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Modemuseum Residenzschloss Ludwigsburg

Besuch am 19.04.2013

Einige Stunden Zeit bis zu einem Termin in Stuttgart – eine gute Gelegenheit für George, das Modemuseum im Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten Residenzschloss Ludwigsburg zu besuchen. Schon ein erster kurzer Rundgang über das Schlossgelände zeigt: Hier gibt es viel zu sehen; neben weiteren Museen und der Möglichkeit zur Schlossbesichtigung auch eine schöne Gartenanlage, und die Karte des kleinen Restaurants macht schon auch Appetit – aber heute ist die Zeit begrenzt.

Also schnell eine für Euro 3,50 gefühlt günstige Eintrittskarte erworben und in dem seitlichen Gebäudetrakt den ersten Stock erklommen, Karte entwerten lassen, rechts geht es lang…

Der erste Eindruck war die weitestgehende Abwesenheit von Helligkeit. Aus der von typisch touristenlauten Reisegruppen durchstreiften Mittagstrübe des Außengeländes in diesen einsamen – George war während seiner Anwesenheit der einzige Besucher dieses Museums – langen dunklen Gang eintauchend, schon fast nicht mehr sicher auf dem rechten Weg zu sein. Die großformatigen Gemälde an der Wand, wahrscheinlich eh zeitverrinnend nachgedunkelt, waren schlichtweg unerkennbar.

Aber gelohnt hat es sich. In dem Rundgang über 2 Etagen waren eine große Anzahl von Exponaten mit dem zeitlichen Schwerpunkt 1750 – 1810 mit sehr viel Liebe zum und Einblick vom Detail präsentiert. Neben in vielen derartigen Museen im Mittelpunkt stehenden aufwändigen Damen- und Herrenroben interessierten den Autor vor allem die beiden sonst kaum zu findenden Schwerpunkte Kinderbekleidung und Unterwäsche. Ergänzt wurde die Ausstellung durch eine ungewöhnlich außergewöhnliche, stichpunktartige Ansammlung von Einzelstücken des 19. Jahrhunderts bis heute – neue Ideen und Umsetzungsanregungen bis zum Abwinken.

Nur einmal wurde die absolute Ruhe dieser phantastischen, einsamen, auf Eindrücke und Gedanken fokussierten Museumsatmosphäre gestört: Eine Museumswärterin, wohl ihren Kontrollrundgang schleichend, umrundet die mattschwarz gestrichene Rückwand der Vitrine, steht plötzlich vor dem über die raffinierte Schnittführung eines schwarz-roten Hausanzugs der 20er Jahre grübelnden George und stößt einen spitzen Schrei aus des Erschreckens wohl über die unerwartete Anwesenheit eines lebenden Menschen.

Etwa 2 Stunden hat der Rundgang gedauert, spannend mit vielen neuen Erkenntnissen.

Da der Parkschein das Auto noch einige Minuten zur Anwesenheit berechtigt, ist noch Zeit für einen Rundgang die anderen Schlossflügel entlang.

Abgelegen in einigen Räumen zum Park lässt sich durch die historischen Fenster spähend wunderbare morbide Schönheit entdecken: Hier werden in einem Trakt auf Heilung *aua* und künftige öffentliche Aufmerksamkeit wartende Statuen und architektonische Stilelemente verwahrt, grau-in-grau bis grau-in-beige, teilweise grün bemoost, traumhaft. Vielleicht nächstes Mal mit Stativ und vorab um Einlass bittend…

George muss jetzt aber wirklich im Ausstellungskatalog Hinweise auf die Nichtbeleuchtungsphilosophie im Modemuseum Ludwigsburg suchen – Bug oder Feature?

Besuch absolut empfehlenswert!

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