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Urlaub & Arbeit

20. Mai 2016 1 Kommentar

Prolog

Gerade ist George zurück von der Urlaubsreise. Schön war es, 14 Tage rund um das Mittelmeer, viele neue Eindrücke, lange in interessante Ferne schauen statt meist auf den nahen Bildschirm.

George wurde angesprochen im Urlaub von einem Mit-Urlauber-Paar, als er recht früh morgens in der leeren Bar am Bug saß an seinem Notebook, eine Mail schreibend: „Sie Armer, wir haben Sie die letzten Tage schon tippen gesehen – lässt Ihr Chef Sie nicht einmal hier im Urlaub in Ruhe mit Arbeit?“.

„Nix Chef, nicht wirklich Arbeit!“ lächelt George und  beginnt zu versuchen für eine intelligentere Antwort erst einmal selbst seine Einstellung zu diesem Thema zu verstehen…

Warum Urlaub und Arbeit und Glück und Freizeit und Liebe und Geld-verdienen integral zusammen gehören, ja in vielen Aspekten kaum zu unterscheiden sind – bemüht formuliert möglichst ohne esoterisches Geschwafel oder Hobby-work-life-balance-Psychologie oder den erhobenen Finger des Lebensberater-Fachbuchs. Die Einsichten von George, deshalb: alle folgenden Ratschläge nicht nur ohne Garantie, sondern sogar ohne nennenswerte Wahrscheinlichkeit der Übertragbarkeit auf andere Personen.

Hintergrund & Entscheidungen

Was ist Urlaub? Was ist Arbeit? Die Grenzen sind verschwommen für George.

Er kann sich erinnern: Damals, einige Jahrzehnte lang als Angestellter im großen Konzern, da war noch alles klar: Arbeit war morgens eine Stunde Autofahrt zum Büro oder mit dem Taxi zum Flughafen, dann typisch 8 bis 10 Stunden fremdbestimmtes Kommunizieren, Denken und Tun, dann nach Hause oder ins Hotel und abends um 22:45 Uhr noch ein Anruf des Chefs wegen unaufschiebbarem – Nichts. Und Urlaub waren 30 Tage eines Kalenderjahres – einzuplanen bis zum 15. Januar. Da konnte man wegfahren, mit schlechtem Gewissen wegen stets unterbesetzter Projekte, unter kontinuierlicher mailmäßiger und Diensthandy-sei-Dank-telefonischer Beatmung von Wer-weiß-wem-Wichtigen.

Aber dann kam die Chance: Eine Kumulierung aus Leidensdruck persönlich unerträglicher Organisation und Vorgesetzter zusammen mit Lockvögeln gewünschten Stellenabbaus. High noon in einer Strategiesitzung. George hob seine Finger (in einer der Phantasie des Lesers überlassenen Reihenfolge) und kündigte.

Nun liebe Kinder: Nicht nachmachen! Was hier als Wahnsinnstat eines Midlife-Krisengeplagten erscheint, bedarf einem Gutstück der Planung, Vorbereitung und passender Rahmenbedingungen:

Erstens: George hat eine tolle Frau. Sie steht stets hinter George, motiviert und unterstützt ihn. Niemals zetert sie, ist keine Bedenkenträgerin und malt am Horizont stets rosa Palmen statt alles verschlingendes Schwarz. Ohne Liebe und einen starken Rückhalt wären viele Entscheidungen für George unmöglich gewesen.

Zweitens: George hat einen Plan. Seit vielen Jahren betrieb er schon ein kleines nebenberufliches Gewerbe, aus einer fixen Idee, einem Hobby entstanden. Eines Tages im vergangenen Jahrtausend meinte der Programmierer in ihm, man müsse doch eigentlich Schnittmuster für Kleidungsstücke am Computer nach den persönlichen Maßen, also passend halt ausgeben können. Interesse bei Kunden war vorhanden, immer glaubte George diese Idee hätte Potential und jetzt kann er es beweisen.

Leben & Glück

Ein Reset in der Lebensmitte birgt viele Chancen. Mit dem Hintergrund gesammelter Erfahrungen und der Konsequenz einiger erforderlicher Entscheidungen kann man neu bewerten und bewusst wählen, was einem wichtig ist und wie man seine noch verfügbare restliche Lebenszeit kurz- mittel- und langfristig verbringen möchte.

George empfiehlt zur zeitlichen Aufteilung: Sei heute glücklich. Sei morgen glücklich. Versuche dieses Jahr glücklich zu sein. Verliere die weitere Zukunft nie aus den Augen, aber bedenke: Pfiffig ist, das verfügbare Glück auszuschöpfen bevor die restliche verfügbare Lebenszeit abgelaufen ist.

Urlaub & Arbeit

Und so kommt es, dass Urlaub und Arbeit für George kein Widerspruch mehr darstellt, keine Konkurrenz, sondern ineinandergreifende Bestandteile eines glücklichen Tages.

An einem Tag in Cannes entsteht nach dem Bummel über die Croisette das Konzept für die Musterstücke weißer leichter baumwollener Peplum-Shirts; und morgens vor Barcelona noch schnell eine Rechnung drucken am Internetterminal und eine Correos suchen für die CD-Lieferungen und schnell dem Kunden per Mail eine Frage beantworten. Oder an einem Seetag auch einmal eine Bibliothek sichten für Responsive Design – weder Problem noch Belastung. Ohne Zeit für Einkommen nicht nur kein Geld für Reisen, sondern auch keine Selbstbestätigung der Richtigkeit eigener Ideen und Vorgehensweisen. Und ohne Zeit für freien Geist und tiefes Wohlbefinden wiederum keine Inspiration für Einkommen.

Epilog

Das nette, aber ganz unnotwendig mitfühlende Mit-Urlauber-Paar ist längst weitergeschlendert, zum Frühstücksbuffet, zum Tender rüber zum Hafen oder – brrr – zum Liegen-reservieren an Deck.

George lehnt sich zurück. Er fühlt sich wohl. Er glaubt es geht ihm gut.

 

Schnittmuster für COSPLAY (II)


 
Als Schnittmuster-Sponsor des deutschen Teams zum European Cosplay Gathering 2015 in Paris hatte ja George bereits Anfang Juli an dieser Stelle ein wenig über Cosplay an sich und die Verwendung von Schnittmustern für die Anfertigung der teils sehr aufwendigen Outfits berichtet.
 
Zum ersten Blogartikel aus dem Juli: https://selberschneidern.wordpress.com/2015/07/03/schnittmuster-fur-cosplay/
 
Jetzt ist der Wettbewerb vorbei, Fotos veröffentlicht und Videos online gestellt. Hier wie damals versprochen der Bericht von Claud – einer der Finalteilnehmerinnen – über den Verlauf der Veranstaltung, die Kostüme und auch die verwendeten Schnittmuster.

 

Claud berichtet über die Veranstaltung:

Das European Cosplay Gathering (ECG, alle wichtigen Links unten) fand dieses Jahr zum fünften Mal statt. Dabei funktioniert alles so, dass in den jeweiligen Ländern über einen Vorentscheid ein Solo-Teilnehmer und ein Team (2-3 Personen) ausgewählt wird, das dann nach Paris fährt um am Finale teilzunehmen. Der ECG ist der einzige größere Wettbewerb bei dem man zu dritt teilnehmen darf, ansonsten gibt es vor allem Wettbewerbe für Einzelpersonen (z.B. Euro Cosplay in London) und Paare (z.B. World Cosplay Summit in Nagoya).
 
In Deutschland findet der Vorentscheid auf der Buchmesse in Leipzig statt und man gewinnt neben dem Finaleinzug auch die kostenlose An-und Abreise nach Paris, den Hotelaufenthalt während des Events sowie Verpflegung über den Tag und Abendessen im Hotel.
 
Nach Paris reist man bereits einige Tage vor dem „Main Event“, der Bühnenshow am Samstag, denn es gibt eine Vielzahl von weiteren Events, an denen man als Finalist teilnimmt:
 
Mittwoch eine Willkommensparty, bei der man sich im Cosplay auf einem gemieteten Boot kennenlernen konnte.
 
Donnerstag zur freien Verfügung (wenn man nicht damit beschäftigt war seine Kostüme zu Ende zu bringen *haha*). Zeitgleich läuft ja die Japan Expo (die größte Messe zum Thema Japan, Anime und Manga in Europa).
 
Freitag dann auf der kleineren Bühne die Auslosung der Startreihenfolge sowie eine kleine Vorstellung der Teams, später am Tag Vorstellung auf der Hauptbühne wie bei einer Art Catwalk. Dann Proben bis in den Abend hinein.
 
Samstag zuerst der zweite Probendurchlauf. Dann die Show…
 
Der ECG bietet eine wirklich großartige Show, die Kostüme aller Teilnehmer waren super, einige auch unendlich aufwendig und in Sachen Bühnenrequisiten haben sich die wenigsten lumpen lassen. Falls jemand von den Blog-LeserInnen einmal die Gelegenheit hat und sich nur ein bisschen für Japan interessiert ist die Japan Expo und das ECG Finale definitiv einen Besuch wert!
 
Nach der Show die Preisverleihung. Wir haben uns angesichts der superkrassen Konkurrenz leider nicht platziert – allerdings haben wir uns da in guter Gesellschaft befunden, denn nur drei pro Kategorie konnten prämiert werden.
 
Am Samstag abends noch das „European Snack Gathering“, um den Finaltag ausklingen lassen.
 
Sonntag Shootings mit freier Kostümwahl; schöne Fotos von guten Fotografen. Eine Pizzaparty. Und dann war es auch schon vorbei.
 

 

Die Kostüme – Claud berichtet weiter:

Die Serie aus der wir gecosplayt haben heißt „Chūnibyō Demo Koi ga Shitai!“, in der es um den Hauptcharakter Yuuta geht, der versucht mit seiner kindischen Vergangenheit – die voll war mit Rollenspielen, imaginären Gegnern und Abenteuern und ihm selbst als den großen Helden „Dark Flame Master“- abzuschließen.

[Anmerkung von George: Chūnibyō = „Achtklässlerkrankheit“: Jugendlicher Wahn, sich selbst als einen das Böse bekämpfenden Helden zu empfinden.]

Yuuta wechselt an eine weitergehende Schule. Da ihn dort keiner von früher kennt, hofft er als ganz normaler Jugendlicher sein Leben weiterzuführen.
 
Allerdings gibt es das Mädchen Rikka in seiner Klasse, die noch immer ganz der Phantasiewelt verfallen ist und weiterhin an magische Kräfte, Kämpfen mit überdimensionalen Waffen glaubt (z.B: ihrem Regenschirm Schwartschild Prototype Mark II) und der Suche ist nach dem Horizont der Anderswelt.
 
Zudem ist Rikka ein großer Fan des Dark Flame Masters, den sie beim Spielen im Park beobachtet hat. So versucht sie mit allen Mitteln Yuuta zurück in die Welt der Phantasie zu ziehen.
 
In unserem Auftritt haben wir also versucht diese „Disharmonie“ von Yuuta und Rikka zu transportieren, denn sie versucht ihn hier dazu zu animieren wieder als Dark Flame Master aktiv zu werden, so dass sie gemeinsam kämpfen können.
 
Da Rikka in der Serie alle möglichen LED Dinge benutzt um alles „realistischer“ zu machen, haben wir auch auf einige Spielereien zurückgegriffen.
 
Weiter unten in der Linkliste zwei Videos von unserem Auftritt.
 
Da die Kostüme sozusagen selbst auch nur Cosplays sind (in der Serie tragen die beiden diese Sachen zum Sommerschulfest um dort einen Auftritt zu machen), haben wir z.B. die Schleifen von Rikka genau so hängen lassen wie es auf der Vorlage zu sehen ist, obwohl wir natürlich wissen, dass man sowas, damit es „gut“ aussieht verstärkt und schöner auffächert.
 
Folgende Schnittmuster haben wir verwendet:

Yuuta: Mantel, T-Shirt, 5 Pocket Jeans
Rikka: Corsage, Bluse, Mittelalter Wams (als kleine Hilfe für den Rock)
 
Wir haben auch die Kostüme vom „Catwalk“ am Freitag mithilfe von Passt! angefertigt, dabei haben die den Sakko-Schnitt und die Herrenhose abgewandelt.

 

Links zur Veranstaltung

European Cosplay Gathering http://www.european-cosplay-gathering.com/presentation.html
Video Auftritt Germany “Yuuta & Rikka” ECG Finals 2015 Germany Group Cosplay Chuunibyou Demo Koi Ga Shitai Rikka & Yuta HD (N-Gamz)
Weiteres Video vom Auftritt Germany ECG Season 5 Finals – Germany Group – Chunibyo Demo Koi Ga Shitai!
 
Vielen Dank für die Genehmigung zur Verwendung des Bildmaterials an:
Das Event: ECG – European Cosplay Gathering
Die Helfer EPIC
Der Photograph der Bühnenbilder CoolADN
Der Photograph vom Shooting Antony Gomes Photographe
 

 

Schnittmuster für COSPLAY

Lust darauf, das nächste Cosplay Outfit auch mit PASST! Schnittmustern nach Maß selberzuschneidern?
Wir haben da mal was für Euch vorbereitet…

 

Schnittmuster zum Artikel: Auf www.passt-online.de stehen wie immer alle im Artikel genannten Maß-Schnittmuster bereit.

Schnittmuster-Set COSPLAY (klein)
Kleines Schnittmuster-Set speziell für COSPLAY Fans zusammengestellt zum attraktiven Setpreis. Geeignet für als kreative Basis außergewöhnlicher Cosplays wie auch für hunderte alltagstaugliche Kleidungsstücke. …
Details…
Schnittmuster-Set COSPLAY (groß)
Großes Schnittmuster-Set speziell für COSPLAY Fans zusammengestellt zum attraktiven Setpreis. Geeignet für als kreative Basis außergewöhnlicher Cosplays für weibliche wie männliche Charaktere wie auch für tausende alltagstaugliche Kleidungsstücke. …
Details…

Schnittmuster für COSPLAY

3. Juli 2015 1 Kommentar

George sitzt in der Lounge mit Blick von der Reede vor Road Town, auf den Knien das Notebook zur Durchsicht der Mails. „Der wohl coolste Arbeitsplatz wo gibt“, denkt er bei sich.

Neben dem ganz normalen Tagesgeschäft eine spannende Mail: Eine Claud fragt nach Schnittmustern: „Ich schreibe aufgrund einer Sponsoring Anfrage des deutschen European Cosplay Gathering Teams 2015. Wir haben uns auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahres beim deutschen Vorentscheid für das European Cosplay Gathering qualifiziert und werden Anfang Juli zur Japan Expo nach Paris reisen, um dort Deutschland in einem europaweitem Kostüm-Wettbewerb zu vertreten. Hierbei geht es darum mit einem Kostüm zu überzeugen, bei dem eine gewählte Vorlage so genau wie möglich umgesetzt wird, und dieses dann in Form eines kurzen Theater-Sketches auf einer Bühne zu präsentieren.“

Da George die Kreativität und besondere Affinität zum Selberschneidern der Cosplay-Szene sowohl bei seinen Besuchen auf der Leipziger Buchmesse wie auch auf einer Cosplay-/-BJD-Convention in Berlin bewundert hat, wurden die benötigten Schnittmuster gern bereit gestellt.

Aus dem folgenden Mailverkehr:

George: „Was ist eigentlich Cosplay?“

Claud: „Cosplay ist das Hobby sich als seine Lieblingsfigur egal aus welchen Medien zu verkleiden, mit selbst genähten und gebastelten Kostümen und das nicht nur zur Karneval oder Halloween Saison sondern das ganze Jahr über.“

George: „Und dazu wird gern genäht…“

Claud: „Cosplay ist, wie kein zweites, vergleichbares Hobby in Deutschland, eine riesige neue Subkultur, die sich die Freude des Nähens angeeignet und wieder salonfähig gemacht hat.“

George: „Nach welchen Kriterien sucht Ihr die Schnittmuster aus?“

Claud: „Wir verwenden die Schnittmuster immer je nachdem ob sie zur Vorlage passen, dabei benutzen wir sie meistens für Cosplay und ändern sie dann entsprechend der Vorlage ab, aber auch für Eigendesigns, bei denen man ja freier ist, sind sie sehr praktisch, da hier dann die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten zusätzlich inspirierend sind, und auch für LARP (z.B. Harry Potter, dort hat man ja als feste Vorlage die Mäntel aus den Filmen. Bei Fantasy LARPs ist man wieder freier, da man hier zwar je nach Setting auf eine bestimmte Epoche festgelegt ist, aber dennoch die genauen Schnitte freier wählen kann).“

Claud: „Viele Cosplays bestehen aus einer Schuluniform, meistens aus einem Faltenrock, einem Oberteil mit Matrosenkragen und einem Blazer.“

Claud: „Ein kleiner Trick von uns: Da wir auch männliche Charaktere cosplayen haben wir uns mit unseren Maßen zweimal im Programm eingetragen, einmal als weiblich und einmal als männlich, das berechnet dann die Schnitte authentischer.“

George: „Und welche Schnittmuster nutzt Ihr aktuell?“

Claud: „Für die Japan Expo in Paris speziell arbeiten wir mit folgenden Schnittmuster für unsere Finalkostüme: MANTEL, CORSAGE, BLUSE, T-SHIRT, HERRENHEMD, JEANS. Und bei den Kostümen des Vorentscheid – also die mit denen wir uns den Platz im Finale ergattert haben: Dort haben wir auch einen Schnitt verwendet, nämlich den T-SHIRT-Schnitt mit dem wir die Weste und die Ärmel gemacht haben.“

George: „Danke für die interessanten Einblicke, Claud. Und viel Erfolg in Paris!“

Claud (schon auf dem Sprung): „Danke noch einmal für die Unterstützung, die Schnitte helfen wirklich ungemein Zeit zu sparen. Wir sind etwas unter Zeitdruck mit den Kostümen für Frankreich. Eine typische Cosplayerkrankheit :D“

Weg war sie, auf nach Paris. Aber das Problem der Knappheit an Zeit haben nun wirklich nicht nur die Cosplayer gepachtet. Wohl eher eine Eigenschaft engagierter ZeitgenossInnen jeder Branche. Deshalb ergänzend besserwisserisch mit auf den Weg:

George: „Wie erging es Ihnen seinerzeit mit Ihren Projekten?“

Mark Twain: Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von Claud von den Rainbow Riders. Fotos der fertigen Modelle folgen nach Abschluss der Japan Expo.

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
MANTEL
Basisschnittmuster MANTEL. Variabel in genereller Weite und Rockausstellung, Länge und Verschlussbreite. Reverkragen, Umlegekragen und Stehkragen. Zweiteiliger Ärmel …
Details…
CORSAGEN
CORSAGEN Basisschnittmuster in den Grundformen CORSAGE mit Cups, mit Brusthebe und offen sowie als BUSTIER und WASPIE. Verschiedene Längen und Abschüsse wie Schnebbe, Läppchen/Schößchen oder Strumpfhalter. Viele geeignete Varianten für Ober- und Unterbekleidung …
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BLUSEN
Das Basisschnittmuster DAMENBLUSE für passt! ermöglicht mit tausenden einstellbaren Varianten die Grundlage unterschiedlichster Blusenformen für jeden Anlass. Einstellbar sind: …
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T-SHIRT
Basisschnittmuster T-SHIRT für passt! nach Ihren persönlichen Maßen in hunderten Varianten aus kombinierbaren Passformen, Ausschnittformen, Ärmelformen, -weiten und –längen, Saumlängen …
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HERRENHEMD
Basisschnittmuster klassisches HERRENHEMD mit Schulterpasse. Variable Paßformen, Krägen, Ärmelweiten und -abschluss. In vielen Varianten auch für die Dame geeignet …
Details…
5-POCKET-JEANS
Basisschnittmuster 5-Pocket-JEANS für passt! nach Ihren persönlichen Maßen in zahlreichen kombinierbaren Varianten für Sie, Ihn und Es. Einstellbar sind …
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Die Rache der Totholzmedien

30. März 2015 1 Kommentar

Der Morgen am Tag vor der Urlaubsreise. George kopiert noch alles Notwendige aktuell aufs Notebook , um die schnittmustersuchenden SelberschneiderInnen auch von fernen Gefilden aus glücklich machen zu können.

Wie immer läuft nebenbei der Fernseher; Üblicherweise erste Nachrichten, dann Musiksender. Aber diesmal nicht hingeschaut, irgendeine Talkshow, angeregter, eigentlich zu lauter Wortwechsel. Trotz ganz anderer Dinge im Kopf dringt ein Begriff vom Lautsprecher über die Ohren zum scheinbar unterbewusst spontan interessierten Zerebrum: TOTHOLZMEDIEN.

Ein wunderbares Wort.

Beschreibt es doch auf Papier gedruckte Bücher (und anderes Schriftgut) in mehrfacher Hinsicht wortwörtlich wie zwischen den zahlreichen Buchstaben perfekt, hintergründig und interpretationswürdig mehrdeutig. Der Begriff nennt korrekt (oder prangert es gar an? Sehen Sie gerodeten Urwald vor Ihrem inneren Auge?) das Material für die zahlreichen Seiten der vierbändigen Trilogie und anderer Highlights der schriftlichen Formulierungskunst. Und ganz nebenbei assoziiert wird die aktuelle Veränderung in der Buchbranche, der möglicherweise angelaufene Niedergang massenhafter Printmedien zugunsten der elektronischen Verbreitung und Nutzung in Worte gefasster Ergüsse jeder Art.

Nicht zu vergessen der ganz eigene, morbide Charme des Ausdrucks, den wohl besonders Liebhaber langer Spaziergänge auf dem Wiener Zentralfriedhof mit- und nachempfinden können.

Ein Hoch jedenfalls auf den wohl unbekannten ursprünglichen Wort-Schöpfer. Eine kurze Recherche scheint die sporadische Nutzung vor allem in der Blogger-Szene (als propagandistisch formuliertes Feindbild?) ohne klare Quelle zu belegen.

Nur dass ja zwei Herzen schlagen in der Brust von George. Ist er doch trotz aller informationstechnischer Affinität auch ein Sammler – es zieren diverse laufende Meter vor allem mit Fachliteratur aus drei Jahrhunderten die Regale in Sichtweite des Schreibtischs. Und nach jedem Bücherflohmarkt oder dem Besuch einer neuen Stadt mit neuen Antiquariaten droht Zuwachs. So verhält sich sicher niemand, der diese „Totholzmedien“ im Innersten gering achtet.

Aber Schluss jetzt mit träumen – Notebook fertigmachen.

Mutter (80) kommt zum Vorurlaubsbesuch Mittag essen. Noch  angeregt  von den Überlegungen des Vormittags, begeht George den Fehler diesen inzwischen in seine persönlichen Top Ten der phantasieanregensten Wortschöpfungen aufgenommenen Begriff in die Konversation einzuführen: „Weißt – Lehmanns ist praktisch weg, Hugendubel hat geschlossen am Zoo – kaum jemand kauft noch Bücher im Laden. Und die elektronischen Bücher auf den Lesegeräten sind auch praktisch. Heute Morgen habe ich in passendes Wort für traditionelle Bücher gehört: Totholzmedien.“.

„Ein schreckliches Wort!“ sofort Mutter.

Eine Diskussion über das was Bücher ausmacht entsteht, von sehr konträren Standpunkten und Überlegungen geführt. Neigt doch Mutter nicht gerade zu Kompromissen oder gar übertriebener Toleranz gegenüber modernzeitgeistgetriebener Argumentation. So bringt es umso mehr Leben an den Mittagstisch, ein klein bisschen den Anwalt des Teufels zu mimen.

„Weshalb Papier in den Urlaub schleppen, wenn doch mein eBook-Reader zwei komplette Billy´s fasst – incl. Aufsatzregal. Reine Resourcen- und Platzverschwendung dieses Papierzeug!“  provoziert George.

„Ein Buch kann man riechen…“ antwortet Mutter.

„Ja stimmt – noch intensiver nach dem Urlaub am Strand und der nachfolgenden Einlagerung in einer Umzugskiste. „

„Ein Buch kann man umblättern…“

„Aber ist denn nicht der Inhalt das Ziel, die Zeilen des Autors, die unkomplizierte Zugänglichkeit der Informationen und Gedanken?“

„Ein Buch muss man umblättern können – basta!“ schließt Mutter die Diskussion. Genug Teufel, jedes weitere Wort würde die Stimmung für den bereits in der Küche wartenden Kuchen verderben.

Der Besuch ist trotz der in jeder Facette unvereinbaren Position zu Totholzmedien friedlich zu Ende gegangen mit smalltalkfähigeren Themen wie Wetter, Garten, Kinder und dem bevorstehenden Urlaub.

Wieder allein mit dem letzten Glas Rotwein, noch schnell etwas den Schreibtisch aufgeräumt für die morgen früh anstehende Reise.  Der Stapel Bücher, zusammengetragen zur Recherche über die Konstruktion unterschiedlicher Revers-Krägen, wartet auf seine Rückführung ins Regal.

„AUTSCH!!!“. Der Buchstapel gleitet zurück auf die Tischplatte, Blut tropft aufs Laminat. Ein langer Schnitt, messerscharf ausgeführt von der leicht vorstehenden Seite 78  des ringgebundenen Lehrwerks für Schnittmusterkonstruktion des Schweizerischen Modegewerbeverbands, verlangt nach sofortiger Versorgung mit einem Pflaster.

Die Rache der Totholzmedien.

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Sensation: Erste Fashion Doll der Geschichte!

12. April 2013 2 Kommentare
jórunn matschwiese fundort

Fundort

Im Jórunner Moor nördlich von Lübeck wurde bei Bauarbeiten für einen Besucherparkplatz, vergraben unter einem abgestorbenen Baum, eine kleine Eichenkiste entdeckt,  die wohl einen der bedeutensten archäologischen frühmittelalterlichen Funde dieser Region der letzten Jahrzehnte darstellt.

Bei der behutsamen Öffnung der auf das frühe 9. Jahrhundert datierten Kiste im Museum für Altnordische Geschichte auf Schloss Jórunn-Matschwiese offenbart sich Unerwartetes. Neben typischen Schmuckstücken aus baltischem Bernstein, Bronze und Gold findet sich der eigentliche Schatz: Eine vollständig erhaltene Puppe, bekleidet mit sauber gearbeiteten, zeitgenössischen Kleidungsstücken, einem Trägerkleid mit Unterkleid, die Fibeln symbolisiert durch kleine Silberknöpfe mit Hornrahmen, gegürtet mit einem schmalen Lederriemen. Den Kopf bedeckt ein gefaltetes und hinten geknotetes quadratisches Leinentuch aus dem Material des Unterkleides. Die Puppe selbst, zweifelsfrei weiblichen Geschlechts, besteht aus graubraunem Leinen, gefüllt mit Stoffresten und Gänsedaunen, durch geschicktes Stopfen an den Gelenken beweglich gehalten. Größe und Proportionen erinnern stark an die heutigen BJDs oder Modepuppen.

jórunn matschwiese puppe

Puppe

Möglich wurde die extrem lange, fast unbeschädigte Erhaltung dieser leicht kompostierbaren textilen Sensation durch den sauerstoff- und organismenfreien Abschluss in der kleinen, aber massiven Eichenkiste ein gutstück vergraben im Moor. Mit großem Glück wurde das äußerlich eher unscheinbare Objekt bei den Baggerarbeiten von Planierraupenführer Leo T. erspäht: „Zuerst dachte ich mir: Wer versteckt da wohl eine Zigarrenkiste im Naturschutzgebiet?“.

Liebevoll von den Experten restauriert, ihr Alter von 1200 Jahren nur noch Experten offenbarend, kann diese erste Fashion Doll der Geschichte jetzt ab 01. April 2013 besichtigt werden in dem speziell neu hergerichteten zentralen Präsentationsraum des Schlosses. In der begleitenden Sonderausstellung „Matsch und Mode – Kindererziehung in der Wikinger-Zeit“ erfahren Sie darüber hinaus bis 26. Juli 2013 viel Wissenswertes über die Kultur dieser Zeit und Details zur Ausgrabung und Restauration dieses bemerkenswerten Fundes.

jórunn matschwiese kleidung

Puppe in Kleidung

Einen Besuch absolut wert!

PS: Dieser Text steht unter „Geschichten“, nicht unter „Artikel“ oder „Orte“, niedergeschrieben am ersten Tag des Monats April.

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„Irgendwie krank!“…

12. März 2013 1 Kommentar

…war der erste, spontane Kommentar George´s Tochter bei der Diskussion über das bevorstehende Fotoshooting für den Start der Fashion Doll Fashion Plattform DOLLFORCE.

War doch der Autor letztens ganz harmlos und blaugrauäugig beim Umschauen, wo denn selbergeschneidert wird auf dieser Welt auf einige amerikanische Fashion Doll Magazines gestoßen. Weshalb nicht einmal einige interessante Schnittmuster für Modepuppen herausbringen?

Dass kleine Mädchen mit Puppen spielen, wird kulturell weitgehend akzeptiert. „… zur Prägung und Vorbereitung auf die spätere gesellschaftliche Position und Rolle…“, wie früher einmal analysiert wurde.

Der Zielleser dieser Magazine ist aber sicher kein Kind. Der Spruch über japanische Kleinwagen aus den 1970ern stimmt hier nur zur Hälfte: „Für Erwachsene zu klein, für Kinder zu teuer“. Eine große Zahl gestandener, ganz normaler (später hierzu mehr) Erwachsener frönen dem Hobby des Sammelns und der Gestaltung von Modepuppen.

„Ich kenne niemanden, der sich mit Puppen beschäftigt.“, argumentiert George´s Tochter. Stimmt. Warum eigentlich bei den beachtlichen Auflagen dieser Magazine? Aber kennen Sie jemanden, der Jungle Camp schaut oder BZ liest? Wer etwas recherchiert, kommt schon den Communities aber schnell auf die Spur.

Was treibt die Frau oder (seltener wohl) den Mann von heute dazu, als Hobby Puppen zu sammeln? An diesem Punkt kommt die Tochter-Vater-Diskussion nicht recht voran. Vieles kann man mutmaßen, unterstellen, mit in den Zeitschriften erspähten Indizien zu belegen versuchen – nur ist George wohl eher Nerd als Sigmund II. und Töchterchen hätte ihre Abschlussarbeit statt über Mental Economics  besser schreiben sollen über „The Psychology of Fashion doll collectors“.

Keinesfalls scheinen George sittlich stärker bedenkliche Motivationen bei der Beschäftigung mit den Puppen vorzuliegen, was aber sehr kontrovers diskutiert wird. Am ehesten vielleicht Kunst? Mit Malerei oder Fotographie oder (einigen) MTV Videos vergleichbar?

Wieviel Traurige Augen und Schmollmund ist normal? Wie viel Nacktheit und welche Pose ist erlaubt? Was trägt die modebewusste Puppe von heute? Ist ein Unterschied zu machen in der Bewertung eines abgebildeten Menschen und einer Puppe in einem Gothik-Magazin? Ist das Fesseln mit roten oder blauen Seilen angemessener? Und so weiter.

George´s Tochter jedenfalls konnte sich schlussendlich für ihr Weltbild wie Seelenwohl mit folgender Erkenntnis beruhigen: „Ach George, ich habe kein Problem damit, dass Du Dich mit dem Fashion Doll Thema beschäftigst. Du hast ja nur den kapitalistischen Aspekt des Umsatzwachstums in diesem Nischenmarkt im Auge.“. Gut so.

George selbst aber hat jetzt vermutlich Angst vor einem Outing. Niemals dürfte jemand erfahren, wenn er die kleinen Plastikfiguren mit den leuchtenden großen Augen und den liebevoll gestalteten Gewändern ins Herz geschlossen hätte…

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MATT(L)ANGEL?

4. Januar 2013 1 Kommentar

MATT (L) ANGEL?
oder
Die kulturelle Barriere zwischen BJD und Fashion Doll

Der Autor ist derzeit bei Recherchen zur Vorbereitung eines Schnittmuster-Projektes für Fashion Dolls.

Für das Schneidern von Musterstücken werden „Models“ der verschiedenen gängigen Puppengrößen benötigt, also fleißig Marktbeobachtung und gezieltes eBay-Shopping. Nicht ganz trivial: Wenn zugunsten von Versandzeiten und Zollformalitäten europäische Angebote bevorzugt werden, ist das Angebot und die Anbieterzahl übersichtlich und Auktionspreise der Puppen steigen locker einmal deutlich über den Neuwert. Aber von je etwa 10 Puppen – in der letzten Minute nur bis zum eisern eingehaltenen Limit beboten – wird eine Puppe günstig erhascht. So wächst in den Wochen der Vorweihnachtszeit die Sammlung der BJDs und Fashion Dolls für den Start der Modelinie im Frühjahr.

Großes Glück, eine der limitierten RanD ANGEL von R&D Taiwan recht günstig zu ersteigern, wohl da im Angebotstext nicht das instantly teure  „BJD MSD“ erwähnt wurde sondern die erheblich preiswertere Formulierung „Puppe in Tonner-Größe“. 16 Zoll sei Dank!

Mann ist schwer zu bekommen: Ohne zu große Verzögerung benötigten die vielen, anfangs wohl übermotiviert bebotenen Fashion Doll Tonner Tyler 16“ Damen der unterschiedlichsten Haarkolorationen einen Partner. Nach vielen Gebots-Niederlagen dann Erfolg bei einem Tonner MATT, slightly überbezahlt, aber supernetter Kontakt zur Verkäuferin und – was soll‘s.

Jetzt liegen Tonner Matt und R&D Angel zusammen in der Kiste. [Anm. d. Autors: Er sammelt seine neuen Models im Moment noch in einer Kiste gestapelt, inventarisiert und vermessen, bevor sie dann neu eingekleidet nach dem Fotoshooting einen angemessenen Platz in der Show-Vitrine einnehmen werden…]

Schon bei der Vermessung fiel auf, dass Matt und Angel ein hübsches Paar abgeben würden. Bei den ersten Fotos steht Matt noch brav hinten neben seiner zugeordneten Tyler, während Angel sich frech in der Mitte der ersten Reihe positioniert. Aber später zurück in der Kiste liegen die Beiden plötzlich nebeneinander…

Matt und Angel werden es nicht leicht haben. Scheinen doch viele Widerstände die dauerhafte Zweisamkeit zu bedrohen:

Naheliegend (wortwörtlich) und verständlich: Wird Tyler im Karton schräg darunter wohl eifersüchtig sein?

Fashion Doll und BJD. Werden die kulturellen Barrieren der in fast sämtlichen demographischen Aspekten gegensätzlichen Klientel dieser beiden Sammler-Gemeinden die aufkeimende Liebe zermürben? [Anm. d. Autors: Wer mag, absolut spannend, beispielsweise in Facebook-Auftritten die Menschen, die Aussagen, die Dolls, das Umfeld bei Tonner-Veranstaltungen mit z.B. einer Anime Convention zu vergleichen!]

Und nicht zuletzt die Beiden selbst. Angloamerikanisch coole Übereleganz trifft fernöstlich geformte Naughtiness. Während Matt oft etwas steif rüberkommt, ist Angel aufgrund ihrer losen Joins tendentiell überaktiv. Wird der künftige Alltag der Models mit der branchenüblichen Bissigkeit im Wettbewerb um Gelenkezahl, Positionierbarkeit, Hautverfärbungen und Google-Erfolg Einfluss haben auf die gemeinsame Arbeit oder die Freizeit in der Kiste?

Und ja noch eine vierte, existentielle Bedrohung: Wird der Autor Matt oder Angel vielleicht wieder verkaufen und das Paar so brutal auseinanderreißen? [Anm. d. Autors: niemals! – versprochen.]

Werden Matt und Angel ihr gemeinsames Glück finden?

Time in der Kiste will tell.

Oder wie ist Ihre Meinung?

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