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Münchner Stadtmuseum

13. Oktober 2016 1 Kommentar

Ein vernieselter Sonntagmorgen in München. Zeit für Museum!

Nur wenige Schritte vom Marienplatz oder vom Viktualienmarkt entfernt liegt das Münchner Stadtmuseum. Schauen wir, was dort speziell für SelberschneiderInnen interessant sein könnte.

Was ist „Typisch München“? Auch für Museumsbesucher sicherlich nicht zuletzt Oktoberfest und Bier. Gezeigt werden einige moderne Trachten, wie sie auch wirklich zahlreichst in diesen Tagen des Oktoberfests auf den Straßen und in den Geschäften der Stadt zu sehen sind.

Interessanter ist da die historische, für Arbeitskleidung damals ungewöhnlich aufwendige Kleidung einer Münchner Kellnerin aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Zusammenstellung aus geschnürtem Mieder, langem Rock und Schürze, Schultertuch und Haube wurde zum Schönheitsideal Münchner Weiblichkeit, erfährt der Besucher. Viel Wissenswertes über die großen Münchner Brauereien und das Brauwesen allgemein inklusive.

Das Highlight im Münchner Stadtmuseum aber ist wohl die obere weitläufige Etage, komplett dem Thema „Puppentheater / Schaustellerei“ gewidmet. Phantastische, unterschiedlichste Puppen-Charaktere, -Techniken und -Welten sind zu bestaunen.

Auf einige puppenerschaffende Künstler wird näher eingegangen, wie beispielsweise auf Walter Oberholzer (1893 – 1980) mit vielen seiner Schöpfungen und seiner kompletten Werkstatt; oder auf Richard Teschner (1879 – 1948) mit Anfang des 20. Jahrhunderts stiltypischen Wunderwerken an Puppenkörpern und –kleidung.

Jeder Schaukasten, jede Spiegelung, jedes Detail in dieser Ausstellung lädt ein zum Schauen und Träumen.

Besuch absolut empfehlenswert!

Für den nächsten München-Besuch schon fest vorgemerkt: 1970 vermachte Hermine von Parish (1907 – 1998) ihr Lebenswerk – eine der umfangreichsten Sammlungen von Druckerzeugnissen zu einfach allem rund um Bekleidung vom 16. bis zum 19. Jahrhundert – dem Münchner Stadtmuseum, welches es seither unter dem Namen „von Parish Kostümbibliothek“ liebevoll weiterführt und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Ein vielversprechendes Ziel für künftige Inspirationen – allerdings nur wochentags und auf Voranmeldung.

Auch abseits des Museums – es nieselt noch immer – bietet München eine Vielzahl von anschauenswerten Orten für jeden Geschmack.

Wer das Glück hat, von Ortsansässigen eingeladen am seit einem Jahr reservierten Tisch auf der Galerie den Blick in ein Oktoberfest-Zelt genießen zu dürfen – ein wirkliches Erlebnis, eine ganz bemerkenswerte Stimmung; aus dem Mix Münchner Eingeborener und dem Verständnis fernöstlicher Bonbonfarben-Romantik, aus unglaublichem Geräuschpegel und dem offensichtlichen Widerspruch zwischen Fülle an Menschen und Füllgrad der Maßkrüge.

Oder völlig gegensätzlich am Spaziergang nach Schwabing der Weg durch den Alten Nordfriedhof. Kein anderer Mensch, absolute Ruhe nur Tropfen fallen von Bäumen einzeln hörbar und spürbar. Friede und hingebungsvolle Zuneigung.

Oder selbstverständlich: Trachten shoppen in der Innenstadt.

München – bis nächstes Mal!