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Archive for the ‘Internes’ Category

Nähen für Puppen?

17. Juni 2016 2 Kommentare

Vergangene Woche…

Der kleine DIN A5 Luftpolster-Umschlag wurde gerade geliefert, liegt jetzt auf dem Schreibtisch. Schon mit Spannung erwartet, wird daraus gleich ein kompletter Maßanzug erscheinen, ein dreiteiliges Business Outfit Bluse, Hose und Sakko. Auspacken – bügeln – fotografieren!

2 Monate zuvor…

Inge mailt George: „Ich habe Euch auf der Leipziger Buchmesse kennen gelernt und Eure Schnittmuster gleich ausprobiert. Ich bin begeistert, habe schon einige Puppensachen genäht. Darf ich die Sachen eigentlich auf Puppenbörsen verkaufen?“

Ein Mailwechsel entsteht. Einerseits typische Klärungen zur gewerblichen Nutzung der Schnittmuster. Aber für George viel interessanter: Inge näht für FASHION DOLLS! Seit mehreren Jahren gärt der Plan spezieller Schnittmuster für die kleinen Menschen-Abbilder in George´s Schublade. Und nicht nur der Plan. Im Anfall von Sammelleidenschaft liegen genau dort auch nicht wenige Dolls aller gängigen  Größen und Herkunft. Und www.dollforce.com wartet seither auf Belebung. Nur keine Zeit gefunden und keinen passenden Geschäftspartner. Eine Chance für diese interessante Nische?

George an Inge: „Wollen wir zusammen puppenmäßig was unternehmen? Näh doch mal etwas aus unseren Schnittmustern,  ich mache ein paar Fotos und dann überlegen wir mal zusammen. “

Wir einigen uns auf ein Outfit für eine 22“ Tonner American Model. Insgesamt selten und teuer und im deutschsprachigen Raum kaum anzutreffen, aber schick und groß genug auch für das eine oder andere Detail und vernünftige Fotos. Inge wird das Outfit schicken, sobald es fertig ist.

Zurück in der vergangenen Woche…

Auspacken … Begeisterung auf den ersten und den zweiten Blick. Die Bluse: Kleine Knöpfe, wie echt, dahinter fast unsichtbar durchsichtige Druckknöpfe für eine authentische vordere Öffnung. Kragen, Abnäher und Manschetten einwandfrei. Die Hose: echte Taschen! und ein überzeugender Hakenverschluss. Und das Sakko erst: Nicht einmal in Originalgröße ist ein solch sauberes Futter mit Bequemlichkeitsfalte im Rücken selbstverständlich.

Bügeln … George – merk Dir – für die Verpackung  der hochwertigen Stücke für den Versand an Kunden brauchen wir ne überzeugende Lösung.

Fotografieren … Glücklicherweise passt das Stück der 22“ AM aus der oben erwähnten Schublade wie angegossen. Einige Fotos für einen ersten Eindruck und zum Diskutieren – es soll ja noch nichts davon in einen Shop. Lernkurve 1: Auch bei den Puppen kommt es auf Maßmode an. Der blauäugige Ansatz von George, das Outfit auch gleich der genau gleich großen Volks Dollfie BJD SD überzustreifen, scheiterte kläglich an Schenkeln und Oberweite. Lernkurve 2: Für den Verkauf von Kleidungsstücken wird anders genäht als für Musterstücke für den Schnittmuster-Verkauf. Das An- und Ausziehen der Stücke mit den „Original“ vorderen Verschlüssen ist mühsam. Sehr. George´s Musterstücke sind meist hinten offen. Und eine zweite 22“ Fashion Doll mit steifen Armen ohne Ellenbogengelenk konnte schlichtweg nicht angezogen werden, ohne das Outfit zu beschädigen.

Einige der entstandenen Fotos sind hier zu sehen. Für einen ersten Versuch auf die Schnelle ist George zufrieden. Und Inge scheinbar auch, sie kann sich eine Zusammenarbeit in Sachen Puppenkleidung vorstellen.

Zukunft…

George wird Inge treffen. Termin und Ort stehen fest. Ein Burgrestaurant – George liebt Burgen…

Interessieren sich genug Leute für das Nähen für Puppen?

Soll und wird es künftig eine Kollektion von Puppen-Schnittmustern geben?

Was könnte entstehen?

Meinungen willkommen.

George wird berichten.


 

Alle PASST! Schnittmuster lassen sich auch für Puppen nähen. Das Outfit im Beispiel ist entstanden  aus den drei variantenreichen Basis-Schnittmustern DAMEN BLUSE, KLASSISCHE HOSE und SAKKO:

Sakko
DAMENBLUSE
Das Basisschnittmuster DAMENBLUSE für passt! ermöglicht mit tausenden einstellbaren Varianten die Grundlage unterschiedlichster Blusenformen für jeden Anlass. Einstellbar sind: …
Details…
Sakko
SAKKO für Damen und Herren
Variantenreiches PASST! Basisschnittmuster für Sakkos in verschiedenen Grundformen geeignet beispielsweise auch für Jackett, Blazer, Smoking, Cut, Frack. Verfügbare Varianten: …
Details…
Sakko
Klassische DAMEN- und HERRENHOSE
Basisschnittmuster klassische HERREN- oder DAMENHOSE. Variabel in Länge und Beinform. Bundfalten und Aufschlag sind wählbar…
Details…

 

Urlaub & Arbeit

20. Mai 2016 1 Kommentar

Prolog

Gerade ist George zurück von der Urlaubsreise. Schön war es, 14 Tage rund um das Mittelmeer, viele neue Eindrücke, lange in interessante Ferne schauen statt meist auf den nahen Bildschirm.

George wurde angesprochen im Urlaub von einem Mit-Urlauber-Paar, als er recht früh morgens in der leeren Bar am Bug saß an seinem Notebook, eine Mail schreibend: „Sie Armer, wir haben Sie die letzten Tage schon tippen gesehen – lässt Ihr Chef Sie nicht einmal hier im Urlaub in Ruhe mit Arbeit?“.

„Nix Chef, nicht wirklich Arbeit!“ lächelt George und  beginnt zu versuchen für eine intelligentere Antwort erst einmal selbst seine Einstellung zu diesem Thema zu verstehen…

Warum Urlaub und Arbeit und Glück und Freizeit und Liebe und Geld-verdienen integral zusammen gehören, ja in vielen Aspekten kaum zu unterscheiden sind – bemüht formuliert möglichst ohne esoterisches Geschwafel oder Hobby-work-life-balance-Psychologie oder den erhobenen Finger des Lebensberater-Fachbuchs. Die Einsichten von George, deshalb: alle folgenden Ratschläge nicht nur ohne Garantie, sondern sogar ohne nennenswerte Wahrscheinlichkeit der Übertragbarkeit auf andere Personen.

Hintergrund & Entscheidungen

Was ist Urlaub? Was ist Arbeit? Die Grenzen sind verschwommen für George.

Er kann sich erinnern: Damals, einige Jahrzehnte lang als Angestellter im großen Konzern, da war noch alles klar: Arbeit war morgens eine Stunde Autofahrt zum Büro oder mit dem Taxi zum Flughafen, dann typisch 8 bis 10 Stunden fremdbestimmtes Kommunizieren, Denken und Tun, dann nach Hause oder ins Hotel und abends um 22:45 Uhr noch ein Anruf des Chefs wegen unaufschiebbarem – Nichts. Und Urlaub waren 30 Tage eines Kalenderjahres – einzuplanen bis zum 15. Januar. Da konnte man wegfahren, mit schlechtem Gewissen wegen stets unterbesetzter Projekte, unter kontinuierlicher mailmäßiger und Diensthandy-sei-Dank-telefonischer Beatmung von Wer-weiß-wem-Wichtigen.

Aber dann kam die Chance: Eine Kumulierung aus Leidensdruck persönlich unerträglicher Organisation und Vorgesetzter zusammen mit Lockvögeln gewünschten Stellenabbaus. High noon in einer Strategiesitzung. George hob seine Finger (in einer der Phantasie des Lesers überlassenen Reihenfolge) und kündigte.

Nun liebe Kinder: Nicht nachmachen! Was hier als Wahnsinnstat eines Midlife-Krisengeplagten erscheint, bedarf einem Gutstück der Planung, Vorbereitung und passender Rahmenbedingungen:

Erstens: George hat eine tolle Frau. Sie steht stets hinter George, motiviert und unterstützt ihn. Niemals zetert sie, ist keine Bedenkenträgerin und malt am Horizont stets rosa Palmen statt alles verschlingendes Schwarz. Ohne Liebe und einen starken Rückhalt wären viele Entscheidungen für George unmöglich gewesen.

Zweitens: George hat einen Plan. Seit vielen Jahren betrieb er schon ein kleines nebenberufliches Gewerbe, aus einer fixen Idee, einem Hobby entstanden. Eines Tages im vergangenen Jahrtausend meinte der Programmierer in ihm, man müsse doch eigentlich Schnittmuster für Kleidungsstücke am Computer nach den persönlichen Maßen, also passend halt ausgeben können. Interesse bei Kunden war vorhanden, immer glaubte George diese Idee hätte Potential und jetzt kann er es beweisen.

Leben & Glück

Ein Reset in der Lebensmitte birgt viele Chancen. Mit dem Hintergrund gesammelter Erfahrungen und der Konsequenz einiger erforderlicher Entscheidungen kann man neu bewerten und bewusst wählen, was einem wichtig ist und wie man seine noch verfügbare restliche Lebenszeit kurz- mittel- und langfristig verbringen möchte.

George empfiehlt zur zeitlichen Aufteilung: Sei heute glücklich. Sei morgen glücklich. Versuche dieses Jahr glücklich zu sein. Verliere die weitere Zukunft nie aus den Augen, aber bedenke: Pfiffig ist, das verfügbare Glück auszuschöpfen bevor die restliche verfügbare Lebenszeit abgelaufen ist.

Urlaub & Arbeit

Und so kommt es, dass Urlaub und Arbeit für George kein Widerspruch mehr darstellt, keine Konkurrenz, sondern ineinandergreifende Bestandteile eines glücklichen Tages.

An einem Tag in Cannes entsteht nach dem Bummel über die Croisette das Konzept für die Musterstücke weißer leichter baumwollener Peplum-Shirts; und morgens vor Barcelona noch schnell eine Rechnung drucken am Internetterminal und eine Correos suchen für die CD-Lieferungen und schnell dem Kunden per Mail eine Frage beantworten. Oder an einem Seetag auch einmal eine Bibliothek sichten für Responsive Design – weder Problem noch Belastung. Ohne Zeit für Einkommen nicht nur kein Geld für Reisen, sondern auch keine Selbstbestätigung der Richtigkeit eigener Ideen und Vorgehensweisen. Und ohne Zeit für freien Geist und tiefes Wohlbefinden wiederum keine Inspiration für Einkommen.

Epilog

Das nette, aber ganz unnotwendig mitfühlende Mit-Urlauber-Paar ist längst weitergeschlendert, zum Frühstücksbuffet, zum Tender rüber zum Hafen oder – brrr – zum Liegen-reservieren an Deck.

George lehnt sich zurück. Er fühlt sich wohl. Er glaubt es geht ihm gut.

 

AG Recyclingmode

28. April 2016 2 Kommentare

Konzentriertes Arbeiten. Die fünf Mädchen und die beiden Betreuerinnen sind ganz vertieft ins Trennen, Sortieren, Entscheiden, Kleben, Schneiden, Stecken und Nähen. Neues soll entstehen, kreativ, selbst geschneidert aus Altem.

Möglich ist dies als gemeinsames Projekt „Arbeitsgemeinschaft Recyclingmode“ zwischen der Grundschule am Roederplatz in Berlin Lichtenberg und dem Büro der umweltpolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus Berlin, Marion Platta.

Tabea Piotrowski, Mitarbeiterin des Büros, ist in ihrer Freizeit begeisterte Cosplayerin und hat so hobbybedingt sowohl viel Erfahrung an der Nähmaschine wie auch ein Gefühl für phantasievolle Outfits. Von ihr stammt die Idee, den Kindern einerseits das Nähen bei- und nahezubringen wie auch dies zu verbinden mit dem Recycling-Gedanken und Wissen und berechtigt kritische Gedanken zur Produktion preiswerter Massenkonfektion.

George, der die Schnittmuster für das Projekt bereitgestellt hat, durfte einmal schauen kommen in den Arbeitsraum im Polikum am Fennpfuhl in Lichtenberg – und nutzte natürlich die Gelegenheit gleich, der Büroleiterin der Linken Frau Beck einige Fragen zu stellen:

George: „Die Mädchen scheinen Spaß zu haben!“.

Frau Beck: „Ja tatsächlich. Sie sind mit Eifer bei der Sache. Und sie lernen schnell. Alle in der 5. oder 6. Klasse, so um die 12 Jahre alt.“.

George: „Was ist das Ziel des Projekts Recyclingmode?“.

Frau Beck: „Es geht um die Wiederverwertung von Textilien, es sollte nicht alles erst billigst gekauft und dann einfach weggeworfen werden. Und die Probleme, die bei der Herstellung von Kleidungsstücken vor allem in Billiglohnländern entstehen.“.

George: „Das klingt aber nicht gerade nach Spaß. Wie vermitteln sie diese Gedanken?“.

Frau Beck: „Der Ansatz von Tabea mit dem Nähen aus alter Kleidung ist hervorragend. Allein durch das Trennen der alten Stücke, der Auswahl geeigneter Stoffabschnitte und des eigenen Erfahrens des ganzen Prozesses von der Schnittmuster-Auswahl über das Zuschneiden und Nähen wird der Wert des fertigen Kleidungsstücks plötzlich ganz anders eingeschätzt. Und das ist ein Erfolgserlebnis, das macht Spaß. Abschließend ist eine kleine Modenschau geplant.“.

Frau Beck: „Daneben haben wir hier Zeit zum Sprechen, geben Hintergrundinformationen. Die Mädchen lesen die Schilder in den mitgebrachten Stücken, in welchen Ländern sie hergestellt wurden. Wir sind gerade am Vorab-Sichten von Videos über die Arbeitsbedingungen in der Konfektionsherstellung in diesen Ländern, müssen aber noch entscheiden, was wir den Kindern zumuten wollen. “.

George: „Fünf Mädchen sind nicht viele.“

Frau Beck: „In dieser Gruppengröße können wir uns um alle kümmern. Die Näherfahrungen sind sehr unterschiedlich. Und über die Gruppe hinaus wird die Idee auch verbreitet. Die Familien werden einbezogen bei der Suche nach Materialien. Und in der Schule wird darüber gesprochen. Richtige kleine Multiplikatorinnen.“.

George: „Schade, dass kein Junge dabei ist. Brauchen wir eine Quote?“.

Ein Mädchen aus der Runde, die das hört: „Jungen nähen doch nicht!!!“.

Frau Beck in die Runde: „Es gibt eine ganze Reihe von Jungen und Männern, die gerne nähen. Kennt ihr die Musikgruppe Puhdys? Die haben anfangs viele Ihrer Auftrittskostüme selbst genäht.“.

Frau Beck zu mir: „Wir hoffen, es gibt nach dieser ersten Nähgruppe im kommenden Schuljahr weitere Gruppen. Da schauen wir mal…“.

 

George: „Jetzt haben Sie aber kurzfristig noch Größeres vor.“.

Frau Beck: „Ja. Wir planen gemeinsam mit der Schule, der Direktorin Frau Daunke, die Bewerbung der Gruppe am jährlichen ökologischen Wettbewerb „Berliner Klimaschulen“; die Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen läuft gerade an.“.

George: „Danke für Ihre Zeit. Viel Spaß weiter mit den Kindern, dem Projekt und viel Erfolg beim Wettbewerb!“.

Die „Arbeitsgemeinschaft Recyclingmode“ kommt erst seit wenigen Wochen ein Stündchen wöchentlich zusammen. Toller Ansatz. George freut sich über diesen über den eigentlichen Zweck hinausgehenden Sinn von Schnittmustern und über einen erneuten Beweis, dass sich das Selberschneidern in den letzten Jahren immer weiter verbreitet und verjüngt.

Ein Bericht zum Abschluss dieser Gruppe mit Fotos der Ergebnisse folgt.

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Schnittmuster für Menschen

Gestern hat der Facebook Auftritt von golden-pattern Schnittmuster nach Maß ein neues Profilbild erhalten. Keine große Sache eigentlich, wird doch täglich von Millionen Nutzern dieses kleine persönliche Logo durch ein allerneuestes Selfie ersetzt. Und das alte war ja nun wirklich vom letzten Jahrtausend. Dennoch hier einige Worte über die Ideen hinter diesem kleinen Bild und vor allem über die Menschen, für die wir arbeiten.

Schauen wir uns das Profilbild kurz an: Die Schere – klar. Die Schere ist schon immer das Icon der golden-pattern Software. Und dieses Werkzeug symbolisiert wohl am besten die Schneiderei – zumindest wenn eine Erkennbarkeit bei sehr kleinen Bildgrößen eine Rolle spielt.

Aber schauen wir auf die Silhouetten:

Schnittmuster für Menschen

v.r.n.l.: Teenie, Knuffie, Mann, Frau, Preggy, Skinny, Kiddy, Dolly

Die Silhouetten symbolisieren die Menschen, für die wir Schnittmuster entwickeln. Der Anspruch: Egal ob klein oder groß, dünn oder dick, Frau oder Mann – das Schnittmuster soll stets die bestmögliche Anpassung an die persönlichen Proportionen bieten. „Mensch ist Mensch“ könnte man denken, aber bei näherem Hinsehen ist keine Person wie die andere geformt.

Falls Sie mehr weibliche als männliche Silhouetten identifizieren: In der Tat. Obwohl sich fast die Hälfte unserer Schnittmuster auch für Herren eignet, sind etwa 90% unserer KundInnen weiblichen Geschlechts; und auch die meisten verkauften Schnittmuster sind typisch weiblich.

Je nach Proportion des Menschen zeigen sich unterschiedliche Motivationen zum Selberschneidern und es bieten sich die unterschiedlichen schnitttechnischen Herausforderungen.

Schauen Sie sich einmal die nachfolgenden Kategorien an: Finden Sie sich wieder? Kommentare willkommen!

FRAU – der statistische Mittelwert

Mit „Frau“ ist hier nicht die Hälfte der menschlichen Bevölkerung gemeint, sondern die hinsichtlich Ihrer Körperform „normale“ Frau, die sich in der Normalverteilung im Interessenbereich der Standardkonfektionsketten befindliche. Sagen wir so etwa Konfektionsgröße 36 bis 42, vielleicht etwas größer oder kleiner als die Norm-168.
Die Frau kann in jedes Kleidungsgeschäft, in jede Boutique gehen und findet schnell etwas Passendes. Warum also nähen?

Für die Frau wie für alle anderen Kategorien gilt: Wohl niemand in unserem Kulturkreis schneidert heute selber, um Geld zu sparen. Für die Dumpingpreise fernöstlicher Diskountketten-Importe kann niemand bei uns auch nur das Material kaufen, von der Nähzeit ganz zu schweigen.

Die Frau näht für das persönliche Kleidungsstück, für etwas Außergewöhnliches. Besonderes Material, besondere Form, besonderer Anlass sind die Motivationen. Und natürlich Hobbies, wie bei jeder anderen erwachsenen Kategorie.

Schnitttechnisch ist die „normale“ Frau bestens erforscht. Bücher – besser Standardwerke – über Schnittkonstruktion für Damenmode gibt es zuhauf. Zwar nicht für stufenlos proportionale Maßalgorithmen (glücklicherweise, unser Wettbewerbsvorteil ;-)), aber unter Wegdenken der Zentimeter-von-oben-Paradigmen dieser Branche können platte Stoffteile der persönlichen Form der Frau gut angepasst werden.

MANN – seltenerer Selberschneider

Wie oben bereits erwähnt, liegt der Männeranteil unserer KundInnen bei etwa 10%. In dieser Größenordnung oder nur wenig höher schätzen wir auch den Anteil der Kleidungsstücke, die aus unseren Schnittmustern am Mann landen (schwieriger zu sagen; Männer nähen für Frauen und Frauen für Männer).

Der „normale“ Mann (bekommt Alltagskleidung in jedem Geschäft) schneidert selbst nach den Rückmeldungen hauptsächlich für sein Hobby – Mittelalter-Sachen und Kleidungsstücke für Auftritte jeder Art spielen eine wichtige Rolle.

Männer mit eher nicht alltäglichen Proportionen haben dieselbe Motivation zum Selberschneidern wie ihre jeweiligen weiblichen Form-Genossinnen – siehe dort.

Für die Schnittkonstruktion für Männer gilt das oben bereits gesagte: Ausreichend jahrzehntelang bewährte Fachliteratur bietet sichere Algorithmen für den „normalen“ Mann.

KNUFFIE – inniger Wunsch nach passender Kleidung

Die größte Herausforderung und mit die dankbarsten Kundinnen: Die Frau mit üppigeren Rundungen an den unterschiedlichsten Stellen.

Die XXL-Ecken in den Bekleidungshäusern sind übersichtlich, die Spezialgeschäfte für Übergrößen teuer und oftmals einfallslos, und keines der Stangen-Kleider will wirklich gescheit sitzen. Hier kann selberschneidern auch für Alltagskleidung Erfolgserlebnisse bringen.

Mit der Schnittmusterkonstruktion – insbesondere mit der stufenlosen Gradierung universeller Schnittmuster – ist es im fortschreitenden Übergrößenbereich absolut nicht einfach. Die persönlichen Proportionen selbst von Personen gleicher Grundmaße können sehr unterschiedlich ausfallen. Auch eignet sich nicht jeder Grundschnitt speziell im Bereich der Brust und des Ärmelausschnitts für jede Proportion.

Wir mögen unsere knuffigen Kundinnen und bemühen uns. Wir testen unsere Schnittmuster standardmäßig bis Größe Damen 64, auch in kurz und lang, und gegen vorhandene Kunden-Referenzmaße. Nicht immer ist alles möglich, aber in jedem Fall bietet das Schnittmuster eine bessere Ausgangsbasis mit weniger manuellen Anpassungen gegenüber einem Standardgrößen-Papierschnittmuster.

SKINNY – Idealbild der Mode

Die ideale Figur der Kundin für die Hersteller von Kleidung (und damit auch Schnittmustern) ist die (sehr) schlanke Frau mit kleiner Brust und wenig Po. Wir wollen uns bitte dabei aber gar nicht in die Diskussion über die Model-Branche und wandelnde Schönheitsideale einmischen und schon überhaupt gar kein Ziel vorgeben.

Die schlanke, eher knabenhaft gebaute Frau hat die besten Chancen, recht einfach mit nur minimalem Optimierungsaufwand perfekt sitzende Kleidungsstücke selber zu schneidern: schmale Abnäher oder gar Abnäher-freie Varianten, spannungsarme Hals- und Armausschnitte, glatter geschmeidiger Fall langer Kleider ganz ohne Unterbrechung durch Love Handles.

PREGGY – Babybäuche und mehr

Ein häufiger Grund, Kleidungsstücke selber zu schneidern, ist eine (temporäre) körperliche Veränderung, für die es im Geschäft ein nicht so großes Angebot gibt, oder für die besondere optische oder materialtechnische Wünsche vorliegen.

Warum so kompliziert ausgedrückt? Schließlich will ein Babybauch bequem verhüllt werden und angemessen stolz vorangetragen. Und ein Hängerchen aus weicher Baumwolle mit süßem Druck ist schnell genäht.

Spezielle Schwangerschafts-Modelle bieten wir (derzeit nicht besonders ausgewiesen – eigentlich eine gute Idee!) nicht an, aber viele Modelle eignen sich auch für die rundesten Bäuche. Am besten hierfür den Taillenumfang anpassen. Und der Saum muss eh gerade abgesteckt werden.

Zurück zum komplizierten ersten Satz. In dieser Kategorie sehen wir auch die KundInnen, deren Körperform oder typische Körperhaltung aus anderen Gründen, z.B. einer körperlichen Behinderung, stark vom Durchschnitt abweicht. Auch hier kann ein Maßschnittmuster in vielen Fällen helfen (z.B. Ausdruck unterschiedlicher linker und rechter Schnittteile bei Asymmetrie)

TEENIE – junge SelberschneiderInnen

Erfreut beobachten wir die Verjüngung unserer KundInnen über die letzten Jahre. Wer sich in den Stoffgeschäften umschaut oder die wieder zunehmende Anzahl von Sew-it-yourself Zeitschriften bemerkt: Selberschneidern kommt wieder verstärkt in Mode.

Junge SelberschneiderInnen wünschen sich einfach zu schneidernde Modelle, schnelle Erfolgserlebnisse, die sich im Stil den jeweiligen Trends hinsichtlich Form und Material anpassen lassen. Vielleicht ein individuelles Kleidungsstück für die nächste Party oder der „Nachbau“ des Outfits eines Idols.

KIDDY – Selbstgeschneidertes für Kinder

Kinder selbst werden eher selten schneidern (Warum eigentlich nicht? Bestehen Erfahrungen?), aber für Kinder wird häufig genäht.

Neben Alltagskleidung (während schnellem Wachstums vielleicht schon lohnenswert) sind besondere Outfits wie Verkleidungen häufige Projekte. Recht schnell und vor allem individuell entsteht die Prinzessin oder der Zombie.

Auch immer wieder gern genäht: der Partner-Look Mutter – Tochter, z.B. bei Nachthemden.
Rein schnitttechnisch ist bei Kindern ab einer gewissen Größe (so ab dem Alter von 2 Jahren) wenig zu beachten. Bei der Realisierung der Projekte sollte durch die entsprechende Variante auf ausreichende Bequemlichkeitszugaben geachtet werden.

Für Baby-Proportionen sind unsere Schnittmuster nicht optimiert.

DOLLY – kleine Abbilder des Menschen

Viele unserer KundInnen schneidern für Puppen. Hier gibt es die unterschiedlichsten Ausprägungen, die sich untereinander vielfach gar nicht wahrnehmen, obwohl sie das gleiche Schnittmuster verwenden.

Da gibt es die traditionellen Puppen mit Kinderproportionen, edel mit Porzellankopf, dann aus immer lebensechteren und vor allem stabileren Kunststoffen. Da werden Teddybären benäht. Da gibt es die meist jungen Fans der Modepuppen im Barbie-Format, die ihre Puppen benähen. Da gibt es die meist erwachsenen Fans hochwertiger Fashion Dolls mit aufwändigsten Kreationen. Da gibt es die Fans fernöstlicher BJD`s, gern auf Conventions im Partnerlook mit ihren kleinen Gliederpuppen anzutreffen. Aber auch übergroße Stücke für stangengeführte Riesenpuppen auf Veranstaltungen werden genäht.

Generell lassen sich alle Schnittmuster auch für Puppen mit grob menschlichen Proportionen ausgeben. Die Herausforderung beim Nähen für Puppen ist eher die Größe.
Traditionelle Kinderpuppen oder große Modepuppen (Maßstab 1:2 bis 1:3) lassen sich noch ohne große Veränderungen beschneidern. Für kleinere Puppen (1:4, eine häufige Größe hochwertiger Dolls, bis 1:6, der Barbie-Größe) sollte schon überlegt werden, ob Schnittteile manuell vereinfacht werden oder gar zusammengelegt werden. Darunter wird es schwierig – obwohl – eine Kundin hatte Schnittmuster für Ihre Schweizer 1:12 Puppenstuben-Figuren angefragt.

Zum Schluss – Schneidern Sie selbst!

Sie haben es gelesen: Ihre Chancen auf individuelle, außergewöhnliche, selbstgeschneiderte Kleidungsstücke stehen gut! Versuchen Sie es einfach einmal mit unserer kostenlosen Maßschnittmuster-Software PASST! und den vielen unterschiedlichsten Schnittmuster-Modellen.

Übrigens: Für alle, die das alte Profilbild nicht kennen oder sich nicht erinnern können: Zur Anmeldung von golden-pattern bei Facebook wurde das 1999 für den ersten Internet-Auftritt von golden-pattern kreierte Logo verwendet. Wie der Zeitgeist und damit oft auch der persönliche Geschmack sich doch ändert…

ThirdBrain

George sitzt gerade einmal wieder in seinem Zweitbüro (Starbucks, Fensterplatz mit Aussicht auf den Kudamm).

Zeit 7:45 Uhr, noch himmlische Ruhe, der Kimono Blog Artikel soll geschrieben werden. Schnell ins WLAN…

Doch – ein lange gehegter Gedankengang muss noch schnell in Worte gefasst werden – ist denn die enge Verbindung von George zu seinem kleinen weißen Notebook und dem Verbinden-Button noch normal?

George´s Theorie der „Drei Gehirne“:

ThirdBrain

Es mag seinem Job geschuldet sein – nein, falsch formuliert – es ist sein Glück bereits früh in den noch immer schneller werdenden Fluss digitaler Informationsverfügbarkeit eingebunden gewesen zu sein.

Z80, dann C64, dann XT mit 20 MB Festplatte, CompuServe, mit 300 bit/s hinaus in die weltweiten,  unglaublichen neuen Möglichkeiten.

Alle ihre größere bisherige Lebensspanne im aktuellen Jahrtausend verbringenden Smartphone-NutzerInnen werden mit diesen Begriffen kaum etwas anfangen können. Doch in den 1980ern entstand in schnellen Schritten der Weg für das, was George heute als sein Drittes Gehirn empfindet.

Heute fühlt sich George ohne seinem Dritten Gehirn, seinem kleinen weißen Notebook und Internet-Zugang, … – wie soll er sagen? … nicht wohl. … abgeschnitten. … behindert! Vielleicht erschreckend aber wahr, das trifft es am besten.

Auf Metaebene zurücktretend sich selbst hinterfragend, tauchen Zweifel auf an dieser mentalen neuen Abhängigkeit. War es denn nicht früher alles besser und es gibt vielleicht keinerlei Grund sich diesem digitalen Rush anzuschließen?

Nein – erstes Indiz: Schulzeit in den 1960/70ern. Aufgabe zu einem beliebigen Thema. Recherche. Stadtbibliothek. Lexika bieten zwei Zeilen Info. Spezielle Literatur ist generell rar, alt oder gerade ausgeliehen. Wenige Promille Themendurchdringung müssen reichen für Meinungsbildung und Entscheidungen. Dagegen Recherche 2015: Umfangreiche objektive und subjektive Texte, Bilder, Videos stehen für praktisch jedes denkbare Thema per Klick in Sekunden zur Verfügung. Schnell lassen sich auch bisher ferne Themen hinreichend umfassend erschließen.

Nein – zweites Indiz: George kennt beide möglichen extremen Einstellungen zum Stand und zur Nutzung der Informationstechnologie aus seinem Umfeld. Während seine Töchter ganz selbstverständlich mit dem Handy Flüge buchen, Ihre Kleidung nach der Wetter-App dem Schrank entnehmen und spontane Video-Chats führen mit FreundInnen in der ganzen Welt, stehen einige langjährige Freunde den neuen Möglichkeiten kritisch bis ablehnend gegenüber. Sicher ist kein Paypal, kein Facebook und kein eigenes Youtube-Video kein persönlicher Mangel. Dennoch zeigt ein Blick auf das tagtägliche Leben – auf die Fernsehwerbung mit dem zunehmenden Anteil eingeblendeter URLs, die zahlreichen QR-Codes in Zeitschriften und die tendenzielle Verlagerung früher lokal oder per Snailmail ausgeübter Tätigkeiten wie Banküberweisungen, Reisebuchungen oder Job-Bewerbungen – dass eine Barriere zur Nutzung der Informationstechnologie absehbar zu persönlichen Nachteilen führen kann oder möglicherweise bereits hat.

George jedenfalls ist sehr glücklich darüber sich wohl zu fühlen an seinem Fensterplatz im Café mit dem Notebook am Schoß und stabiler WLAN-Verbindung. Sein Drittes Gehirn ist wichtiger Bestandteil seines Lebens geworden.

SecondBrain

Dennoch hofft George innig, der entscheidende Input für seinen Output entsteht weiterhin auf Dauer in etwa mittig zwischen seinen Ohren.

Grundlage für eine sinnbringende Nutzung der Informationstechnologie ist zweifellos der rote Faden der persönlichen Ideen und Ziele. Die Filterung und Interpretation der Flut verfügbaren Materials ist heute die Herausforderung; nicht das Plagiat, sondern das Schaffen und zur-Verfügung-stellen neuer Zusammenhänge und die Erweiterung der Erkenntnisse und Möglichkeiten auf solider Basis bringt voran.

So spielt das menschliche Gehirn beruhigenderweise wie seit Zeiten der Entdeckung der Erzeugung von Feuer oder der Erfindung des Rades auch weiterhin die entscheidende Rolle willentlichen Fortschritts.

MainBrain

Nun – George ist ein Mann. Und keinesfalls möchte er durch eigenwillige Nummerierung althergebrachte Vorurteile zerstören…

8:55 Uhr – Dokument schließen, Upload in die Cloud, nachher bloggen, zurück zur Kimono Recherche. ThirdBrain sei Dank!

NÄHMASCHINENTISCH

29. April 2015 1 Kommentar

Rückenschonend, platzsparend und transportabel: Innerhalb weniger Stunden entstand dieser höhenverstellbare NÄHMASCHINENTISCH aus günstigen Standardkomponenten vom Baumarkt. Falls Interesse besteht, kann George einmal eine Bauanleitung zusammenstellen…

So stand es auf der golden-pattern Facebook Seite – und es bestand Interesse – hier also die versprochene Anleitung zum Selberbauen:

Anlass und Idee

Erste Test- und Musterstücke neuer Schnittmuster von golden-pattern entstehen oft im Home-Office bei George. Das Büro ist eigentlich für das Selberschneidern nicht speziell ausgerüstet – die gängige Haushalts-Nähmaschine wartete im Lager und wurde bisher zur Nutzung auf den Esstisch gestellt.

Diese minimalistische Lösung hatte zwei wesentliche Nachteile:  Erstens war der Esstisch trotz aller Stuhlwechselversuche etwas zu hoch; nach wenigen Stunden, spätestens am zweiten Tag lauerten Rückenverspannungen. Zweitens war zum Abend das gemeinsame Familienessen behindert – Wegräumen und Fusselentfernen war lästig.

Deshalb die Idee, die Nähmaschine auf einem speziellen, ergonomischen, transportablen, immer bereitstehenden Nähmaschinen-Tischchen zu platzieren, das bei Bedarf jederzeit komplett vom Lager neben  den Schreibtisch getragen werden und dort auch solange benötigt verbleiben kann.

Konstruktion

Folgende Anforderungen  sollten bei der Konstruktion des Nähmaschinentischs erfüllt werden:

  • Größe und Gewicht sind in einem Rahmen, um von einer Person incl. Nähmaschine von Raum zu Raum getragen werden zu können.
  • Ergonomie: Versenkung des Nähmaschinenfußes auf die höhenverstellbare und deshalb stets optimale Arbeitsebene.
  • Alles stabil beisammen und bei Bedarf möglichst schnell einsatzbereit.
  • Alle erforderlichen Komponenten sind schnell, einfach und nicht zu kostspielig zu beschaffen.
  • Der Tisch ist ohne viel Werkzeug oder Spezialwissen schnell und einfach zusammenzubauen.

Also schnell eine Skizze gemacht und losgefahren,  um alles Notwendige zu beschaffen.

Beschaffung

Alle für diesen konkreten Nähmaschinentisch erforderliche  Komponenten wurden im Bauhaus und bei Ikea beschafft – George bekommt aber keine Prozente hierfür und  es können auch beliebige andere Häuser mit bestimmt genauso geeigneten Produkten aufgesucht werden.

Hier die Material- und Werkzeugliste:

Noch Hinweise zu einzelnen Komponenten:

Als Kompromiss zwischen Arbeitsfläche und Transportierbarkeit wurde als Arbeitsplattengröße 80×40 cm gewählt. Die reicht komplett für kleinere Arbeiten, und für große, unhandliche Stoffteile kann bei George der direkt angrenzende Schreibtisch mit zur Ablage genutzt werden.

Zur genauen Definition des Abstandes zwischen Arbeitsplatte und Bodenplatte (= Höhe des Nähmaschinenfußes) wurden aneinander verschraubte Winkel gewählt, die sich ohne zusätzliche Vorbereitungen durch die vorhandenen Löcher für unterschiedliche Höhen zusammenfügen ließen (s.Detailfoto).

Der Kabelkanal zur Aufnahme des Nähmaschinenanschlusses, der überschüssigen Länge des Fußschalter-Anschlusses und des Leuchtenkabels wurde nicht neu gekauft, sondern war von einem früheren Schreibtischkauf in dem genannten Möbelhaus übrig (ob es genau diesen Typ noch gibt? – aber ähnliche bestimmt).

Bei Auswahl der Steckdosenleiste ist vor allem zu beachten, dass seitlich Laschen für eine Wandmontage angebracht sind für die spätere Befestigung am Tisch. Ein Schalter in der Steckdose ist praktisch, um alles zusammen stromlos zu machen. Auch die Anschluß-Längen sind bei den einzelnen Modellen sehr unterschiedlich – vielleicht kann eine zusätzliche Verlängerungsschnur eingespart werden.

Je nach konkreter Auswahl der Winkel und der Platten muss die genaue Dimensionierung der Schrauben festgelegt werden: Die Gewindeschrauben  müssen durch die Winkel-Löcher passen und in der Länge jeweils zwei Winkel aufeinander schrauben können. Die Holzschrauben müssen Winkel und Beine sicher an den Holzplatten halten, die Plattendicke aber nicht durchstoßen. Also hier nochmal vor Ort genau schauen.

Alles beisammen? Dann jetzt zusammen bauen.

Zusammenbau

Außer dem puren Zusammenschrauben der Einzelteile ist bei dieser Ausführung des Nähmaschinentischs nur an einer einzigen Stelle wirklich Hand anzulegen: Beim Ausschnitt in der Arbeitsplatte für die Nähmaschine.

Die Anzahl der benötigten Werkzeuge ist übersichtlich:

  • Der Nähmaschinen-Ausschnitt gelingt am besten mit einer Stichsäge.
  • Schmirgelpapier verschiedener Körnungen sorgt für späteres splitterfreies Nähen.
  • Ein Schraubenzieher und ggf. einen Schraubenschlüssel / eine Zange für die Holz- und Gewindeschrauben.

Schauen wir uns die Arbeitsgänge jetzt einmal genauer an:

  1. Die Nähmaschine soll in die Arbeitsplatte zur Arbeitsebene bündig versenkt werden und darunter auf der Bodenplatte stehen. Hierzu den Fuß ausmessen und die persönlich bevorzugte Position in der Arbeitsplatte einzeichnen. Bei dieser konkreten Ausführung wurden die Anschluss-Leitungen der Nähmaschine gleich noch geschützt, sowie Befindlichkeiten von George als Linkshänder berücksichtigt. Noch wichtig: Für den Tausch des Unterfadens kann die Maschine leicht herausgehoben und diagonal auf den Plattenausschnitt gestellt werden.
  1. Jetzt ist es an der Zeit, alle Kanten der beiden Platten mit feinem Sandpapier rund und absolut splitterfrei zu schleifen, damit später der Stoff keinen Schaden nimmt. An den Baumarktplatten war hier nicht mehr viel zu tun, vor allem aber an dem gerade gearbeiteten Ausschnitt.
  1. Ein zweiter für die Funktion wesentlicher Arbeitsschritt ist die Vorbereitung und Befestigung der Winkel für den gewünschten Abstand von Arbeitsplatte und Bodenplatte. Hier ist etwas probieren angesagt. George hatte Glück: Je 2 Winkel konnten genau zur Höhe des Nähmaschinen-Fußes zusammengeschraubt werden (notfalls passende Löcher in die Winkel bohren). Insgesamt 6 vorbereitete Winkelpaare halten die Bodenplatte unter der Arbeitsplatte und werden mit den Holzschrauben unter der Arbeitsplatte und an der Bodenplatte angeschraubt (Bild s. oben).
  1. Zeit für die Beine: Jeweils in den Ecken der Arbeitsplatte mit Holzschrauben befestigen. Jetzt das im Rohbau fertige Tischchen einmal auf die richtige Höhe einstellen, die Nähmaschine platzieren und schauen, ob es behagt (Stichpunkte Beinfreiheit, Zugänglichkeit der Bedienelemente der Nähmaschine, Ablagefläche etc.) (Bild s. oben).
  1. Jetzt kann der Kabelkanal hinten unter die Arbeits- oder Bodenplatte geschraubt werden.
  1. Die Steckdose hält angeschraubt unter der Arbeitsplatte, seitlich an der Bodenplatte oder – wie im konkreten Fall – mit 2 Winkeln am Kabelkanal (Bild s. oben).
  1. Als letztes noch eine Arbeitsleuchte mit hellem LED-Licht an der Arbeitsplatte befestigt: Zum einen ist George das eingebaute Nähmaschinen-Leuchtchen zu funzelig, zum anderen brauchen gelegentlich geschossene Muster-Fotos mehr Lumen.
  1. Alles noch stolperfrei verkabeln, anschließen,

Fertig!

Losschneidern!

 Optionen

Der Nähmaschinentisch von George ist mehr auf Einfachheit ausgelegt als auf Eleganz und handwerkliche Perfektion – erfahrenere Hobbybastler werden wahrscheinlich schon hier und da die Nase gerümpft haben. Nachfolgend einige Anregungen zur Optimierung für diesbezüglich anspruchsvollere SelberschneiderInnen (oder deren heimwerkeraffine PartnerInnen):

  1. Je nach persönlicher körperlicher Konstitution und Länge der Arme kann sich das Tragen des Tischchens incl. Nähmaschine von Raum zu Raum schwierig gestalten. Dies trifft umso sicherer zu, wenn statt der vorliegenden 80x40cm eine Arbeitsplatte von 100x50cm oder gar mehr zugunsten immer benötigtem Ablageplatz verwendet wird. In diesem Fall ist die Verwendung von zwei einsteckbaren, vorzugsweise blockierbaren Rollen unter den Beinen auf einer Seite empfehlenswert. Aber probieren, ob dann noch alles wackelfrei genug steht.
  2. Die Lösung der stabilen Abstandsdefinition zwischen Arbeits- und Bodenplatte mit Winkeln ist sehr praktisch, aber gewinnt sicher keinen Schönheitspreis. In erforderlicher Höhe speziell zugesägte Seitenleisten in der gewählten Holzqualität würden die Wertigkeit des Stückes deutlich steigern.
  3. Der Raum zwischen Arbeitsplatte und Bodenplatte ist außer der Stellfläche der Nähmaschine derzeit ungenutzt . Hier könnte ein zusätzliches Schublädchen Raum schaffen für Nähmaschinenzubehör oder Nähfadenröllchen.
  4. Selbstverständlich kann das Holz nach Belieben, z.B. zur übrigen Einrichtung passend, behandelt (z.B. lasiert) werden.
  5. … und Sie haben bestimmt noch viele eigene weitere Ideen für Ihren ganz individuellen Nähmaschinentisch.


Diese Bauanleitung finden Sie auch – fertig zum Ausdruck als PDF formatiert – in der GRATIS-Rubrik des Schnittmuster-Shops www.passt-online.de. In diesem Shop finden Sie natürlich auch alle Schnittmuster zum Selberschneidern auf Ihrem neuen Nähmaschinentisch…

Die Rache der Totholzmedien

30. März 2015 1 Kommentar

Der Morgen am Tag vor der Urlaubsreise. George kopiert noch alles Notwendige aktuell aufs Notebook , um die schnittmustersuchenden SelberschneiderInnen auch von fernen Gefilden aus glücklich machen zu können.

Wie immer läuft nebenbei der Fernseher; Üblicherweise erste Nachrichten, dann Musiksender. Aber diesmal nicht hingeschaut, irgendeine Talkshow, angeregter, eigentlich zu lauter Wortwechsel. Trotz ganz anderer Dinge im Kopf dringt ein Begriff vom Lautsprecher über die Ohren zum scheinbar unterbewusst spontan interessierten Zerebrum: TOTHOLZMEDIEN.

Ein wunderbares Wort.

Beschreibt es doch auf Papier gedruckte Bücher (und anderes Schriftgut) in mehrfacher Hinsicht wortwörtlich wie zwischen den zahlreichen Buchstaben perfekt, hintergründig und interpretationswürdig mehrdeutig. Der Begriff nennt korrekt (oder prangert es gar an? Sehen Sie gerodeten Urwald vor Ihrem inneren Auge?) das Material für die zahlreichen Seiten der vierbändigen Trilogie und anderer Highlights der schriftlichen Formulierungskunst. Und ganz nebenbei assoziiert wird die aktuelle Veränderung in der Buchbranche, der möglicherweise angelaufene Niedergang massenhafter Printmedien zugunsten der elektronischen Verbreitung und Nutzung in Worte gefasster Ergüsse jeder Art.

Nicht zu vergessen der ganz eigene, morbide Charme des Ausdrucks, den wohl besonders Liebhaber langer Spaziergänge auf dem Wiener Zentralfriedhof mit- und nachempfinden können.

Ein Hoch jedenfalls auf den wohl unbekannten ursprünglichen Wort-Schöpfer. Eine kurze Recherche scheint die sporadische Nutzung vor allem in der Blogger-Szene (als propagandistisch formuliertes Feindbild?) ohne klare Quelle zu belegen.

Nur dass ja zwei Herzen schlagen in der Brust von George. Ist er doch trotz aller informationstechnischer Affinität auch ein Sammler – es zieren diverse laufende Meter vor allem mit Fachliteratur aus drei Jahrhunderten die Regale in Sichtweite des Schreibtischs. Und nach jedem Bücherflohmarkt oder dem Besuch einer neuen Stadt mit neuen Antiquariaten droht Zuwachs. So verhält sich sicher niemand, der diese „Totholzmedien“ im Innersten gering achtet.

Aber Schluss jetzt mit träumen – Notebook fertigmachen.

Mutter (80) kommt zum Vorurlaubsbesuch Mittag essen. Noch  angeregt  von den Überlegungen des Vormittags, begeht George den Fehler diesen inzwischen in seine persönlichen Top Ten der phantasieanregensten Wortschöpfungen aufgenommenen Begriff in die Konversation einzuführen: „Weißt – Lehmanns ist praktisch weg, Hugendubel hat geschlossen am Zoo – kaum jemand kauft noch Bücher im Laden. Und die elektronischen Bücher auf den Lesegeräten sind auch praktisch. Heute Morgen habe ich in passendes Wort für traditionelle Bücher gehört: Totholzmedien.“.

„Ein schreckliches Wort!“ sofort Mutter.

Eine Diskussion über das was Bücher ausmacht entsteht, von sehr konträren Standpunkten und Überlegungen geführt. Neigt doch Mutter nicht gerade zu Kompromissen oder gar übertriebener Toleranz gegenüber modernzeitgeistgetriebener Argumentation. So bringt es umso mehr Leben an den Mittagstisch, ein klein bisschen den Anwalt des Teufels zu mimen.

„Weshalb Papier in den Urlaub schleppen, wenn doch mein eBook-Reader zwei komplette Billy´s fasst – incl. Aufsatzregal. Reine Resourcen- und Platzverschwendung dieses Papierzeug!“  provoziert George.

„Ein Buch kann man riechen…“ antwortet Mutter.

„Ja stimmt – noch intensiver nach dem Urlaub am Strand und der nachfolgenden Einlagerung in einer Umzugskiste. „

„Ein Buch kann man umblättern…“

„Aber ist denn nicht der Inhalt das Ziel, die Zeilen des Autors, die unkomplizierte Zugänglichkeit der Informationen und Gedanken?“

„Ein Buch muss man umblättern können – basta!“ schließt Mutter die Diskussion. Genug Teufel, jedes weitere Wort würde die Stimmung für den bereits in der Küche wartenden Kuchen verderben.

Der Besuch ist trotz der in jeder Facette unvereinbaren Position zu Totholzmedien friedlich zu Ende gegangen mit smalltalkfähigeren Themen wie Wetter, Garten, Kinder und dem bevorstehenden Urlaub.

Wieder allein mit dem letzten Glas Rotwein, noch schnell etwas den Schreibtisch aufgeräumt für die morgen früh anstehende Reise.  Der Stapel Bücher, zusammengetragen zur Recherche über die Konstruktion unterschiedlicher Revers-Krägen, wartet auf seine Rückführung ins Regal.

„AUTSCH!!!“. Der Buchstapel gleitet zurück auf die Tischplatte, Blut tropft aufs Laminat. Ein langer Schnitt, messerscharf ausgeführt von der leicht vorstehenden Seite 78  des ringgebundenen Lehrwerks für Schnittmusterkonstruktion des Schweizerischen Modegewerbeverbands, verlangt nach sofortiger Versorgung mit einem Pflaster.

Die Rache der Totholzmedien.

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