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Schneidern im Mittelalter (9/13): Nähprojekt GEBENDE

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 9 – Nähprojekte: GEBENDE

Eine typische und häufig bildlich dargestellte Kopfbedeckung der Frau des ausgehenden 13. Jahrhunderts und beginnenden 14. Jahrhunderts war das Gebende (von „Band, Bänder“). In der Öffentlichkeit galt es als zunehmend unüblich da unsittlich, als erwachsene = verheiratete Frau das Haar unbedeckt zu lassen.

Dieser mehrteilige Kopfschmuck bestand aus einem fest anliegenden, umlaufenden Kinnriemen (Barbette), der in Scheitelhöhe zusammengesteckt wurde. Rechtwinklig hierzu wurde ein Stirnreifen (Fillet) befestigt, der um Borten ergänzt oder geschmückt sein konnte.

Ergänzt wurde diese Kopfbedeckung häufig durch ein Haarnetz (Crispinette) oder einen oft schulterlangen Schleier.

Statt dem einzelnen Kinnriemen kann auch ein Stoffband mehrfach über Kinn und Ohren um den Kopf gewickelt werden.

Meist war dieser Kopfschmuck aus Leinen, in vielen Abbildungen in Weiß hergestellt, sicher sind aber auch viele andere Materialien – beispielsweise passende Reststücke der Oberbekleidung – zum Einsatz gekommen.

Getragen wurde das Gebende beispielsweise zu einer Cotte als Untergewand (unser Nähprojekt vor 2 Kapiteln) und einem Seitlich offenen Kleid (letztes Nähprojekt). In dieser Kombination entsteht eine komplette Garderobe für die Dame des beginnenden 14. Jahrhunderts.

Das Nähprojekt

Das kostenlose Schnittmuster für dieses Nähprojekt (Details siehe unten in diesem Artikel) enthält folgende Varianten:

  • Kinnriemen: Gerade, Geformt
  • Kronenband: Schmal, Normal, Breit
  • Schleier (optional)
  • Haarnetz (optional): Die genaue Form / Größe des Haarnetzes sollte individuelle je nach konkret unterzubringender Haarpracht ermittelt werden.

Passend zum roten Kleid und goldbeigen Unterkleid (Cotte) wurde der Kopfschmuck für das Musterstück mal nicht in Weiß, sondern in der Kombination passend aus dem seidenen Obermaterial des Kleides hergestellt, ergänzt durch ein Haarnetz aus dem Goldfaden-durchwirkten Seidenmaterial, das auch bereits den Ärmel des Unterkleides ziert. Die Breite der Krone ist mittel, der Kinnriemen gerade.

Das Schnittmuster im Download beinhaltet die bebilderte Schritt-für-Schritt Nähanleitung.

Das Schnittmuster zum Nähprojekt: Das Schnittmuster steht für die Maßschnittmuster-Software PASST! (kostenloser Download auf der Seite www.passt-online.de) und in vielen Standardgrößen zur Verfügung. In den gut 4 Wochen nach der Erstveröffentlichung dieses Blogartikels steht das Schnittmuster durch Eingabe des Gutschein-Codes (dann EINLÖSEN klicken!) kostenlos zum Download bereit; danach gilt der normale Listenpreis.
Mittelalterlicher Kopfschmuck GEBENDE
Mittelalterlicher Kopfschmuck (ca. 1200 – 1350). Barbette (Kinnriemen), Fillet (Kronenband), Crispinette (Haarnetz), Schleier.
Gutschein-Code: sim09gb (gültig vom 10.09.-13.10.2013)
Details…

Schneidern im Mittelalter (4/13 Nachtrag 2)

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 4 Nachtrag 2 – Typische Kleidungsstücke (2)

Kopfbedeckungen

Über das Mittelalter hinweg gab es eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Kopfbedeckungen. Frauen und Männer bedeckten ihr Haupt hierbei ganz unterschiedlich. Hier erwähnt sind einige das gesamte Mittelalter einsetzbare Kopfbedeckungen sowie einige spezielle Modelle einzelner Epochen.

Schleier / Kopftuch

Für Frauen jeden Zeitalters – und so auch des Mittelalters – war und ist der Schleier (durchsichtiges Gewebe) bzw. das Kopftuch (undurchsichtiges Gewebe) eine immer wiederkehrend aktuelle Kopfbedeckung, sei es tagtäglich oder zu besonderen Anlässen.

Die „moderne“ getragene Länge dieses meist runden, ovalen oder rechteckigen Stückes Stoff variierte über das Mittelalter und die Region mehrfach.

Im Byzanz des Frühmittelalters wurde der Schleier oft nur knapp schulterlang getragen, nach dem die aus dem römischen übernommene Palla noch eher eine Ganzkörper-Bekleidung war als nur ein sehr großes Kopftuch.

Über weite Strecken des Mittelalters waren Schleier vor allem für repräsentative Zwecke aus wertvollen Materialien hüft- oder bodenlang, oft sogar mit Schleppe üblich.

Das einfache, geschlungene oder geknotete Kopftuch als alltägliche Kopfbedeckung vor allem bei der Arbeit hat sich über Jahrtausende kaum verändert.

Neben der Nutzung als alleinige Kopfbedeckung wurden Schleier auch oft als Ergänzung verwendet, wie beispielsweise nachfolgend beim Kopfreifen oder beim Hennin zu sehen.

Mütze

Kappe mit Federschmuck

Die zeitlich universelle, in den Grundformen vom frühen Mittelalter bis heute praktisch unveränderte Kopfbedeckung für Männer ist die Mütze.

Sehr oft aus 4 Teilen geschnitten, bildet die Mütze eine rechteckig flache oder auch eine runde, der Kopfform folgende Silhouette.

Die Mütze konnte glatt über den Kopf gezogen, oder – länger geschnitten und noch wärmender – mehrfach am Rand umgekrempelt werden. Teilweise war auch eine Krempe einzeln zugeschnitten und angenäht.

Zur Herstellung eigneten sich dichtere, dickere, aber weiche Materialien wie Wollstoffe, Strickwaren, aber auch oftmals dickeres, aber weiches Leder.

Stirnreifen und -rollen

Bei Frauen über das Mittelalter hinweg waren Stirnreifen und –rollen immer wieder aktuell.

Neben glatten oder verzierten Stirnreifen aus Metall (repräsentativste Ausprägung ist wohl die Krone) waren auch textile Stirnbänder und Rollen aus gepolstertem Stoff verbreitet – allein getragen oder als ergänzendes Element und Befestigung zu Schleiern.

Gebende

Gebende

Das Gebende wird als Projekt zum Selberschneidern in Folge 9/13 ausführlich beschrieben, einschließlich des passenden kostenlosen Schnittmusters.

Eine typische Kopfbedeckung der Frau des ausgehenden 13. Jahrhunderts und beginnenden 14. Jahrhunderts war das Gebende.

Dieser mehrteilige Kopfschmuck bestand aus einem  umlaufenden Kinnriemen (Barbette), der in Scheitelhöhe zusammengesteckt wurde. Rechtwinklig hierzu wurde ein Stirnreifen (Fillet) befestigt.

Ergänzt wurde diese Kopfbedeckung häufig durch ein Haarnetz (Crispinette) oder einen Schleier.

Kapuzenhaube

Kapuzenhaube


Die Kapuzenhaube wird als Projekt zum Selberschneidern in Folge 11/13 ausführlich beschrieben, einschließlich des passenden kostenlosen Schnittmusters.

Die Kapuzenhaube (auch Gugel, Cucullus genannt) ist eine seit dem späten 11. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert hinein verbreitete Kopfbedeckung für Männer.

Kennzeichen dieser mittelalterlichen Kapuzenmütze sind die umhangförmige Schulterbedeckung und der mehr oder weniger lange Zipfel am Hinterkopf (Liripipe).

Hennin

Obwohl nur den begrenzten Zeitraum vom späten 14. Jahrhundert bis ins späte 15. Jahrhundert und praktisch nur in Frankreich (und hier speziell im Burgund) anzufinden, wird der Hennin (auch Burgunderhaube genannt) vielfach als die typische mittelalterliche Kopfbedeckung angesehen (speziell bei Mädchen, die sich als Prinzessin verkleiden möchten).

Typisch für den Hennin ist die hohe, spitze Kegelform mit an der Spitze angebrachtem, langen Schleier.

Im Laufe der Zeit haben sich Varianten des Hennin gebildet; oft mit angeschnittenem, verkürztem Kegel wie beim „Black Headdress“.

Black Headdress

Bundhaube / Coif

In der Ritterzeit als Schutzkappe unter dem Helm entstanden, entwickelte sich die Bundhaube (Coif) zu einer verbreiteten, sehr häufig auch auf Darstellungen zu findenden Kopfbedeckung für Männer wie für Frauen im späteren Mittelalter.

Coif / Bundhaube

Sonstige Kleidungsbestandteile

Neben der eigentlichen Bekleidung spielten auch eine Reihe weiterer geschneiderter Bestandteile eine Rolle im mittelalterlichen Leben und hatten wesentlichen Einfluss auf den Gesamteindruck.

Gürtel

Gürtel spielten im Mittelalter eine wohl noch wichtigere Rolle als in heutiger Zeit. Zum einen zur Bändigung und Befestigung der oft weiten Kleidungstücke, zum anderen als Möglichkeit der Befestigung mitzutragender Gebrauchsgegenstände wie Werkzeuge, Geldbörsen, Waffen, …

Einfache Gürtel konnten geknotete Hanfstricke sein. Häufig anzutreffen waren auch Textil- oder – stabiler – Lederriemen, geknotet oder mit Verschlüssen aus Eisen, Bronze oder auch noch wertvolleren Materialien.

Aber bereits im Hochmittelalter folgte der Gürtel auch  modischen Interessen. Schmale, elegant von der Taille im Bogen zur Hüfte hängende, verzierte Ledergürtel präsentierten weibliche Formen; geschwungene, sehr breite Exemplare glichen fast schon mehr einem Korsett als einem Gürtel.

Taschen und Beutel

Taschen zum Transport alltäglicher Gebrauchsgegenstände waren im Mittelalter unverzichtbar.  Teilweise aus festem Textil, meist aber aus Leder gearbeitet und je nach Anlass, Geschmack und Finanzkraft durch Metallbeschläge und/oder textile Zierelemente wie Quasten geschmückt, waren hauptsächlich folgende beiden Typen am Gürtel befestigt vorzufinden:

Gürtel / Beutel

Der Schnürbeutel: ein am oberen Rand durch einen Riemen geraffter und damit geschlossener Beutel. Der Beutel konnte als einfacher, einteiliger Kreis geschnitten sein, oder auch raffinierter mehrteilig in Segmenten oder mit Boden.  Mit dem Riemen konnten kleine Schnürbeutel – oft bekannt als Geldbeutel – am Gürtel befestigt werden. Große Schnürbeutel ließen sich über der Schulter tragen.

Die Gürteltasche: Speziell für die Befestigung am Gürtel konstruiert ist diese in verdeckten Laschen unter dem mit Beschlag oder Riemen verschließbaren Klappe direkt im Gürtel einzufädelnden Tasche. Im Inneren der Tasche konnten weitere Fächer und Befestigungsmöglichkeiten angebracht sein.

Schürzen

Schürze

Zum Schutz der Kleidung oder des Körpers bei der Arbeit ist zumindest seit dem Spätmittelalter die Benutzung von Schürzen belegt – die frühere Verwendung kann vermutet werden.

Darstellungen zeigen speziell bei Frauen in der Taille durch einen Bundgürtel gehaltene, gerade oder geraffte, rechteckige Schürzen. Diese Schürzen waren wohl aus robustem, aber fallendem Material wie Leinen oder Jute.

Männer trugen Schürzen zum Körperschutz bei Tätigkeiten wie beispielsweise Schmieden. Diese Schürzen waren hoch, oft aus Leder und gern auch aus ganzen Häuten.

Fortsetzung folgt…