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Münchner Stadtmuseum

13. Oktober 2016 1 Kommentar

Ein vernieselter Sonntagmorgen in München. Zeit für Museum!

Nur wenige Schritte vom Marienplatz oder vom Viktualienmarkt entfernt liegt das Münchner Stadtmuseum. Schauen wir, was dort speziell für SelberschneiderInnen interessant sein könnte.

Was ist „Typisch München“? Auch für Museumsbesucher sicherlich nicht zuletzt Oktoberfest und Bier. Gezeigt werden einige moderne Trachten, wie sie auch wirklich zahlreichst in diesen Tagen des Oktoberfests auf den Straßen und in den Geschäften der Stadt zu sehen sind.

Interessanter ist da die historische, für Arbeitskleidung damals ungewöhnlich aufwendige Kleidung einer Münchner Kellnerin aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Zusammenstellung aus geschnürtem Mieder, langem Rock und Schürze, Schultertuch und Haube wurde zum Schönheitsideal Münchner Weiblichkeit, erfährt der Besucher. Viel Wissenswertes über die großen Münchner Brauereien und das Brauwesen allgemein inklusive.

Das Highlight im Münchner Stadtmuseum aber ist wohl die obere weitläufige Etage, komplett dem Thema „Puppentheater / Schaustellerei“ gewidmet. Phantastische, unterschiedlichste Puppen-Charaktere, -Techniken und -Welten sind zu bestaunen.

Auf einige puppenerschaffende Künstler wird näher eingegangen, wie beispielsweise auf Walter Oberholzer (1893 – 1980) mit vielen seiner Schöpfungen und seiner kompletten Werkstatt; oder auf Richard Teschner (1879 – 1948) mit Anfang des 20. Jahrhunderts stiltypischen Wunderwerken an Puppenkörpern und –kleidung.

Jeder Schaukasten, jede Spiegelung, jedes Detail in dieser Ausstellung lädt ein zum Schauen und Träumen.

Besuch absolut empfehlenswert!

Für den nächsten München-Besuch schon fest vorgemerkt: 1970 vermachte Hermine von Parish (1907 – 1998) ihr Lebenswerk – eine der umfangreichsten Sammlungen von Druckerzeugnissen zu einfach allem rund um Bekleidung vom 16. bis zum 19. Jahrhundert – dem Münchner Stadtmuseum, welches es seither unter dem Namen „von Parish Kostümbibliothek“ liebevoll weiterführt und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Ein vielversprechendes Ziel für künftige Inspirationen – allerdings nur wochentags und auf Voranmeldung.

Auch abseits des Museums – es nieselt noch immer – bietet München eine Vielzahl von anschauenswerten Orten für jeden Geschmack.

Wer das Glück hat, von Ortsansässigen eingeladen am seit einem Jahr reservierten Tisch auf der Galerie den Blick in ein Oktoberfest-Zelt genießen zu dürfen – ein wirkliches Erlebnis, eine ganz bemerkenswerte Stimmung; aus dem Mix Münchner Eingeborener und dem Verständnis fernöstlicher Bonbonfarben-Romantik, aus unglaublichem Geräuschpegel und dem offensichtlichen Widerspruch zwischen Fülle an Menschen und Füllgrad der Maßkrüge.

Oder völlig gegensätzlich am Spaziergang nach Schwabing der Weg durch den Alten Nordfriedhof. Kein anderer Mensch, absolute Ruhe nur Tropfen fallen von Bäumen einzeln hörbar und spürbar. Friede und hingebungsvolle Zuneigung.

Oder selbstverständlich: Trachten shoppen in der Innenstadt.

München – bis nächstes Mal!

Leipzig in Schwarz

2. Juli 2016 2 Kommentare

George wieder einmal in Leipzig. Das letzte Mal, im Frühjahr anlässlich der Buchmesse zur Vorstellung der COSPLAY CD, hatte er sich noch geärgert: Keine Zeit für die Sonderausstellung „Leipzig in Schwarz“ im Stadtgeschichtlichen Museum, Haus Böttchergäßchen.

Aber: Die Dauer der Ausstellung wurde bis 24.07.2016 verlängert – die Chance, gleich hinein Freitagmorgens um 10 Uhr.

Zum 25. Mal fand am Pfingst-Wochenende 2016 in Leipzig das jährliche Wave-Gotik Treffen (WGT) statt. Schrieb 1993 noch die Leipziger Volkszeitung: „Passanten waren verschreckt, Kinder staunten mit offenstehenden Mündern“, so ist diese Veranstaltung zehntausender friedlich-schwarzverkleideter Zeitgenossen aus ganz Deutschland und der ganzen Welt mittlerweile in der Stadt als eines der touristisch-kulturellen Highlights anerkannt und mit dem – wollten die WGT Fans dies wirklich? – Leipziger Tourismuspreis beehrt.

In der kleinen Ausstellung (ein Raum) sind liebevoll Relikte aus den 25 Jahren zusammengetragen, mit Original-Dokumenten und Erläuterungen der Hintergründe und Entwicklungen der Bewegung. Eine Auswahl typischer Kostümierungen und Accessoires wird gezeigt.

Die Ausstellung ist für „Außenstehende“ ein idealer kleiner Einstieg in das Gothic-Thema, und für SelberschneiderInnen unbedingt empfehlenswert und interessant wie die gesamte Gothic-Szene – werden doch die meisten Outfits in kreativer Eigenleistung selbst entworfen, genäht und gebastelt.

Der Kern der Kleidungsstücke besteht oft aus Stilelementen der viktorianischen Zeit: Weite Röcke, Mieder, Zylinder, Gehröcke. Elegant sollte es sein, aufwendig inszeniert und mit Detailliebe verziert. Schwarz. Vielleicht etwas Rot oder Weiß. Gerne Messing und Kupfer. Aber auch viele Einflüsse der Kleidung von der Renaissance bis hin zu den 1930ern sind zu finden. Und durch die ursprüngliche Nähe zu den Punks auch das gekonnt-Zerrissene, gezielt-Herunterhängende, offenherzig-Vernetzte. Kunstwerke, absolut anschauenswert.

Drei Gedanken hat George aus der Ausstellung konkret mitgenommen:

Erstens 25 Jahre sind lang. Die Babies, die in den 1990ern von einem schwarzbehandschuht-händchenhaltenden Pärchen auf dem Rockkonzert gerade noch nicht gezeugt waren, gehen heute vielleicht mit Ihren immer noch Gothic-getreuen Eltern zu Pfingsten selbst verkleidet gemeinsam durch die Leipziger Straßen.

Zweitens Schnittmuster: Seit langem liegt die Gothic / Steampunk / Victorian Kollektion umfänglich wachsend in der gedanklichen Schublade. Die Ausstellung hat wieder Eindrücke hinzugefügt, die Schublade lässt sich nicht mehr schließen.
Konkreter Vorsatz: Noch diesen Sommer gibt es ein spezielles viktorianisches Teil.

Drittens eigener Eindruck: Pfingsten 2017 ist geblockt für einen Leipzig-Besuch. Rechtzeitig organisieren!

Homepage des Wave-Gotik Treffens: http://www.wave-gotik-treffen.de/photogallery.php

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig: http://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de/

Internationales Maritimes Museum Hamburg


Über Sylvester 2015/2016 einmal wieder in Hamburg – Gelegenheit am Rückreisetag – nasskalt und windig – eine der noch nicht besichtigten Museen aufzusuchen. Die Wahl fiel auf das Internationale Maritime  Museum Hamburg in einem der ältesten Gebäude der Speicherstadt.

Diese Wahl hat sich als lohnenswert herausgestellt, für mehr als die Flucht vor der Kälte bis der Zug geht. Gar nicht geplant, aber wirklich SelberschneiderInnen-relevant und somit einen Blogeintrag wert.

Das Museum befindet sich im „Kaispeicher B“, einem aufwendig restaurierten Getreidespeicher aus 1878, heute an prominenter Stelle der Grenze von der historischen Speicherstadt zur Hafen-City in Entstehung mit ihrer modernen Architektur. Tolles Gebäude, super Lage – fast sind zu viele Besucher zu befürchten, sobald die Kreuzfahrt-Terminals in Sichtweite erst einmal fertig gestellt sein werden…

Aber heute am Tag nach Neujahr 2 Minuten vor Öffnungszeit ist George noch der erste Besucher. Eine nordisch-herbe Erinnerung „Wir öffnen um 10!“ veranlasst ihn noch ein wenig zu warten.

8 große Etagen und zusätzliche Halbetagen bieten viel Raum in dem – hatte ich es schon erwähnt? – wirklich schönen und beeindruckenden Gebäude. Ein Traum für jeden Schifffahrts-Interessierten. Jede Bereich ist einem bestimmten Schwerpunkt gewidmet, gefühlt thematisch fair aufgeteilt über die 3000 Jahre Seefahrts-Geschichte, auf militärische und zivile Seefahrt, auf Wirtschaft und Wissenschaft, Entdecker und Sport, auf Alltag, Schiffskonstruktion und Schiffsbau, Modellbau und Gemälde.

Und – Achtung SelberschneiderInnen! – eine wirklich beeindruckende Sammlung von marinen Kleidungsstücken aus aller Welt, thematisch zugeordnet in den einzelnen Abteilungen. Die hierfür verwendete Fläche, die Anzahl und Qualität der Stücke übersteigt die Möglichkeiten manch anderer bereits besuchter, spezialisierter Fashion-Sammlung.

Besonders Uniformen der letzten beiden Jahrhunderte sind zahlreich zusammengetragen und sehenswert präsentiert, aber auch zivile Kleidungsstücke rund um die Seefahrt sind häufig eingestreut.  Bemerkenswert ist die Vollständigkeit der einzelnen Outfits – so sind meist beispielsweise komplett Jacke, Hemd und Hose, Kopfbedeckung und Handschuhe an strumpfgesichtigen Dummys zu bestaunen.

Noch nie hat George eine umfangreichere Sammlung von Kopfbedeckungen gesehen – vielleicht die Inspiration für eine Kappen-, Mützen- und Hüte-Kollektion demnächst?

Wer also Anregungen sucht für maritime Bekleidung im Allgemeinen und seemännischen Uniformen im Besonderen – im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg schauen Sie richtig.

 

Einschätzung: Besuch absolut empfehlenswert!

Offizielle Webseite des Museums: http://www.imm-hamburg.de/

 

Schnittmuster zum Thema

Wer etwas Seefahrt nachschneidern möchte, kommt am typischen blau-weißen Matrosen-Shirt natürlich nicht herum. Beide verwendeten Maß-Schnittmuster T-SHIRT und MATROSENKRAGEN stehen kostenlos bereit.

MATROSENKRAGEN
Basisschnittmuster MATROSENKRAGEN (TSHIRT inclusive) in vielen klassischen und modernen Varianten. Kragenform, Ausschnittform, Länge und Breite des Kragens sind einstellbar. Ansetzbar an viele Schnittmuster von Oberteilen …
Details…

Schnittmuster Matrosenkragen

ThirdBrain

George sitzt gerade einmal wieder in seinem Zweitbüro (Starbucks, Fensterplatz mit Aussicht auf den Kudamm).

Zeit 7:45 Uhr, noch himmlische Ruhe, der Kimono Blog Artikel soll geschrieben werden. Schnell ins WLAN…

Doch – ein lange gehegter Gedankengang muss noch schnell in Worte gefasst werden – ist denn die enge Verbindung von George zu seinem kleinen weißen Notebook und dem Verbinden-Button noch normal?

George´s Theorie der „Drei Gehirne“:

ThirdBrain

Es mag seinem Job geschuldet sein – nein, falsch formuliert – es ist sein Glück bereits früh in den noch immer schneller werdenden Fluss digitaler Informationsverfügbarkeit eingebunden gewesen zu sein.

Z80, dann C64, dann XT mit 20 MB Festplatte, CompuServe, mit 300 bit/s hinaus in die weltweiten,  unglaublichen neuen Möglichkeiten.

Alle ihre größere bisherige Lebensspanne im aktuellen Jahrtausend verbringenden Smartphone-NutzerInnen werden mit diesen Begriffen kaum etwas anfangen können. Doch in den 1980ern entstand in schnellen Schritten der Weg für das, was George heute als sein Drittes Gehirn empfindet.

Heute fühlt sich George ohne seinem Dritten Gehirn, seinem kleinen weißen Notebook und Internet-Zugang, … – wie soll er sagen? … nicht wohl. … abgeschnitten. … behindert! Vielleicht erschreckend aber wahr, das trifft es am besten.

Auf Metaebene zurücktretend sich selbst hinterfragend, tauchen Zweifel auf an dieser mentalen neuen Abhängigkeit. War es denn nicht früher alles besser und es gibt vielleicht keinerlei Grund sich diesem digitalen Rush anzuschließen?

Nein – erstes Indiz: Schulzeit in den 1960/70ern. Aufgabe zu einem beliebigen Thema. Recherche. Stadtbibliothek. Lexika bieten zwei Zeilen Info. Spezielle Literatur ist generell rar, alt oder gerade ausgeliehen. Wenige Promille Themendurchdringung müssen reichen für Meinungsbildung und Entscheidungen. Dagegen Recherche 2015: Umfangreiche objektive und subjektive Texte, Bilder, Videos stehen für praktisch jedes denkbare Thema per Klick in Sekunden zur Verfügung. Schnell lassen sich auch bisher ferne Themen hinreichend umfassend erschließen.

Nein – zweites Indiz: George kennt beide möglichen extremen Einstellungen zum Stand und zur Nutzung der Informationstechnologie aus seinem Umfeld. Während seine Töchter ganz selbstverständlich mit dem Handy Flüge buchen, Ihre Kleidung nach der Wetter-App dem Schrank entnehmen und spontane Video-Chats führen mit FreundInnen in der ganzen Welt, stehen einige langjährige Freunde den neuen Möglichkeiten kritisch bis ablehnend gegenüber. Sicher ist kein Paypal, kein Facebook und kein eigenes Youtube-Video kein persönlicher Mangel. Dennoch zeigt ein Blick auf das tagtägliche Leben – auf die Fernsehwerbung mit dem zunehmenden Anteil eingeblendeter URLs, die zahlreichen QR-Codes in Zeitschriften und die tendenzielle Verlagerung früher lokal oder per Snailmail ausgeübter Tätigkeiten wie Banküberweisungen, Reisebuchungen oder Job-Bewerbungen – dass eine Barriere zur Nutzung der Informationstechnologie absehbar zu persönlichen Nachteilen führen kann oder möglicherweise bereits hat.

George jedenfalls ist sehr glücklich darüber sich wohl zu fühlen an seinem Fensterplatz im Café mit dem Notebook am Schoß und stabiler WLAN-Verbindung. Sein Drittes Gehirn ist wichtiger Bestandteil seines Lebens geworden.

SecondBrain

Dennoch hofft George innig, der entscheidende Input für seinen Output entsteht weiterhin auf Dauer in etwa mittig zwischen seinen Ohren.

Grundlage für eine sinnbringende Nutzung der Informationstechnologie ist zweifellos der rote Faden der persönlichen Ideen und Ziele. Die Filterung und Interpretation der Flut verfügbaren Materials ist heute die Herausforderung; nicht das Plagiat, sondern das Schaffen und zur-Verfügung-stellen neuer Zusammenhänge und die Erweiterung der Erkenntnisse und Möglichkeiten auf solider Basis bringt voran.

So spielt das menschliche Gehirn beruhigenderweise wie seit Zeiten der Entdeckung der Erzeugung von Feuer oder der Erfindung des Rades auch weiterhin die entscheidende Rolle willentlichen Fortschritts.

MainBrain

Nun – George ist ein Mann. Und keinesfalls möchte er durch eigenwillige Nummerierung althergebrachte Vorurteile zerstören…

8:55 Uhr – Dokument schließen, Upload in die Cloud, nachher bloggen, zurück zur Kimono Recherche. ThirdBrain sei Dank!

MK&G Hamburg

Sonderangebot des Hamburger Lieblingshotels – Vorwand genug für George einmal wieder ein langes Wochenende in dieser schönen Stadt zu verbringen.

Ein Besuch des Museums für Kunst und Gewerbe MK&G gleich schräg rechts hinter dem Hauptbahnhof bietet sich für SelberschneiderInnen jeder Interessenlage unbedingt an: Sowieso immer und dieser Tage besonders mit gleich zwei moderelevanten Sonderausstellungen: BILDER DER MODE (bis 3.5.2015) und INSIDE OUT (bis 15.3.2015).

Also gleich am ersten Tag hinspaziert. Am Einlass überrascht positiv die kostenlose, bewachte Garderobe. So fühlt sich auch Reise-Gepäck oder der Einkauf von der nahen Fußgängerzone sicher während des Museumsbesuchs bewahrt.

Die drei weitläufigen Etagen des Gebäudes beherbergen zahlreiche ständige und wechselnde Ausstellungen – es lohnt sich auf jeden Fall einmal komplett durchzuschauen. Zuerst Eindrücke der Dinge, für die George eigentlich gar nicht da ist:

Den klar höchsten Zulauf mit dem klar geringsten Durchschnittsalter hat die Sonderausstellung TATTOO (bis 6.9.2015). Viele schöne (und hässliche ;-)) Fotos, viel geschichtliches und hintergründiges zu diesem Kunstgewerbe.

Die Abteilung ASIEN (z.Zt. teilweise geschlossen wegen Umbau) zeigt  eine wirklich interessante Anzahl von Exponaten zur Geschichte und Kultur der SAMURAI. Interessierte können z.B. einige original Kampfausrüstungen bewundern.

Eine Anzahl besonders schöner (wenn auch nicht zwangsläufig bequemer) Modekreationen sind in der Abteilung DESIGN zu bestaunen. Viele Künstler der Branche haben sich erfolgreich an der Nutzung näh-untypischer Materialien versucht.

Ein Gang zeigt DAMENMODE 1900 – 1945, viele Kleider und viel Zubehör wie z.B. Schuhe. Eine schöne Präsentation, besonders beim Glück allein und in absoluter Ruhe die Glasfront entlang spazierend die Stücke genießen zu können.

Da sind noch die Musikinstrumente mit Empire-Kleidern, die verblüffenden, prämierten Werbeplakate, aber halt: George hat ja immer ein offenes Auge für Modepuppen. Und es gibt neue Fundstücke: zwei griechisch / korinthische Gliederpuppen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus mit einem Originaltext  „… und die Puppen mitsamt den Puppengewändern als Jungfrau der Jungfrau Artemis …“; sowie eine „frühe BJD“ nach Proportionsstudien Dürers aus dem 16. Jahrhundert.

Aber jetzt, Besichtigungsstunden später, zum eigentlichen Grund des Besuchs:

BILDER DER MODE

Über 200 Arbeiten von Modezeichnungen bekannter Künstler und für bekannte Modejournale zeigt diese Sonderausstellung. Einerseits die eigentlichen Zeichnungen, teilweise im Entwurfsstadium, andererseits die Umsetzung und Nutzung als Coverbild der Zeitschriften und Bücher des späten 19. und des 20. Jahrhunderts werden gezeigt.

Eine Inspiration für alle InteressentInnen der Darstellung von Mode. Der dargestellte Weg von der Skizze, der Zeichnung, dem „Gemälde“ bis hin zum Hochglanz-Titel mit Schrift, Datum und Preis macht dem Museumsnamen „Kunst & Gewerbe“ alle Ehre.

INSIDE OUT

Der Ausstellungskatalog beschreibt: „Mit rund 55 Modellen … Blick auf Mode, die das Innere nach außen kehrt und Oberflächen aufbricht.“ Ein Ausstellungsraum zum schauen und staunen. Als Aufhänger gewählt (natürlich) besucherquotenbedingt aufgedruckte Nacktheit, aber auch die anderen Exponate sind absolut hinschauenswert.

Die Modelle verschiedener Designer spielen mit Material, Form und Oberfläche, mit Verhüllungen und Enthüllungen. Ein guter Abschluss des Museumsbesuchs. Nur noch faszinierende Eindrücke sammeln ohne den unbedingten Zwang planvollen Mitdenkens.

Nach dem Besuch der Ausstellungen ist unbedingt ein Rundgang durch den Museumsshop anzuraten. Selten hat George so viele bisher nicht bekannte Modebücher entdeckt. Schade, dass Buch-Etat wie freie Billy-Fläche begrenzt ist…

Empfehlung an alle SelberschneiderInnen: Hinfahren und schauen!

Link zur Museumsseite: http://www.mkg-hamburg.de


 

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Museum RITTERHAUS / OSTERODE

Besuch im

Museum im Ritterhaus, Osterode am Harz

am Freitag, 26.10.2014

Ritterhaus in OsterodeAnlässlich eines 80. Geburtstages einige Tage im Harz; was lässt sich wohl da in der Nähe Interessantes anschauen? „Unendlich viel!“, werden jetzt natürlich die Harz-KennerInnen einwerfen.

Und tatsächlich viel erlebt: Brocken per Schmalspurbahn, die Altstädte in Goslar und Quedlinburg, das Okertal inkl. Sichtung eines Feuersalamanders am Wegesrand, die Romkerhalle (früheren Prunk nicht nur architektonisch lediglich erahnend, oh du grausame Fürsten-Terrine…). Aber es sollte ja schließlich auch etwas für den Selberschneidern-Blog dabei sein.

Die Suchmaschine des Vertrauens spuckt bei „kleidung museum harz“ ganz oben das Museum im Ritterhaus, Osterode aus. Hinfahren!

Das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert, Ritterhaus genannt wegen der lebensgroßen Holzstatue am Eck, birgt in gut einem guten Dutzend großzüger Räume auf drei Etagen eine liebevoll zusammengetragene Sammlung einiger tausend Jahre Geschichte dieser Gegend.

Beginnend beim Backenzahn des Mammuts und der steinzeitlichen Pfeilspitze liegt der Schwerpunkt aber bei den Gewerben und dem Alltagsleben von Osterode der letzten Jahrhunderte – anschaulich dargestellt in thematisch gestalteten Räumen.

Einen nennenswerten Anteil der Räume nehmen erfreulicherweise auch SelberschneiderInnen-relevante Themen ein: Die Gilde der Wollenweber 1492, vorindustrielle Tuchherstellung, vom Flachs zum Leinen, Bürgerliche Frauen- und Kinder-Kleidung und Wäsche mit Darstellung der Pflege und Unterbringung des 19. Jahrhunderts, Schuhherstellung, … . Alles belegt mit authentischen Fundstücken und Dokumenten aus der Gegend, verständlich auf Tafeln beschrieben.

In der Ruhe des besucherarmen, nieseligen Wochentages konnten die vielen Ausstellungsstücke ausgiebig begutachtet werden. Besonders die lebensnah eingerichteten Räume – ohne zu viele störende „Museumskästen“ – lassen die Zeiten wieder auferstehen. Und auch alle anderen Themen sollten bei einem Besuch nicht vernachlässigt werden –Bergbau und bergbaunahe Handwerke, einen Raum mit spätgotischen Schnitzereien des damaligen Einwohners Tilman Riemenschneider, typische bürgerliche Einrichtungsgegenstände, Nahrung, Feuerwehr, Apotheke und vieles mehr…

Unbedingt sehenswert!

Museum im Ritterhaus
Rollberg 32
37520 Osterode am Harz
www.museum.osterode.de

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Bröhan Museum – Alphonse Mucha

Ausstellung „Mucha Manga Mystery“ im Bröhan Museum, Berlin

Besuch am Samstag, 01.02.2014

Ein sonniger Winter-Samstag, Ende des Frostes und des zumindest hier in Berlin spärlichen Schnees. Zu schön um zu Haus zu hocken. Zu matschig für einen Spaziergang in der Natur.

Letztens vom Bus aus ein Plakat gesehen: „Mucha Manga Mystery“. Grässlich reißerischer Titel, nun – aber eine schöne Graphik und sieht nach Jugendstil-Mode aus und nach neuen Ideen – also googlen.

So habe ich das Bröhan Museum entdeckt, aufgebaut in den 1980ern auf die Privatsammlung des gleichnamigen Gründers, zu finden direkt gegenüber des Schlosses Charlottenburg. Ein „international ausgerichtetes Spezial- und Epochenmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus“ mit den Hauptgebieten Kunsthandwerk und Bildende Kunst.

Viele interessante Stücke zeigt die ständige Ausstellung im Erdgeschoss – besonders würde ich gern einen der fantastischen Schreibtische der Jugendstil/Art Deco-Zeit besitzen (womit ich aber keinesfalls irgendeine Unzufriedenheit über das Design meines großen schwedischen Lieblings-Möbelhauses zum Ausdruck bringen möchte).

Aber nun zum Ersten Stock, dem eigentlichen Grund des Besuches: Dort ist derzeit die Sonderausstellung „Alphonse Muchas wegweisende Grafik“ mit über 100 seiner Werke zu sehen.

Alphonse Mucha wurde am 24.07.1860 in Mähren (im heutigen Tschechien) geboren und wurde in einem vielleicht nicht immer ganz bewusst selbstbestimmten inhaltlichen und räumlichen Lebensweg ein bedeutender Grafiker der Jugendstilzeit, vor allem auch für seine Plakate (Theater, Werbung) bekannt. Er starb 1939 in seinem Heimatland, nachdem er viele Jahre vor allem Werken seiner patriotischen Überzeugung gewidmet hat.

Seine ausgestellten Werke sind absolut sehenswert. Wem die Eleganz des Jugendstils gefällt, die formalen Elemente zur Strukturierung, der perfekt positionierte Mensch, wallend Haare wie Stoffe, immer neu zu entdeckende Details am Rande und im Hintergrund – nicht satt zu sehen. Oft sind neben dem eigentlichen Plakat auch Skizzen und Entwürfe ausgestellt.

Zwar erschienen mir persönlich die beiden anderen Titelworte der Ausstellung „… Manga Mystery“ auch beim zweiten Durchdenken eher etwas an den lockigen Haaren herbeigezogen und auf Besucherfang heischend. Wie dargestellt sind auf Plakaten der 1960er und 70er Jahre Elemente der Mucha-Werke wiederzufinden, und selbst in den japanischen Manga Zeichnungen könnte neben der jahrhundertelangen eigenen fernöstlichen Kultur ein Einfluss dieses Künstlers konstruiert werden.

Empfehlung: Zweifellos ist dieses Museum und speziell diese Ausstellung in Gänze eine Inspiration. Unbedingt baldmöglichst vorbeischauen. Die Mucha Ausstellung läuft bis 30.03.2014, danach ist das Museum bis Mitte Mai 2014 wegen Umbau geschlossen.