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Safer Sex (2/2)

DAS  SCHWERT DES SCHMERZES oder

WIE EIN SELBERSCHNEIDER DEN SAFER SEX ERFAND

(Teil 2 von 2 – zur persönlichen Erbauung unbedingt zuerst Teil 1 lesen!)

Nun lag er da. Schlaflos. Hilflos. Trostlos. Zahllose einsame Nächte des Grübelns lagen vor George, immer mit zwar sicherem, aber liebesaussaugendem Abstand zwischen seiner glitzernden Schwertspitze und den kosungswerten Wölbungen seiner Frau. Wie konnte er seiner Liebe jemals wieder nahe sein, ohne ihr Schmerzen zuzufügen?

In Verzweiflung vergrub sich George tiefer und tiefer im Zuschnitt von wertvollen Stoffen, im Brämen mit flauschigen Pelzen und im Säumen mit golddurchwobenen Borten. Viele bewunderte Gewänder entstanden mit Nadel und Faden. Nur seine Haut, die sonst so häufig wohlfühlsamen Kontakt hatte mit der weichen warmen Haut seiner Frau, wurde immer spröder und kälter. Und auch seine Frau litt unter der körperlichen Ferne aus Angst vor dem Schmerz der Stiche,  den fehlenden leidenschaftlichen Umarmungen als Bezeugung unzweifelhafter liebevoller Zusammengehörigkeit.

Eines späten Abends, müde, umgeben mit Resten seiner selberschneidernden Beschäftigkeit, übersät mit kurzen bunten Fäden und zerzausten Ausfransungen verarbeiteter Gewebe, fiel der Blick von George auf einen kleinen, blutroten Stoffrest von feiner, aber fester Seide – Überbleibsel des geschnürten Gewandes einer Edelfrau. Konnte die Lösung wirklich so einfach sein? Konnte so sein spitzes Schwert künftig mit einer schmerzfrei liebespendenden Nähe zu seiner Frau vereinbar werden?

Angetan und voller Hoffnung machte er sich unverzüglich an die Arbeit. Messen, Schneiden, schnell war die Nadel mit dem goldgelben Faden bestückt. Gefaltet, Geheftet, Genäht. Ein Stück Lederriemen für den Halt. Unter den flinken geübten Fingern von George entstand ein kleines Kunstwerk, das Versprechen von vielleicht wieder erwachendem Glück, ein neuartiges Hilfsmittel zu konfliktfreiem Kuschelgenuss. Er nannte seine Erfindung SAFER SEX.

Sofort eilte George in das Gemach seiner Frau, um sie von der bemerkenswerten Handarbeit zu unterrichten, um sie um ihre wertgeschätzte Meinung zu fragen.

[piep – geschwärzt – zensiert]


Und George und seine Frau lebten glücklich bis zum Ende ihrer Tage.

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Safer Sex

DAS  SCHWERT DES SCHMERZES oder

WIE EIN SELBERSCHNEIDER DEN SAFER SEX ERFAND

(Teil 1 von 2)

Es war einmal ein glücklicher Mann, der lebte mit seiner wunderbaren Frau mitten im Wald am Ende eines lauschigen Weges in einem kleinen Häuschen. Der Mann – nennen wir ihn George – hatte zwei Leidenschaften: Er unternahm gerne mit seiner Frau alle schönen Dinge; und er schneiderte vielfältige Gewänder zur Ansicht der Menschen in der ganzen Welt. Im Innersten, verborgen unter der Schale des blassen alltäglichen Broterwerbs, war George auch ein Goth, ein Anhänger des geheimnisvollen Schwarzen.

Auch das Geschmeide von George spiegelte diese Lebensinhalte wieder. Neben Ringen der Liebe zu seiner Frau trug er eine Halskette, geschmückt mit den Symbolen seines Interesses: winzige Schneiderwerkzeuge aus edlem Silber und ein stattliches Schwert, besetzt mit kostbaren schwarzen Steinen.

Nun war es genau dieses Schwert, das das Glück des Mannes zu beenden drohte.

Immer wieder, wenn George mit seiner Frau eng aneinander geschmiegt kuschelte, kam es zu störenden,  gänzlich unerwünschten, kleinen Unfällen. Die Spitze des Schwertes, locker, fast fröhlich beschwingt baumelnd an der Halskette, bohrte sich schmerzhaft in die vorteilhaft einladenden Rundungen seiner Frau – sehr zum Verdruss dieser.

[Anmerkung des Autoren : Alle Ansätze, diesen Bug zu einem Feature umzudefinieren, wurden von der Frau unverständlicherweise im Keim erstickt.]

So kam es, dass die liebevollen Annäherungen von George und seiner Frau sich immer vorsichtiger, distanzierter, fast muss man schon sagen unbefriedigender gestalteten. Mehr wurde bereits auf die Physik der Schwerkraft drohend pendelnder Schwertspitzen geachtet als auf die erfüllende Zweisamkeit. Dennoch, in Momenten des Vergessens, … (autsch!) .

Nach Wochen solch ständiger – wortwörtlicher – Sticheleien stellte die malträtierte Frau mit akut  schmerzverzerrtem Gesicht nun den armen George vor die ultimative, schreckliche Wahl: Schwert oder Kuscheln.

George rollte auf den Rücken und fragte sich, welchen Sinn das Leben ihm bei diesen Alternativen noch in der Lage war zu eröffnen. Glück schien in weite Ferne gerückt.

Wird  George je wieder glücklich?

Werden die Wunden heilen?

Welche Rolle spielt die zweite Leidenschaft von George eigentlich in dieser Geschichte?

Fragen über Fragen.

Antworten folgen.

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