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BARETT

Barett SchnittmusterDas BARETT (auch Béret, Baskenmütze) ist eine Kopfbedeckung; eine Mütze unterschiedlicher Form, aber typischer dreiteiliger Schnittführung. Beim Wort an sich vermutet man keltisch/lateinischen Ursprung, die Form der Kopfbedeckung kam im Spät-Mittelalter in Mode und ist seither in verschiedenen Ausprägungen immer wieder verbreitet.

Viele Berühmtheiten ließen sich mit einem Barett abbilden, um nur einige zu nennen Martin Luther, Auguste Rodin und Che Guevara.

Ursprünglich gebildeten Ständen und dem Adel vorbehalten, verbreitete sich das Barett schnell in alle Stände. Bereits früh war es eine verbreitete Kopfbedeckung im militärischen Bereich, mit Beginn der Uniformierung hat es dort bis heute einen festen Platz gefunden – in vielen Armeen rund um die Welt gehört das  Barett zur Grundausstattung.

Wohl vom militärischen Vorbild abgeleitet ist das Barett auch in anderen straff geführten Organisationen sehr beliebt, beispielsweise bei der Polizei oder den Pfadfindern.

Andere Evolutionen des Baretts führten zu ganz anderen noch heute verbreiteten Ausprägungen: Die bäuerliche Variante im Grenzland Frankreich/Spanien wurde zur Baskenmütze, akademische Anwendungen führten zum Doktorhut und auch viele Kochmützen sind näher betrachtet schnitttechnisch ein Barett.

 

Die Schnittform

Barett SchnittmusterUnter der Bezeichnung Barett findet man Kopfbedeckungen unterschiedlicher Schnittform. Wir konzentrieren uns hier auf eine für die meisten Anwendungen typischen, dreiteiligen Schnitt in einer Vielzahl möglicher Varianten: Deckel unterschiedlicher Form und Größe, Boden von absolut flach bis voluminös auftragend, und ein Sockel von nicht vorhanden (d.h. der Boden ist nur gesäumt) bis sehr hoch (z.B. bei manchen Kochmützen oder beim Doktorhut).

 

Das Material

Nicht nur die Form-Varianten haben einen Einfluss auf die Erscheinung der fertigen Kopfbedeckung, sondern insbesondere auch das verwendete Material.

Ein Barett kann aus Strickmaterial hergestellt sein, aber typisch aus nicht dehnbaren, verschiedensten Stoffen wie Wolle / Loden oder Samt, aber auch in Baumwolle oder besonders wirkend in Leder oder edel in Seide.

Barett Schnittmuster

Meist wird das Barett einlagig aus dem Obermaterial gearbeitet. Bei manchen Obermaterialien kann eine Fütterung sinnvoll sein. Für ein spezielles Erscheinungsbild dient eine Verstärkung von Deckel oder Sockel.

Je nach Anwendungszweck und Zeitalter kann das Barett verziert sein; eine einfachen Quaste wie bei der Baskenmütze oder in anderer Form beim Doktorhut, ein Emblem wie im militärischen oder akademischen Bereich, oder gar Bänder, Borten oder Federn wie in vergangenen Jahrhunderten üblich.

Das Schnittmuster zum Blog

Wer einmal ein Barett selberschneidern möchte, wird hier fündig:

BARETT
Variantenreiches PASST! Basis-Schnittmuster BARETT. Erstellbar sind unterschiedlichste Kopfbedeckungen, die aus den Teilen Deckel, Boden und Sockel bestehen; darunter Militär-Barett, Baskenmützen, mittelalterliche und Renaissance-Mützen, Kochmützen oder Doktor-Hüte. Einstellbar sind  …
Details…

Schneidern im Mittelalter (4/13 Nachtrag 2)

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 4 Nachtrag 2 – Typische Kleidungsstücke (2)

Kopfbedeckungen

Über das Mittelalter hinweg gab es eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Kopfbedeckungen. Frauen und Männer bedeckten ihr Haupt hierbei ganz unterschiedlich. Hier erwähnt sind einige das gesamte Mittelalter einsetzbare Kopfbedeckungen sowie einige spezielle Modelle einzelner Epochen.

Schleier / Kopftuch

Für Frauen jeden Zeitalters – und so auch des Mittelalters – war und ist der Schleier (durchsichtiges Gewebe) bzw. das Kopftuch (undurchsichtiges Gewebe) eine immer wiederkehrend aktuelle Kopfbedeckung, sei es tagtäglich oder zu besonderen Anlässen.

Die „moderne“ getragene Länge dieses meist runden, ovalen oder rechteckigen Stückes Stoff variierte über das Mittelalter und die Region mehrfach.

Im Byzanz des Frühmittelalters wurde der Schleier oft nur knapp schulterlang getragen, nach dem die aus dem römischen übernommene Palla noch eher eine Ganzkörper-Bekleidung war als nur ein sehr großes Kopftuch.

Über weite Strecken des Mittelalters waren Schleier vor allem für repräsentative Zwecke aus wertvollen Materialien hüft- oder bodenlang, oft sogar mit Schleppe üblich.

Das einfache, geschlungene oder geknotete Kopftuch als alltägliche Kopfbedeckung vor allem bei der Arbeit hat sich über Jahrtausende kaum verändert.

Neben der Nutzung als alleinige Kopfbedeckung wurden Schleier auch oft als Ergänzung verwendet, wie beispielsweise nachfolgend beim Kopfreifen oder beim Hennin zu sehen.

Mütze

Kappe mit Federschmuck

Die zeitlich universelle, in den Grundformen vom frühen Mittelalter bis heute praktisch unveränderte Kopfbedeckung für Männer ist die Mütze.

Sehr oft aus 4 Teilen geschnitten, bildet die Mütze eine rechteckig flache oder auch eine runde, der Kopfform folgende Silhouette.

Die Mütze konnte glatt über den Kopf gezogen, oder – länger geschnitten und noch wärmender – mehrfach am Rand umgekrempelt werden. Teilweise war auch eine Krempe einzeln zugeschnitten und angenäht.

Zur Herstellung eigneten sich dichtere, dickere, aber weiche Materialien wie Wollstoffe, Strickwaren, aber auch oftmals dickeres, aber weiches Leder.

Stirnreifen und -rollen

Bei Frauen über das Mittelalter hinweg waren Stirnreifen und –rollen immer wieder aktuell.

Neben glatten oder verzierten Stirnreifen aus Metall (repräsentativste Ausprägung ist wohl die Krone) waren auch textile Stirnbänder und Rollen aus gepolstertem Stoff verbreitet – allein getragen oder als ergänzendes Element und Befestigung zu Schleiern.

Gebende

Gebende

Das Gebende wird als Projekt zum Selberschneidern in Folge 9/13 ausführlich beschrieben, einschließlich des passenden kostenlosen Schnittmusters.

Eine typische Kopfbedeckung der Frau des ausgehenden 13. Jahrhunderts und beginnenden 14. Jahrhunderts war das Gebende.

Dieser mehrteilige Kopfschmuck bestand aus einem  umlaufenden Kinnriemen (Barbette), der in Scheitelhöhe zusammengesteckt wurde. Rechtwinklig hierzu wurde ein Stirnreifen (Fillet) befestigt.

Ergänzt wurde diese Kopfbedeckung häufig durch ein Haarnetz (Crispinette) oder einen Schleier.

Kapuzenhaube

Kapuzenhaube


Die Kapuzenhaube wird als Projekt zum Selberschneidern in Folge 11/13 ausführlich beschrieben, einschließlich des passenden kostenlosen Schnittmusters.

Die Kapuzenhaube (auch Gugel, Cucullus genannt) ist eine seit dem späten 11. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert hinein verbreitete Kopfbedeckung für Männer.

Kennzeichen dieser mittelalterlichen Kapuzenmütze sind die umhangförmige Schulterbedeckung und der mehr oder weniger lange Zipfel am Hinterkopf (Liripipe).

Hennin

Obwohl nur den begrenzten Zeitraum vom späten 14. Jahrhundert bis ins späte 15. Jahrhundert und praktisch nur in Frankreich (und hier speziell im Burgund) anzufinden, wird der Hennin (auch Burgunderhaube genannt) vielfach als die typische mittelalterliche Kopfbedeckung angesehen (speziell bei Mädchen, die sich als Prinzessin verkleiden möchten).

Typisch für den Hennin ist die hohe, spitze Kegelform mit an der Spitze angebrachtem, langen Schleier.

Im Laufe der Zeit haben sich Varianten des Hennin gebildet; oft mit angeschnittenem, verkürztem Kegel wie beim „Black Headdress“.

Black Headdress

Bundhaube / Coif

In der Ritterzeit als Schutzkappe unter dem Helm entstanden, entwickelte sich die Bundhaube (Coif) zu einer verbreiteten, sehr häufig auch auf Darstellungen zu findenden Kopfbedeckung für Männer wie für Frauen im späteren Mittelalter.

Coif / Bundhaube

Sonstige Kleidungsbestandteile

Neben der eigentlichen Bekleidung spielten auch eine Reihe weiterer geschneiderter Bestandteile eine Rolle im mittelalterlichen Leben und hatten wesentlichen Einfluss auf den Gesamteindruck.

Gürtel

Gürtel spielten im Mittelalter eine wohl noch wichtigere Rolle als in heutiger Zeit. Zum einen zur Bändigung und Befestigung der oft weiten Kleidungstücke, zum anderen als Möglichkeit der Befestigung mitzutragender Gebrauchsgegenstände wie Werkzeuge, Geldbörsen, Waffen, …

Einfache Gürtel konnten geknotete Hanfstricke sein. Häufig anzutreffen waren auch Textil- oder – stabiler – Lederriemen, geknotet oder mit Verschlüssen aus Eisen, Bronze oder auch noch wertvolleren Materialien.

Aber bereits im Hochmittelalter folgte der Gürtel auch  modischen Interessen. Schmale, elegant von der Taille im Bogen zur Hüfte hängende, verzierte Ledergürtel präsentierten weibliche Formen; geschwungene, sehr breite Exemplare glichen fast schon mehr einem Korsett als einem Gürtel.

Taschen und Beutel

Taschen zum Transport alltäglicher Gebrauchsgegenstände waren im Mittelalter unverzichtbar.  Teilweise aus festem Textil, meist aber aus Leder gearbeitet und je nach Anlass, Geschmack und Finanzkraft durch Metallbeschläge und/oder textile Zierelemente wie Quasten geschmückt, waren hauptsächlich folgende beiden Typen am Gürtel befestigt vorzufinden:

Gürtel / Beutel

Der Schnürbeutel: ein am oberen Rand durch einen Riemen geraffter und damit geschlossener Beutel. Der Beutel konnte als einfacher, einteiliger Kreis geschnitten sein, oder auch raffinierter mehrteilig in Segmenten oder mit Boden.  Mit dem Riemen konnten kleine Schnürbeutel – oft bekannt als Geldbeutel – am Gürtel befestigt werden. Große Schnürbeutel ließen sich über der Schulter tragen.

Die Gürteltasche: Speziell für die Befestigung am Gürtel konstruiert ist diese in verdeckten Laschen unter dem mit Beschlag oder Riemen verschließbaren Klappe direkt im Gürtel einzufädelnden Tasche. Im Inneren der Tasche konnten weitere Fächer und Befestigungsmöglichkeiten angebracht sein.

Schürzen

Schürze

Zum Schutz der Kleidung oder des Körpers bei der Arbeit ist zumindest seit dem Spätmittelalter die Benutzung von Schürzen belegt – die frühere Verwendung kann vermutet werden.

Darstellungen zeigen speziell bei Frauen in der Taille durch einen Bundgürtel gehaltene, gerade oder geraffte, rechteckige Schürzen. Diese Schürzen waren wohl aus robustem, aber fallendem Material wie Leinen oder Jute.

Männer trugen Schürzen zum Körperschutz bei Tätigkeiten wie beispielsweise Schmieden. Diese Schürzen waren hoch, oft aus Leder und gern auch aus ganzen Häuten.

Fortsetzung folgt…