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Fashion Doll / Ball Jointed Doll (BJD)

3. Januar 2013 1 Kommentar

Seit frühester Geschichte werden von Menschen Puppen hergestellt: Hauptsächlich als Kunstwerk zur Darstellung des Menschen seiner selbst und zur Bewahrung der Erinnerung sowie zum Spiel der Kinder als Übung späterer gesellschaftlicher Aufgaben; aber auch zum Fern-Quälen (Voodoo ;-)) und für andere Zwecke mehr.

Ein Evolutionszweig der Puppe führt zum Liebhaberstück; exklusiv und limitiert und teuer nur für Sammler und Kenner, für einen begrenzten Kreis der Eingeweihten mutiert.

Zwei Begriffe spielen in diesem Umfeld eine besondere Rolle:  „Fashion Dolls“  und „Ball Jointed Dolls“.

Fashion Dolls

Der Name „Fashion Doll“ beschreibt den Zweck: Eine Puppe, die Mode trägt und zeigt. Modepuppen wurden seit langer Zeit genutzt (nach einigen Quellen seit dem 14. Jahrhundert), um Kleidungstrends wirtschaftlich transportieren und wirkungsvoll präsentieren zu können.

In modernerer Zeit mit besseren Möglichkeiten des Transports und der Visualisierung, ist die Modepuppe teils als Kinderspielzeug und teils als Sammlerobjekt erhalten.

Die Firma Mattel hat Ende der 1950er Jahre die Puppe „Barbie“ herausgebracht, die bis heute sowohl mit ihrer Größe von ca. 30cm / 11“ / Maßstab 1:6 wie auch in Ihrer unglaublichen Population  in (rosa) Kinderzimmern bis heute Maßstäbe setzt. Neben dem Massenprodukt sind aber auch wertvolle Sammlerstücke – oft von namhaften Designern gestaltet – auf dem Markt.

Eine Reihe weiterer Hersteller von Modepuppen folgten. Für Sammlerstücke und die Präsentation von Mode ist das nähtechnisch praktischere,  etwas größere Format von etwa  40cm / 16“ / Maßstab 1:4 sehr verbreitet, aber auch viele andere, teilweise herstellerspezifische Größen bis über etwa 90cm / 36“  sind anzutreffen.

Modepuppen haben eine annähernd natürliche, gelegentlich aber überhöht „model-hafte“ Figur. Zumeist anzutreffen sind weibliche Puppen. Männliche Puppen sind (eigentlich nicht erstaunlich, als Spiegelbild der Zielgruppe der Modebranche) seltener, oft scheinbar „alibihalber“ oder in limitierten Auflagen zu aktuellen Filmen oder anderen Ereignissen.

Modepuppen sind meist aus Hart-Kunststoff, unterschiedlich ausgeprägt beweglich durch Kunststoffgelenke.  Die Qualität und speziell die Originalgetreue ist bei hochwertigen Puppen erstaunlich – auf guten Fotos ist auf den ersten Blick kaum die Puppe vom lebenden Model zu unterscheiden.

Die Kleidung der Fashion Doll ist – ganz einfach – die Mode. Zeitgeist, aber auch Prunk und Eleganz ist in einem Maße vertreten, wie es der Alltag kaum erlaubt.

Ball Jointed Dolls BJD

Der Begriff „Ball Jointed Doll“ an sich beschreibt die Technik, die der Puppe ermöglicht sich zu bewegen und nahezu alle natürlichen Positionen anzunehmen: Die Gelenke der einzelnen Körperteile  der Puppe (Doll) sind Kugeln (Ball), die über stramm gespannte Gummizüge innen verbunden (Jointed) und zusammengehalten werden.

Verwendet wird dieser Begriff aber fast ausschließlich im Zusammenhang mit asiatischen Puppen (meist) im Manga-/Anime-Stil. Hergestellt sind sie mehrheitlich aus hochwertigen Kunstharzen (Resin).

Der Ursprung der heutigen BJDs liegt auf Basis der jahrhundertealten japanischen Kultur der Puppen als Kunstgegenstand bei der Firma Volks, die Ende der 1990er Jahre die BJD Puppe „Super Dollfie“ herausbrachte.  Andere japanische Hersteller folgten, dann Koreaner, Taiwanesen, Chinesen.

Am verbreitetsten sind zwei Größen von BJDs: die Größe SD (wurde auch namensmäßig von der original „Super Dollfie“ abgeleitet) von etwa 60 cm / Maßstab 1:3; und die kleinere MSD von ca. 40 cm / Maßstab 1:4.

BJDs gibt es in weiblichen und männlichen Ausführungen, in verschiedenen jugendlichen Altersstufen (öfter genannt sind z.B. MSD17 oder MSD13). Die männlichen Modelle wirken androgyn (oder sollten wir es eher metrosexuell nennen?), die weiblichen Modelle haben mangahafte Proportionen.

Neben den beiden Hauptgrößen sind eine große Anzahl, teilweise herstellerspezifische Größen von sehr klein (< 25 cm) bis sehr groß (> 90 cm) auf dem Markt.

BJDs sind so hergestellt, das sich leicht Körperteile (Köpfe, Oberkörper, Hände etc.) austauschen lassen und so ein individuelles Aussehen entsteht. Eine große Rolle bei den BJD-SammlerInnen spielt das „Face-Up“, die kunstvolle, individuelle Bemalung des Gesichts.

Die Kleidung der BJDs ist ebenfalls zumeist Manga-/Anime-inspiriert, Begriffe  wie Lolita, J-Style und Gothic spielen eine Rolle. Nicht selten begegnet man auf einer Anime Convention BJD und BesitzerIn im Partner-Look.


[Anm. d. Autors: Als Fremder, als Quereinsteiger, von außen auf diese Szene blickend  ist das Thema absolut faszinierend.  Man trifft auf interessante Menschen mit Leuchten in den Augen und auf völlig neue Gedankengänge und Zusammenhänge. Ich freue mich im Verlauf des Projektes „DOLLFORCE.COM“ darauf, etwas tiefer einzutauchen.]

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