuseum Residenzschloss Ludwigsburg

Besuch am 19.04.2013

Einige Stunden Zeit bis zu einem Termin in Stuttgart – eine gute Gelegenheit für George, das Modemuseum im Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten Residenzschloss Ludwigsburg zu besuchen. Schon ein erster kurzer Rundgang über das Schlossgelände zeigt: Hier gibt es viel zu sehen; neben weiteren Museen und der Möglichkeit zur Schlossbesichtigung auch eine schöne Gartenanlage, und die Karte des kleinen Restaurants macht schon auch Appetit – aber heute ist die Zeit begrenzt.

Also schnell eine für Euro 3,50 gefühlt günstige Eintrittskarte erworben und in dem seitlichen Gebäudetrakt den ersten Stock erklommen, Karte entwerten lassen, rechts geht es lang…

Der erste Eindruck war die weitestgehende Abwesenheit von Helligkeit. Aus der von typisch touristenlauten Reisegruppen durchstreiften Mittagstrübe des Außengeländes in diesen einsamen – George war während seiner Anwesenheit der einzige Besucher dieses Museums – langen dunklen Gang eintauchend, schon fast nicht mehr sicher auf dem rechten Weg zu sein. Die großformatigen Gemälde an der Wand, wahrscheinlich eh zeitverrinnend nachgedunkelt, waren schlichtweg unerkennbar.

Aber gelohnt hat es sich. In dem Rundgang über 2 Etagen waren eine große Anzahl von Exponaten mit dem zeitlichen Schwerpunkt 1750 – 1810 mit sehr viel Liebe zum und Einblick vom Detail präsentiert. Neben in vielen derartigen Museen im Mittelpunkt stehenden aufwändigen Damen- und Herrenroben interessierten den Autor vor allem die beiden sonst kaum zu findenden Schwerpunkte Kinderbekleidung und Unterwäsche. Ergänzt wurde die Ausstellung durch eine ungewöhnlich außergewöhnliche, stichpunktartige Ansammlung von Einzelstücken des 19. Jahrhunderts bis heute – neue Ideen und Umsetzungsanregungen bis zum Abwinken.

Nur einmal wurde die absolute Ruhe dieser phantastischen, einsamen, auf Eindrücke und Gedanken fokussierten Museumsatmosphäre gestört: Eine Museumswärterin, wohl ihren Kontrollrundgang schleichend, umrundet die mattschwarz gestrichene Rückwand der Vitrine, steht plötzlich vor dem über die raffinierte Schnittführung eines schwarz-roten Hausanzugs der 20er Jahre grübelnden George und stößt einen spitzen Schrei aus des Erschreckens wohl über die unerwartete Anwesenheit eines lebenden Menschen.

Etwa 2 Stunden hat der Rundgang gedauert, spannend mit vielen neuen Erkenntnissen.

Da der Parkschein das Auto noch einige Minuten zur Anwesenheit berechtigt, ist noch Zeit für einen Rundgang die anderen Schlossflügel entlang.

Abgelegen in einigen Räumen zum Park lässt sich durch die historischen Fenster spähend wunderbare morbide Schönheit entdecken: Hier werden in einem Trakt auf Heilung *aua* und künftige öffentliche Aufmerksamkeit wartende Statuen und architektonische Stilelemente verwahrt, grau-in-grau bis grau-in-beige, teilweise grün bemoost, traumhaft. Vielleicht nächstes Mal mit Stativ und vorab um Einlass bittend…

George muss jetzt aber wirklich im Ausstellungskatalog Hinweise auf die Nichtbeleuchtungsphilosophie im Modemuseum Ludwigsburg suchen – Bug oder Feature?

Besuch absolut empfehlenswert!

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Schneidern im Mittelalter (4/13)

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 4 – Kleidungsformen

Die Formen der Bekleidung änderten sich über den Verlauf des Mittelalters mehrfach und vieles Modische wie Technische entwickelte sich im Laufe dieses Zeitalters entscheidend weiter.

Tunika, um 750

Das frühe Mittelalter war noch sehr an der einfachsten Schnittführung des griechisch / römischen Erbes orientiert. Orientierung an der verfügbaren Stoffbahn, möglichst optimale Materialnutzung. Geometrische, meist gerade Formen ohne Körperbetonung und ohne Passformoptimierung. Die Kleidung wurde mit Spangen und Gürteln am Körper gehalten. Ein typischer Vertreter dieser Zeit ist die Tunika – aus dem Altertum übernommen, im Frühmittelalter als Hauptkleidungsstück für Frauen wie Männer verbreitet, besonders als Unterkleid während des gesamten Mittelalters anzutreffen, und bis heute – meist jedoch schnitttechnisch verfeinert – in jedem Modekatalog vertreten.

Im Laufe des Mittelalters wurden die Kleidungsstücke raffinierter, technisch aufwändiger, vielteiliger. Die Kleidung folgte vermehrt den Körperformen; ermöglicht durch Knöpfe und Schnürungen und durch schnitttechnische Fortschritte wie den geformten Ärmelausschnitt, Rumpfteilungen oder anliegenden Hosenschnitten. „Mode“ konnte in den Kleidungsformen entstehen und ausgedrückt werden. Beobachter besonders aus dem klerikalen Umfeld erkannten schnell die Gefahren des fortschreitenden Sittenverfalls – aus seitlichen Kleider-Öffnungen wurden „Höllenfenster“.

Sideless Gown, um 1300


Zunehmend entwickelten sich durch die neuen Möglichkeiten auch Erscheinungen, die damals von zeitgenössischen Kritikern wie auch rückblickend heute von als „modische Entgleisung“ bezeichnet werden dürfen: Krasse Farbzusammenstellungen, Zipfel überall,  Mützen mit Ohren oder endlosen Schwänzchen, Ärmel in Länge oder Weite zum drüber stolpern, Knöpfe je mehr desto besser… – Wer es sich leisten konnte, vergaß den (damals – knapp vor Bauhaus – noch nicht urkundlich erwähnten) Spruch „Form folgt Funktion“. Obwohl – einige dieser auf den ersten Blick sehr eigenartig wirkenden Kreationen hatten sehr wohl ihren Sinn: Militärisch das Zeichen der Zusammengehörigkeit als erste Form der Uniformierung in Schlachten, gesellschaftlich – wie heute in der Mode doch auch – ebenfalls als Zeichen der Gruppen-Zusammengehörigkeit – der zeitgenössischen Yuppies.

Gegen Ende des Mittelalters hatten viele Kleidungsstücke bereits die grundlegenden Formen und Eigenschaften, wie wir Sie fast unverändert auch in der heutigen Mode vorfinden.

Überhaupt lassen sich viele authentische Modelle mit den aktuellen Möglichkeiten in Material und Technik für heute wortwörtlich absolut tragbar gestalten. Kürzen Sie nur etwas den Saum…

Harsthornbläser, 1476


Aber wieder zurück zu den historischen Kleidungsformen.

Die kurzfristigeren Veränderungen und speziell auch modischen Eskapaden waren in dieser kommunikationsärmeren und weniger schnelllebigen Zeit einer wohlhabenden Minderheit vorbehalten. Der Großteil der Bevölkerung verblieb bei einfachen, materialsparenden Stücken, die nach Möglichkeit noch über die Generationen weitergegeben wurden.

Wir kennen heute sicher nicht einen Bruchteil der genau genutzten Kleidungsformen, die aus den Ideen langer Wintertage damaliger SelberschneiderInnen entstanden. Gerade aus dem früheren Mittelalter sind die Abbildungen „normaler“ Menschen wie auch die archäologischen Fundstücke rar.

Lassen Sie sich also ermutigen, im Rahmen des damals technisch Machbaren Ihr individuelles Kleidungsstück zu erschaffen – nicht unwahrscheinlich Jemand vor 700 Jahren hat es auch bereits so getragen…

Nicht eingegangen werden kann hier im Rahmen der verfügbaren Zeilen und im Sinne des Schwerpunkts Selberschneidern auf die detaillierte Darstellung der wirklich zahlreichen einzelnen historischen Ausprägungen der Kleidungsstücke über den Zeitstrahl der 1000 Jahre des Mittelalters. Hier gibt es aber viele wirklich hervorragende, oft reich bebilderte Werke zur Anregung und zum Lernen. [lasst mich an das Literaturverzeichnis denken…]


Fortsetzung folgt…