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Bernau Hussitenfest

Hussitenfest in Bernau bei Berlin

Besuche am 05. Juni 2011 und am 09. Juni 2012

Anfang Juni jeden Jahres begeht Bernau bei Berlin seit gut zwei Jahrzehnten das Hussitenfest.

Zurückzuführen ist das Fest auf den Überfall der Hussiten auf Bernau am 23. April 1432. Die Hussiten gingen Anfang des 15. Jahrhunderts aus einem Bürgeraufstand gegen die Drangsalierung durch die katholische Feudalherrschaft in der Gegend von Prag hervor – Namensgeber war der 1415 hingerichtete Prediger Johann Hus.

Die Überzeugungen und Forderungen der Hussiten scheinen aus heutiger Sicht absolut gerechtfertigt: Predigten in der Landessprache, gerechte Verteilung der Arbeitsleistung, Gleichbehandlung vor Gericht. Die Handlungen der verzweifelten Bürger – einige Tausend Waffenfähige, aber auch Alte, Frauen und Kinder, waren dennoch [zeitlos immer wieder überall auf der Welt zu beobachten] grausam, viele Unbeteiligte kamen ums Leben.

Auf einem Eroberungszug zur Durchsetzung ihrer Forderungen hinterließen die Hussiten eine Schneise der Verwüstung in hunderten Ansiedlungen. Über Frankfurt/Oder schlugen sie sich im Frühjahr 1432 westlich bis nach Bernau. Die tapferen BernauerInnen aber schlugen den Angriff auf die Stadtmauern erfolgreich zurück, setzten den fliehenden Hussiten nach und trugen so entscheidend zum endgültigen Rückzug der Angreifer in ihre böhmische Heimat bei.

Jetzt aber zum Ort und zum Fest: Bernau ist absolut einen Besuch wert.

Ein Tipp vorab für die Anreise am Festwochenende von Berlin aus: Die vom Navi empfohlene Ausfahrt ist hoffnungslos überlastet – ein kilometerlanger Stau kann aber durch Umfahrung und Anfahrt von Norden vermieden werden. Der große Parkplatz direkt am Beginn der Fußgängerzone zum Zentrum und zum Festplatz ist perfekt.

Bernau ist eine schöne, alte Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, auf die ich aber aus Selberschneider-Sicht hier aber nicht weiter eingehen möchte. Am Festwochenende ist ganz Bernau auf Besucher eingestellt: Auf dem Marktplatz und den umliegenden Straßen findet man zahlreiche meist lokale Händler, auch viel Handwerk und Kunstgewerbe,  und diverse Möglichkeiten zur körperlichen Stärkung.

Der Festplatz im Stadtpark gleich außerhalb der Stadtmauer gliedert sich in zwei große, getrennte Bereiche. Der eine Bereich ist ein Rummelplatz mit den typischen Buden und Fahrgeschäften – zumindest mit Kindern sicher eine Runde wert.

Der Autor hat sich zum Bereich des Mittelalter-Marktes gewandt – ein abgezäuntes Areal, zu erreichen nach  Zahlung des [angemessenen] Eintritts von 6 Euro. In dem Bereich haben schätzungsweise 100 Händler ihre Zelte und Stände aufgeschlagen, mit Vielem, was das Mittelalter- und speziell auch Mittelalter-SelberschneiderInnen-Herz begehrt.

Mag auch das phantastische Wetter an meinen Besuchstagen zur Stimmung der offenen Geldbörse beigetragen haben – behalten zumindest Sie Ihr Budget im Auge! Schnell sind einige kunstvoll geschmiedete Fibeln, die gesuchte erste Ausgabe der Miroque und eine sauber verarbeitete, tatsächlich schneidende Bügelschere im Sack. Und noch ein aus Knochen geschnitzter Schutz für meine Nähnadeln aus Bronze und Bein.

Der Blick sollte sich aber außer auf die Auslagen  der Händler auch immer wieder in die Runde wenden. Der gewählte Ort ist für einen Mittelalter-Markt ideal – in sich abgeschlossen, groß genug für Stände und Vorführungen und viele Besucher ohne Gedränge, mit einem Blick immer wieder auf Stadtmauer und Türme.

Vielleicht  sehen wir uns auf dem nächsten Hussitenfest in Bernau bei Berlin.

07. Juni 2013 – 09. Juni 2013

Stadtzentrum und Stadtpark Bernau
16321 Bernau bei Berlin

www.hussitenfest.de


Einschätzung des Autors: SEHR EMPFEHLENSWERT

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