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MATROSENKRAGEN

Was haben Donald und Miss Moon gemeinsam? Klar! Den Modegeschmack. Beide tragen bei öffentlichen Auftritten stets Matrosenkragen.

Der Matrosenkragen in seiner typischen hinten recht langen, rechteckigen Form oft mit aufgesetzten Streifen am robusten oder auch feinen  Shirt fand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei europäischen (wohl zuerst deutschen und britischen) Marineuniformen Verbreitung. Geschichten über den Sinn dieser Kragenform sind da viele: Evolutionäre Entwicklung aus einem Halstuch, besonderer Regenschutz, Schutz gegen Verschmutzung durch lange, umwickelte Zöpfe, Streifen als Rangabzeichen oder als Kerben gewonnener Schlachten, einfache Form für nähungeübte Männerhände, …  – alles Teile der Wahrheit oder Seemannsgarn.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts fand der Matrosenkragen den Weg aus der militärischen Kleidungsordnung in den Fashion Mainstream. Besonders Kinderkleidung mit Matrosenkragen war für Jungen (am Hemd, meist mit kurzen Hosen) wie für Mädchen (meist am Kleid oder an der Bluse mit Rock) ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis weit in das 20. Jahrhundert hinein sehr verbreitet.

Traditionell wird der Matrosenkragen von einem (schwarzen) gebundenen Tuch zusammen gehalten. In moderneren Zusammenstellungen sieht man häufig Schleifen (bei den Mädchen) oder Krawatten.

Die vorherrschenden Farben der Seemannskleidung, meist aus Baumwolle oder Leinen, waren dunkelblau und weiß, möglich auch kombiniert mit grau und rot.

In der Mode wurde das Uniformvorbild diesbezüglich – besonders in der Kindermode –  im Wesentlichen übernommen. Bei der Damenmode durfte das Stilelement Matrosenkragen freier interpretiert werden: angepasste Formen, Pasteltöne oder edles Material wie Seide oder Spitze waren erlaubt.

Beide – Matrose wie Mode – kamen herum in der Welt.

Ob nach Vorbild der Seemänner oder der vorherrschenden westlichen Kindermode oder beidem, initiiert durch westlich-aufgeschlossen-moderne ErzieherInnen: Der Marine-Look mit Matrosenkragen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Vorlage von Schuluniformen, am bekanntesten wohl in Japan, da bis heute erhalten und in Mangas millionenfach abgebildet.

In den Schuluniformen wurden über die Jahre Materialien wie Farben oder Ergänzung mit anderen Kleidungsstücken (oft ein Blazer) der Matrosenstil weiterentwickelt. Es wurde teilweise bunter und kariert-gemusterter, weiter bestimmt aber dunkelblau und weiß das Bild.

Die japanische Mädchen-Schuluniform – Bluse mit Matrosenkragen und kurzer Faltenrock – ist durch die alltägliche Verbreitung auch die natürliche, typische Kleidung vieler Teenie-Heldinnen in asiatischen Comics und Zeichentrickfilmen. Über Mangas und Anime-Fernsehserien findet dieser Look wieder zurück rund um die Welt: Wer heute zu den Cosplay-Fans zählt (siehe vorhergehender Blog-Artikel), kommt am Matrosenkragen kaum vorbei.

Fest verbunden ist der Matrosenkragen sowohl mit dem ewig junggeblieben-chaotischen US-Bürger mit dem gelben Schnabel wie auch mit dem langzöpfigen japanischen Wunderschulmädchen. Das Modedetail Matrosenkragen vereint so denkbar westlichste und östlichste Kulturen.

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
MATROSENKRAGEN (Gratis-Schnittmuster)
Basisschnittmuster MATROSENKRAGEN in vielen klassischen und modernen Varianten. Kragenform, Ausschnittform, Länge und Breite des Kragens sind einstellbar. Ansetzbar an viele Schnittmuster von Oberteilen …
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Schnittmuster für COSPLAY

3. Juli 2015 1 Kommentar

George sitzt in der Lounge mit Blick von der Reede vor Road Town, auf den Knien das Notebook zur Durchsicht der Mails. „Der wohl coolste Arbeitsplatz wo gibt“, denkt er bei sich.

Neben dem ganz normalen Tagesgeschäft eine spannende Mail: Eine Claud fragt nach Schnittmustern: „Ich schreibe aufgrund einer Sponsoring Anfrage des deutschen European Cosplay Gathering Teams 2015. Wir haben uns auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahres beim deutschen Vorentscheid für das European Cosplay Gathering qualifiziert und werden Anfang Juli zur Japan Expo nach Paris reisen, um dort Deutschland in einem europaweitem Kostüm-Wettbewerb zu vertreten. Hierbei geht es darum mit einem Kostüm zu überzeugen, bei dem eine gewählte Vorlage so genau wie möglich umgesetzt wird, und dieses dann in Form eines kurzen Theater-Sketches auf einer Bühne zu präsentieren.“

Da George die Kreativität und besondere Affinität zum Selberschneidern der Cosplay-Szene sowohl bei seinen Besuchen auf der Leipziger Buchmesse wie auch auf einer Cosplay-/-BJD-Convention in Berlin bewundert hat, wurden die benötigten Schnittmuster gern bereit gestellt.

Aus dem folgenden Mailverkehr:

George: „Was ist eigentlich Cosplay?“

Claud: „Cosplay ist das Hobby sich als seine Lieblingsfigur egal aus welchen Medien zu verkleiden, mit selbst genähten und gebastelten Kostümen und das nicht nur zur Karneval oder Halloween Saison sondern das ganze Jahr über.“

George: „Und dazu wird gern genäht…“

Claud: „Cosplay ist, wie kein zweites, vergleichbares Hobby in Deutschland, eine riesige neue Subkultur, die sich die Freude des Nähens angeeignet und wieder salonfähig gemacht hat.“

George: „Nach welchen Kriterien sucht Ihr die Schnittmuster aus?“

Claud: „Wir verwenden die Schnittmuster immer je nachdem ob sie zur Vorlage passen, dabei benutzen wir sie meistens für Cosplay und ändern sie dann entsprechend der Vorlage ab, aber auch für Eigendesigns, bei denen man ja freier ist, sind sie sehr praktisch, da hier dann die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten zusätzlich inspirierend sind, und auch für LARP (z.B. Harry Potter, dort hat man ja als feste Vorlage die Mäntel aus den Filmen. Bei Fantasy LARPs ist man wieder freier, da man hier zwar je nach Setting auf eine bestimmte Epoche festgelegt ist, aber dennoch die genauen Schnitte freier wählen kann).“

Claud: „Viele Cosplays bestehen aus einer Schuluniform, meistens aus einem Faltenrock, einem Oberteil mit Matrosenkragen und einem Blazer.“

Claud: „Ein kleiner Trick von uns: Da wir auch männliche Charaktere cosplayen haben wir uns mit unseren Maßen zweimal im Programm eingetragen, einmal als weiblich und einmal als männlich, das berechnet dann die Schnitte authentischer.“

George: „Und welche Schnittmuster nutzt Ihr aktuell?“

Claud: „Für die Japan Expo in Paris speziell arbeiten wir mit folgenden Schnittmuster für unsere Finalkostüme: MANTEL, CORSAGE, BLUSE, T-SHIRT, HERRENHEMD, JEANS. Und bei den Kostümen des Vorentscheid – also die mit denen wir uns den Platz im Finale ergattert haben: Dort haben wir auch einen Schnitt verwendet, nämlich den T-SHIRT-Schnitt mit dem wir die Weste und die Ärmel gemacht haben.“

George: „Danke für die interessanten Einblicke, Claud. Und viel Erfolg in Paris!“

Claud (schon auf dem Sprung): „Danke noch einmal für die Unterstützung, die Schnitte helfen wirklich ungemein Zeit zu sparen. Wir sind etwas unter Zeitdruck mit den Kostümen für Frankreich. Eine typische Cosplayerkrankheit :D“

Weg war sie, auf nach Paris. Aber das Problem der Knappheit an Zeit haben nun wirklich nicht nur die Cosplayer gepachtet. Wohl eher eine Eigenschaft engagierter ZeitgenossInnen jeder Branche. Deshalb ergänzend besserwisserisch mit auf den Weg:

George: „Wie erging es Ihnen seinerzeit mit Ihren Projekten?“

Mark Twain: Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von Claud von den Rainbow Riders. Fotos der fertigen Modelle folgen nach Abschluss der Japan Expo.

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
MANTEL
Basisschnittmuster MANTEL. Variabel in genereller Weite und Rockausstellung, Länge und Verschlussbreite. Reverkragen, Umlegekragen und Stehkragen. Zweiteiliger Ärmel …
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CORSAGEN
CORSAGEN Basisschnittmuster in den Grundformen CORSAGE mit Cups, mit Brusthebe und offen sowie als BUSTIER und WASPIE. Verschiedene Längen und Abschüsse wie Schnebbe, Läppchen/Schößchen oder Strumpfhalter. Viele geeignete Varianten für Ober- und Unterbekleidung …
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BLUSEN
Das Basisschnittmuster DAMENBLUSE für passt! ermöglicht mit tausenden einstellbaren Varianten die Grundlage unterschiedlichster Blusenformen für jeden Anlass. Einstellbar sind: …
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T-SHIRT
Basisschnittmuster T-SHIRT für passt! nach Ihren persönlichen Maßen in hunderten Varianten aus kombinierbaren Passformen, Ausschnittformen, Ärmelformen, -weiten und –längen, Saumlängen …
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HERRENHEMD
Basisschnittmuster klassisches HERRENHEMD mit Schulterpasse. Variable Paßformen, Krägen, Ärmelweiten und -abschluss. In vielen Varianten auch für die Dame geeignet …
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5-POCKET-JEANS
Basisschnittmuster 5-Pocket-JEANS für passt! nach Ihren persönlichen Maßen in zahlreichen kombinierbaren Varianten für Sie, Ihn und Es. Einstellbar sind …
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SAKKO Formenkunde

21. Mai 2015 2 Kommentare

Inzwischen bewährte Praxis, im Rahmen neuer, komplexerer Schnittmuster-Projekte auch etwas Hintergrundinformation zusammenzutragen:

Das SAKKO

Das Kleidungsstück „Sakko“  umfasst bestimmte Ausprägungen  einer Jacke.

Typisch ist das Sakko die formal recht festgelegte, meist etwa hüftlange Jackenform für einen Herrenanzug (Hose in gleichem Material gefertigt) oder einer Herren-Kombination (Hose aus anderem, teilweise auch legeren Material). Aber auch für Damen ist dieses Kleidungsstück – oft als Teil eines Hosenanzugs oder mit etwa knielangem Bleistiftrock  – sehr elegant im Businessbereich anzutreffen.

Das Sakko hat sich im Laufe der letzten 200 Jahre aus dem Gehrock entwickelt, der bereits in den Jahrhunderten davor in den jeweilig zeitgemäßen Modevarianten eine typische Jackenform für Männer darstellte. Der Gehrock war schnitttechnisch in Taillen-Höhe geteilt aus einem oberen Jackenteil und einem unteren – oft ausgestellten – Rockteil gearbeitet. Das Sakko dagegen ist einteilig geschnitten, in der Regel durch einen Taillenabnäher geformt.

Kaum ein anderes Alltagskleidungsstück ist heutzutage so formal definiert  wie das Sakko. Gesprochen wird über  Anzahl der Knöpfe und Knopfreihen, wenige Reversformen, bestimmte Materialien und Farben, einige andere Details, aber meist steht aufgrund der vorgesehenen Nutzung eigentlich schon alles fest.  Dies soll aber die geübte SelberschneiderIn nicht hindern, aus traditionellen Schnittformen individuelle Kunstwerke zu fertigen. Passend zu den formalen Formen des Sakkos besteht eine Reihe von unterschiedlichen formalen Verhaltensweisen beim Tragen dieses Kleidungsstücks. Wir sind aber hier SelberschneiderInnen-Blog und nicht Benimm-Lexikon…

Viele andere Bezeichnungen beschreiben entweder das gleiche Kleidungsstück in verschiedenen deutschsprachigen Regionen, oder ganz bestimmte Varianten für traditionell bestimmte Anlässe.

Häufig zu finden sind die Bezeichnungen Jackett, Blazer, Smoking, Tuxedo ,  Frack, Cutaway,  Veston , Janker oder Joppe.

Knöpfe / Knopfleiste

Generell unterschieden werden Sakkos mit einer oder zwei Knopfreihen. Gängig im Alltag und im Büro sind einreihige Sakkos. Noch formaler aber auch eleganter, meist auf bestimmte Anlässe beschränkt, Uniform-artiger wirkend sind Zweireiher.

Meist besteht jede Knopfreihe aus zwei oder drei Knöpfen. Ein einzelner Knopf ist typisch an festlicher Abendgarderobe zu finden. Vier Knöpfe sind seltener. Viele Knöpfe sind vor allem an traditionellen Trachtenmodellen zu finden.

Der Ärmel mit einem Schlitz an der hinteren Naht ist typischerweise mit vier kleineren, funktional unnotwendigen  Knöpfen geschlossen. Hier ist eine offene Ausführung mit richtigen Knopflöchern Indiz für ein Maßmodell – Stangenware ist hier meist nur mit Fake-Knopfleiste ausgestattet.

Revers

Das Revers ist der lang vom Hals bis zur Knopfleiste heruntergezogene, aus einem breiten inneren Beleg heraus umgeschlagene Kragen des Sakkos.

Meist ist das Revers schnitttechnisch vorn geteilt in einen angeschnittenen Teil und ein extra Kragenteil, wobei durch die Schnittform offene Spitzen am Revers entstehen, die nach unten zeigen können (fallende Fasson) oder nach oben (steigende Fasson). Möglich ist aber auch ein komplett am Vorderteil / Beleg angeschnittener Schalkragen, z.B. beim Smoking.

Abstich

Als Abstich bezeichnet wird der Verlauf / die Form von der Knopfleiste bis zum Saum.

Typisch beim Sakko ist hier ein geschwungener, runder Verlauf zu finden. Besonders bei zweireihigen Modellen ist der Abstich eckig.  Einen außergewöhnlichen Abstich zeigt der Cutaway (kurz „Cut“, ähnlich dem „Stresemann“) , bei dem der runde Verlauf bis in den Rücken hinein reicht. Und da ist natürlich der Frack, bei dem der Abstich nach einem kurzen, taillenhohen Verlauf vorn steil zu einem recht langen, spitzen Rückenteil zuläuft („Pinguin“).

Schlitze

Im Rücken der meisten Sakko-Formen sind Schlitze eingearbeitet, die die Bewegungsfreiheit (ursprünglich vor allem beim Reiten) verbessern.

Meist ist entweder ein zentraler Schlitz in der hinteren Mittelnaht gearbeitet, oder zwei seitlichere Schlitze in der Naht zwischen Rücken- und Seitenteil.

Taschen

Traditionell besitzen Sakkos drei äußere Taschen: zwei große, vorn/seitliche Hüfttaschen und eine oben offene kleine Tasche im linken Brustbereich, die gern für ein sorgfältigst drappiert eingestecktes Tuch verwendet wird.

Die Hüfttaschen sind oft innenliegend gearbeitet und mit einer abgerundeten Taschenklappe verschlossen (Patten-Tasche), können aber auch aufgesetzt sein mit und ohne Klappe, oder auch offen durch einen Schlitz oder eine Paspel erreichbar.

Seltener zu finden sind weitere, formal  definierte Zusatztaschen im vorderen Hüftbereich, z.B. Billet-Taschen oder Uhren-Taschen.

Futter

Sakkos sind meist komplett gefüttert. Lediglich sehr legere Modelle (z.B. aus Jeans-Stoff) sind ohne Futter und zeigen damit innen die Verarbeitung. Im Futter sind üblicherweise mehrere Innentaschen eingearbeitet.

Material

Das Sakko erscheint oft in schwarzen, dunkelgrauen oder dunkelblauen Wollstoffen, nicht oder nur dezent (z.B. mit schmalen, unaufdringlichen Nadelstreifen) gemustert. Den Damen vorbehalten sind für die meisten Anlässe kräftigere gewebte Muster bis hin zu Designer-Wollstoffen (1. Reihe der Materialbilder).

Wer es spannender mag, fertigt sein Sakko aus alternativen, dennoch sehr geeigneten Materialien:  Seide in uni oder gemustert (2.Reihe, Bild 1+2), Baumwoll-/Jeans-Stoffe (2.Reihe, Bild 3+4) oder warum nicht auch aus Kunstpelz, der kuschelig am umgeschlagenen Revers das innere Kunstwildleder umspielt (2. Reihe Bild 5).

Auch beim Futter die Entscheidung: Traditionell schlicht schwarz/grau oder – in den letzten Jahren auch im Handel häufiger anzutreffen – Futter mit Mut zur Farbe (3.Reihe).


Das Schnittmuster

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen zu diesem Artikel Maß-Schnittmuster bereit.
SAKKO
Variantenreiches PASST! Basisschnittmuster für Damen- und Herren-SAKKOs mit verschiedenen Grundformen geeignet beispielsweise auch für Jackett, Blazer, Smoking, Cut, Stresemann, Frack  …
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BODYSUIT Formenkunde

29. Januar 2015 1 Kommentar

George bekommt eine Mail von einer Stammkundin der ersten Stunde: Sie hätte doch vor einigen Monaten bereits einmal angefragt, sie bräuchte ihn jetzt für ein Karnevalsprojekt wieder, den einteiligen, anliegenden Ganzkörperanzug, wie denn die Chancen stünden.

Nun gibt es ja den Ablage-Ordner für Schnittmuster Kundenwünsche. Er füllt sich ungefähr fünfmal schneller als er abgearbeitet werden kann. Viele gute Ideen sind dabei. Dennoch kamen spontan Erinnerungen auf an zahlreiche Anfragen seit Jahren nach etwa so etwas – tatsächlich wird scheinbar in vielen unterschiedlichen, immer irgendwie spannenden Anwendungsfällen ein solches Kleidungsstück benötigt.

Spontane Entscheidung und Rückmeldung an die Kundin: Wird unverzüglich realisiert.

Die übliche folgende Recherche – für welche Anwendungen sollen welche Varianten, welche Grundkonstruktionen realisiert werden? Welche Musterstücke könnten entstehen? – enthüllt auf Basis der bereits bekannten InteressentInnen-Anfragen unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten abseits des Alltäglichen.

Teils nach Kleidungsform, teils nach „Erfinder“, nach Material oder Anwendung existieren eine Vielzahl von Bezeichnungen für einen Ganzkörperanzug (mit Garantie auf Unvollständigkeit – wer ergänzt?):

BODYSUIT

Die Bezeichnung BODYSUIT ist wohl der allgemeinste, umfassendste Begriff für ein einteiliges, meist anliegendes Kleidungsstück, das einen nennenswerten Teil des Körpers verhüllt. Immer enthalten ist der Rumpf bis in den Schritt, alternativ können Arme / Hände, Beine / Füße und Hals(ausschnitt) / Kopf integriert sein.  Alle anderen Bezeichnungen sind eher spezielle Ausprägungen dieses Grundbegriffs.

Genutzt wird ein solches Kleidungsstück in den unterschiedlichsten Bereichen: Durch seine anliegende, die Bewegung nicht behindernde Form ist der Bodysuit in vielen Sportarten typisch, beispielsweise beim Turnen oder Ringen.

Bei vielen „schnellen“ Sportarten kommt der geringe Windwiederstand des anliegenden Bodysuits zum Tragen, z.B. beim Fahrrad-Rennsport , und George erinnert sich an sein Eisschnelllauf-Vergangenheit.

Neben der Bewegungsfreiheit ist die Körpernähe an sich oft eine optisch erwünschte Eigenschaft. Dies spielt in ästhetisch orientierten Sportarten eine Rolle, beim Ballett / Tanz und Theater und vielen anderen Veranstaltungen wie z.B. im Karneval.

Ebenfalls genutzt wird die Körpernähe in verschiedenen Spielarten sexuell motivierter Nutzung. Diese Interessen werden durch spezielle Materialien, beispielsweise Latex, Spandex  oder transparentes / Netz-Material unterstützt.

Ein weiterer spezieller Einsatzfall der Ganzkörperverhüllung ist die Möglichkeit, sich technisch in der optischen Wahrnehmung „verschwinden“ zu lassen. Die sehr verbreitete Methode, eine Farbe bei einer Filmaufnahme nachträglich durch ein beliebiges anderes Bild zu ersetzen, kann damit auch auf Personen angewendet werden. Und ein mattschwarzer Bodysuit vor mattschwarzem Vorhang konzentriert die Aufmerksamkeit auf die Puppe und nicht auf den Puppenspieler.

Und schlussendlich muss nicht jeder Bodysuit anliegend ausgeführt sein.  Zumindest zwei Anwendungsfälle nutzen die Ganzkörperverhüllung in weiter Variante: Der Strampler für Babies und der Fursuit für Furies (hierzu später mehr).

Gerade beim Selberschneidern im Auge zu behalten ist die geplante Methode, dieses Kleidungsstück an- und ausziehen, oder es sogar den ganzen Tag tragen zu können. Sehr elastische Ausführungen lassen sich ggf. durch einen weiteren Halsausschnitt verlassen. Ansonsten sind je nach gewünschter Variante Verschlüsse einzuplanen: Bei beinlosen Modellen oft Druckknöpfe im Schritt, sonst wohl kürzere oder längere Reißverschlüsse vorn oder hinten. Auch ein Tropfenverschluss ist vielfach möglich.

Kreativen Erweiterungen / Ergänzungen des Bodysuits sind kaum Grenzen gesetzt. Oft zu sehen sind angenähte Röcke unterschiedlichsten Längen und Formen – vom Tutu beim Ballett bis zum bodenlangen, hochgeschlitzten Paillettenmodell als Abendrobe.

 LEOTARD / UNITARD

Der LEOTARD ist benannt nach dem französischen Artisten Jules Léotard, der im 19. Jahrhunderts einen beinlosen Bodysuit bei seinen Auftritten trug. Diese Form hat sich als typischer Turnanzug durchgesetzt, ergänzt durch Strumpfhosen oder Leggings.

Später wurde vom Leotard abgeleitet der UNITARD benannt, der über ein angeschnittenes Hosenteil verfügt.

 RINGER-TRIKOT

Das RINGER-TRIKOT ist eine spezielle Ausprägung des Bodysuits mit angeschnittener, kurzer Hose.  Der enge, glatte Körpersitz garantiert dem Ringer Bewegungsfreiheit und wenig Angriffsfläche zum Festhalten durch den Gegner. Regeln in der Sportart definieren das genaue Aussehen.

SPANDEX

SPANDEX ist die asiatische Bezeichnung für ein besonders bi-elastisches Synthetikmaterial, das sich generell hervorragend zur Herstellung von Bodysuits unterschiedlichster Form eignet. Oft werden aber auch die Kleidungsstücke selbst unter diesem Namen angeboten.

Speziell wird die Bezeichnung Spandex auf für Komplett-Ganzkörperanzüge incl. Kopf, Händen und Füßen verwendet.

 CATSUIT

Der CATSUIT Ist ein eng anliegender Bodysuit mit angeschnittenen langen Beinen und meist langen Ärmeln, mit Halsausschnitt oder Kappe. Verwendet werden elastische Materialien. Unter dieser Bezeichnung werden praktisch ausschließlich Damen-Modelle angeboten.

 TAUCHERANZUG

Auch der TAUCHERANZUG ist letztendlich ein Bodysuit – vom Grundschnitt (angeschnittene meist lange Beine, oft lange Ärmel, Halsausschnitt oder angeschnittene Kappe) einem Catsuit vergleichbar.

 BODYSTOCKINGS

BODYSTOCKINGS sind ein meist aus transparentem / Netz-Material hergestellter, oft ärmelloser Damen-Bodysuit  mit langen Beinen und angeschnittenen Füßen.

 ZENTAI

Ein ZENTAI (japanisch, übersetzt Ganzkörper-Strumpfhose) Ist ein Ganzkörperanzug, der neben dem Rumpf, Armen und Beinen auch Füße, Hände und Kopf bedeckt. Bei den meist dünnen, sehr elastischen Geweben ist die Atmung durch das Material möglich (Achtung! für SelberschneiderInnen solcher Kleidungsstücke) .

Genutzt werden die komplett verdeckenden Bodysuits im künstlerischen Bereich zur Konzentration auf Rolle und Bewegung weg von der darstellenden Person, im Film für die Bluescreen Technik (s. folgenden Begriff).

Generell führt das Tragen des Zentai zu einer weitgehenden Nicht-Erkennbarkeit, zu einer Neutralisierung der Persönlichkeit des Trägers / der Trägerin. Diese Eigenschaft verhilft dem Zentai zu einer Nutzung bei fetischistischen  Aktivitäten.

 BLUESCREEN SUIT

Der Zentai (s. dort) wird in der Filmbranche auch als BLUESCREEN SUIT bezeichnet. Genutzt wird die Eigenschaft, im Film eine definierte Farbe durch eine andere, beliebige Darstellung ersetzen zu können. Dies kann den Träger eines Bluescreen Suits im Film komplett verschwinden lassen, oder auch (mit weiteren technischen Tricks) durch eine andere Darstellung (z.B. einen Affen, einen Alien) ersetzen.

 STAMPLER

Einem den vorgehenden Begriffen völlig anderem Einsatzfall dient der STRAMPLER. Der Strampler ist ein Ganzkörperanzug, meist sehr weit geschnitten aus kuscheligem Material, mit langen Beinen, oft mit Füßen, manchmal mit Kappe/Kapuze, für Babies.

Gar nicht so selten wird der Strampler aber auch in Erwachsenen-Größe als Hausanzug oder als Faschingsverkleidung genäht – Material, Muster und Zubehör entscheidet.

 FURSUIT

Ein FURSUIT (Pelzanzug) ist ein Ganzkörper-Anzug in Tierform. Verhüllt wird der gesamte Körper incl. Händen, Füßen und Kopf. Für die Herstellung der gewünschten Tierform ist eine individuelle Modifikation des Grundschnittes speziell für die Kopfform des Ziel-Tieres und der Tatzen/Klauen/… erforderlich. Eine zusätzliche, entsprechend gepolsterte, teilweise als Futter eingearbeitete Unterbekleidung perfektioniert den Eindruck des Trägers.

Fursuits werden auf Faschingsveranstaltungen, für die Werbung oder als Maskottchen bei z.B. Sportveranstaltungen getragen.

Daneben gibt es eine weltweit anzutreffende Interessengruppe der Fury Fans (auch als Fursuiter, Furries, Furs bezeichnet), die sich aus Selbstzweck gern in Tierkostümen kleiden und sich auf speziellen Veranstaltungen treffen und austauschen.


Das Schnittmuster zum Blog-Artikel:

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen zu diesem Artikel Maß-Schnittmuster zum selberschneidern bereit.
BODYSUIT
BODYSUIT ist wohl der allgemeinste, umfassendste Begriff für ein einteiliges, meist anliegendes Kleidungsstück, das einen nennenswerten Teil des Körpers verhüllt. Immer enthalten ist der Rumpf bis in den Schritt, …
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KRAMPUS

 

Die ostalpenländische Gestalt des KRAMPUS begleitet den Nikolaus auf seinen Besuchen bei den Kindern. Während der Heilige Nikolaus brave Kinder beschenkt, bestraft der grimmige Krampus unartigen Nachwuchs.

Die tierähnliche, auf historischen Abbildungen oft mit Hufen dargestellte Figur des Krampus hat seinen Ursprung wohl in der vor Zeit vor der Christianisierung des Nordost-Alpenraums und wurde in folgenden Jahrhunderten mit der Tradition des Heiligen Nikolaus verbunden.

Die traditionelle Bekleidung des Krampus besteht aus Ganzkörper-Fell, oft aus praktischen Gründen mit einer Fellhose und einem längeren Fell-Oberteil umgesetzt. Krampus hat einen langen Fellschwanz mit Quaste. Der Kopf ist mit einer Haube oder einer Maske verhüllt. Wichtig sind Hörner und allgemein möglichst gruseliges Aussehen. Freibleibende Gesichtsteile werden entsprechend geschminkt. Eine lang bis zur Brust heraushängende, rote Zunge ist häufig zu sehen.  Auf dem Rücken trägt der Krampus oft ein großes Behältnis oder einen Sack, mitgeführt wird eine Rute.

Krampus-Darstellungen auf alten Postkarten

Das Verhalten des Krampus ist erheblich ruppiger als das des in anderen Regionen anzutreffenden Begleiters des Nikolaus Knecht Ruprecht. Die mitgeführte Reisigrute bleibt nicht ungenutzt, und als unartig empfundene Kleinkinder werden gern einmal in den Sack oder den Zuber am Rücken gesteckt und zur weiteren Maßregelung mitgenommen.

Oder wie ein Blogger-Kollege von BizarroCentral sehr treffend schreibt: „One of the greatest examples of the proper way to scare the shit out of kids is the legend of Krampus.” Ein aktueller Fall des Exports mitteleuropäischen Kulturguts nach Amerika – danke übrigens für den Reimport von Halloween ;-).

Da ein Krampus durch das jährlich ein-abendliche Erschrecken unseres Nachwuchses nicht wirklich ausgelastet ist, tritt er an Winterabenden auch gern in pöbelnden Gruppen auf und erschreckt zusammengelaufene, feierfreudige Bürger (Krampuslauf). Hier vermengt sich häufig die Krampus-Tradition mit der geschichtlich noch älteren, optisch ähnlichen Figur der Frau Perchta, die praktisch immer in großer (offensichtlich geklonter) Anzahl und noch grausamer handelnd als Perchten auftritt – vielleicht ein andermal hierzu mehr.

Ob Berufsbild und Benehmen des Krampus noch dem heutigen pädagogischen Zeitgeist entspricht? Allerdings sollte das traditionelle Verhalten wenn überhaupt noch in abgelegenen Alpendörfern anzutreffen sein. Wer zumindest in Wien zur Adventszeit shoppen geht, trifft lediglich  auf Schoko- und Kuschel-Krampusse…

Ein anderer Blog-Artikel beschäftigt sich übrigens näher mit dem  -> Nikolaus.

Wer sich in der Weihnachtszeit angemessen verkleiden möchte:

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen zu diesem Artikel Maß-Schnittmuster zum nachschneidern bereit.
KRAMPUS
Der Krampus (ostalpenländischer, grimmiger Begleiter des Nikolaus) ist perfekt bekleidet mit einem Fellkostüm aus…
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und weitere weihnachtliche Schnittmuster: Weihnachtsmann und Weihnachtsfrauen, Nikolaus, Engel, …
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HALLOWEEN

Seit einigen Jahren auch in unseren Gefilden bekannter, wird am Abend des 31.10. zum 01.11. – vor allem von Kindern – Halloween gefeiert.

Halloween – Geschichte und Begriffe

Das Wort „Halloween“ stammt ab von dem irischen „All Hallow’s Eve“, wörtlich „der Abend vor [dem katholischen] Allerheiligen“. An diesem Abend wurde in Irland seit der Christianisierung, so um das 8. Jahrhundert, ein Fest gefeiert. Ganz pragmatisch eingebunden wurden Riten und Gebräuche aus der vorchristlichen, keltischen Zeit.

So haben Elemente des keltischen Totenfests, Verkleidungen zur Vertreibung böser Geister und Freudenfeuer („bonfires“, wörtlich „Knochenfeuer“) Einzug in dieses christliche Event gehalten.

Auch eine alte Sage hatte Raum, in dem ein gewisser Jack Oldfield massiv Streß mit dem Teufel hatte und fortan mit einer ausgehöhlten, kerzenbestückten Rübe durch das Dunkel wandern musste (die „Jack O’Lantern“). Später wurde die Rübe durch den besser verfügbaren und physikalisch geeigneteren Kürbis ersetzt.

Mit der Welle der irischen Auswanderungen im 19. Jahrhundert in die USA und nach Kanada gelangte das Fest über den Atlantik und wurde dort aufgenommen und ausgebaut.

Erst in den letzten Jahren kam die Halloween-Tradition – inzwischen wie bei vielen Festen stark kommerzialisiert – nach Europa zurück und auch nach Deutschland. Das Verhältnis der Erwachsenen zu diesem bei uns wurzellosen (Re-)Imports aus den USA ist kontrovers.  Verbreitet hierzulande ist aber die „gruselige“ Verkleidung von Kindern, die dann Süßigkeiten sammelnd von Haustür zu Haustür ziehen.

Die Halloween Verkleidung

Die typische Verkleidung für Halloween wirkt dunkel und gruselig – gerne gesehen sind Knochen und Skelette. Dies hat seinen Ursprung im keltischen Totenfest und den Geistervertreibungen. Schwarzes oder graues Material ist eine gute Basis, ergänzt durch (Kürbis-) Orange und Rot.

Wer die Polyester-Kaufhaus-Variante scheut (zu Recht, meint der Autor), kann auch leicht selbst eine originelle (und originalere) Verkleidung selberschneidern. Als Vorlage eignen sich viele Schnittmuster mit dem Touch vergangener Jahrhunderte: Lange Kleider und möglichst unförmige Hosen, Weite Gewänder und vor allem Umhänge – vorzugsweise mit weiter Kapuze.

Teilweise lassen sich auch andere Kleidungen für diesen Anlass „upcyclen“. Gothic-Outfits und Piraten-Verkleidungen können leicht im Detail optimiert werden, wie auch alles mit großen Ohren oder gar Hörnern… – schauen Sie einmal mit kreativem Blick in Ihren Kleiderschrank und Ihr Stofflager.

Nähprojekt Kapuzenmantel

Anlässlich von Halloween haben wir dieses Jahr einmal unsere Schnittmuster durchstöbert, was sich so eignet als Verkleidung. Ergebnis: Vieles!

Besonders hervorstechend war der historische  KAPUZENMANTEL von 1643, als wärmende Überbekleidung am kühlen All Hollow‘s Eve bestimmt super und auch angemessen gruselig. Dieses Schnittmuster steht ab sofort bis Halloween 2014 zum kostenlosen Download bereit (mehr unten im Kasten).

Aber auch andere Schnittmuster – KLEIDER, BLUSEN, JACKEN, Mittelalterliche Gewänder wie weite HEMDEN oder BRUCHEN mit dem richtigen Material gearbeitet eignen sich bestens, ebenso Kopfbedeckungen wie der BASCHLIK oder die OHRENHAUBE mit Hörnern.

Echt stressig das Leben als Model…

So entstand auf die Schnelle eine kleine Halloween-Kollektion aus vorhandenen Modellen zur Anregung  (siehe Zusammenstellung oben). Alle Schnittmuster gibt es im Shop von PASST-ONLINE.

Endlich Pause!

Das Schnittmuster zum Nähprojekt: Bis 31.10.2014 kann das Schnittmuster KAPUZENMANTEL kostenlos bestellt werden.So geht es genau:

  1. Auf den Link unten klicken, er führt zum PASST! Schnittmuster Shop; anmelden.
  2. Das Schnittmuster KAPUZENMANTEL bestellen, dabei den Gutscheincode eintragen und einlösen (Preis springt auf kostenlos).
  3. Bestellung abschließen. Das Schnittmuster erreicht Sie als eMail innerhalb weniger Minuten.
KAPUZENMANTEL
Schnittmuster eines KAPUZENMANTELs / KAPUZENCAPEs und einer MASKE – verschiedene Formen und Längen. Verbreitet vom Spätmittelalter bis zum frühen Barock. Eignet sich auch als Halloween-Verkleidung.
Gutschein-Code: hw2014 (gültig vom 11.10.-31.10.2014, danach Listenpreis)
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PS: Traumatisierung unserer Kinder?

Von einem vielleicht zum Nachdenken anregenden Erlebnis in diesem Zusammenhang muss der Autor einfach noch berichten: Auf dem Holländischen Stoffmarkt in Berlin-Spandau hatten wir die Kapuzenmantel-Skelettdame auf unserem Stand als (vielfotografierten) Hingucker aufgestellt.

Eine Dame in den Vierzigern tritt an unseren Stand: „Wie können Sie das machen! Drehen Sie doch wenigstens das Gesicht weg!!!“.

Meinerseits freundliches, aber noch völlig unverständiges Lächeln.

„Na das Skelett“, meint die Dame, „ist ja ekelhaft. Sie verstören ja alle Kinder! Verhüllen Sie das Gesicht!“

„Na es ist doch Halloween und die Kinder…“ war der Ansatz meiner basisphilosophischen Antwort, aber die Dame stürmte bereits laut-vor-sich-hin-schimpfend von dannen.

Nun mussten wir über den Umgang mit dem Tod, Skeletten und Knochen in unserer Kultur diskutieren – darf man dabei lächeln, wenn man einer Skelettdame die Haare aus dem Gesicht streicht? – aber vor allen wollten wir keinesfalls an der dauerhaften Schädigung der Berliner Jugend Schuld tragen.

Die folgende repräsentative Umfrage bei etwa einem Dutzend Kindern zwischen 3 und 10 Lebensjahren an unserem Stand hat aber ergeben: NULL Kinder fürchten sich vor dem Skelett, VIER Kinder drehen verschüchtert den Kopf zur Mama, wenn ein Fremder sie anspricht :-).

PLUDERHOSE / SAROUEL

Seit vielen Jahrhunderten und in vielen Kulturen und modischen Trends verbreitet ist die Pluderhose.

Gerade heute ist dieses optisch interessante, praktische und bequeme Kleidungsstück wieder hochaktuell.

Je nach konkreter Umsetzung wurde und wird die Pluderhose von beiden Geschlechtern getragen (Unisex).

Begriffe und Herkunft

Wer heute eine Pluderhose erwerben möchte, kann diese unter verschiedensten Bezeichnungen im Handel finden.

Pluderhose, Pumphose oder Puffhose  sind deutsche Begriffe für eine europäische Hosenform seit dem beginnenden 16. Jh., in vielen Längen von kurz bis knöchellang getragen. Wie oftmals in der frühen Zeit wurde gern modisch übertrieben, sodass aufgrund der übermäßigen Weite und dem damit gewaltigen Stoffverbrauch das Kleidungsstück gewichtsmäßig wortwörtlich kaum noch tragbar war.

Alltagstaugliche Ausprägungen waren anzutreffen in allen Jahrhunderten seither, oft auch im militärischen Bereich als Teil der Uniform (siehe heute z.B. die Schweizer Garde des Vatikan, Foto weiter unten).

Eine Reihe weiterer Bezeichnungen weist auf den viel früheren,  orientalischen Ursprung und weiteren Quellen dieser Hosenform hin.

Als Haremshose benannt nach dem abgeschlossenen Wohnbereich muslimischer Frauen speziell bei Würdenträgern / Polygamie bzw. der Gruppe dieser Frauen selbst.

Als Aladinhose nach den Vorstellungen von der Figur aus „Märchen aus 1001 Nacht“ mit persischem Ursprung im 3.Jhd, über die Zeit vielfachst übersetzt und modifiziert.

Als Sirwal, Punjabi, Goa Hose mit regional indischem Ursprung.

Als Sarouel arabisch nordwestafrikanisch / französisch.

Oder als Salvar türkisch.

Und (bestimmt nicht) zuletzt auch als Junk Hose bezeichnet, oft weniger weit geschnitten und auf das Material/Aussehen bezogen („altes Zeug, Altstoff“), oft aber nicht von der typischen Pluderhose zu unterscheiden.

Orientalismus

Nie ist dieses Kleidungsstück in weitgehend unveränderter Form wirklich komplett aus der Mode gekommen.

Nach den kulturellen und historischen Wurzeln erlebte die Pluderhose in Europa als Haremshose modische Auferstehung in der Phase des Orientalismus mit Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jh. und den ersten Jahren des 20. Jh.. Gern wurde „orientale“ Exotik zur Schau gestellt und imitiert.

Gebäude im „maurischen Stil“ entstanden allerorts, Karl May schrieb „Durchs wilde Kurdistan“, und in der westeuropäischen Kunst häufte sich das Auftreten der Mohren und Türken (selbstverständlich heute so zu recht nicht mehr politically correct). Ganz besonders beliebt waren leicht bekleidete, sinnlich posierende Haremsdamen (natürlich in Haremshosen), die so anders wirkten…

Siehe Oliver Dennett Grover (1861 – 1927) – Harem Scene (oben) und ein Vergleich mit der damals aktuellen westeuropäischen Mode (Giulio Rosati (1857 – 1917) – The Harem Dance (Ausschnitt, rechts)), alles 1899).

Heute

Bis die Pluderhose wieder in der modernen westeuropäischen Mode aufgetaucht ist, dauerte noch. Ob hierzu die Phase des Orientalismus eine entscheidende Rolle spielte oder die pragmatische Übernahme dieses bequemen Kleidungsstücks durch das Kennenlernen im Rahmen privater und modischer Globalisierung – dies wäre ein Thema ausführlicherer Recherche.

Aber gerade auch aktuell heute (2014) ist die Pluderhose auf den Straßen der Metropolen Europas allgegenwärtig – speziell in der jugendlich-alternativen Szene. Wer Samstags im Sommer in Berlin Kreuzberg den Markt am Maybachufer besucht, wird Händler diese verkaufend und viele Besucher jedweder Nationalität diese tragend antreffen.

 

Ausprägungen

Eine Pluderhose ist eine sehr bis extrem weite Hose mit viel Material in unterschiedlichen Längen von kurz bis knöchellang, die am Bund und am Beinsaum stark gerafft oder in Falten gelegt auf Körpermaß eingenommen wird.

Der Schritt kann hosentypisch hoch angelegt sein, in einigen Ausprägungen aber auch tief und tiefer gelegt sein bis hin zu einer waagerechten Linie Beinsaum=Knöchel – Schritt – Beinsaum=Knöchel. Die große Weite ermöglicht dennoch ausreichend Beinfreiheit.

Am Rumpf wurde die Pluderhose traditionell vor allem durch einen Wickel- oder Tunnelbund gehalten. In historischen Abbildungen ist häufig ein geknoteter Schal oder eine Schnur als Halt zu sehen. Heute kann dies einfach durch ein Bundgummi erreicht werden.

Bei Varianten beispielsweise für orientalischen Tanz darf der Bund dabei gern auch tief auf der Hüfte liegen.

Der Bund bei kann aber auch – häufig heutzutage anzutreffen – in und unter Taillenhöhe durch breites elastisches Material ausgeführt sein, was bequem zu tragen ist und eine ansprechende Linie (schmale gerade Taille, breit aufgebauschte Hüfte) ergibt.

Auch anzutreffen waren und sind feste Formbünde unterschiedlicher Breite und Form, beispielsweise zentral spitz zulaufend. Bei festen Bünden ist ein Verschluss erforderlich, heute wohl meist ein kurzer Reißverschluss bis über die Hüfte seitlich oder hinten, bei Männern auch vorn mit Schlitzbeleg.

Der geraffte Beinanschluss wird einfach erreicht durch ein angesetztes, fast anliegendes Saumband. Raffiniertere Abschlüsse können durch ein Tunnelsaum oder ein angesetztes Bündchen erreicht werden.

Zusätzliche funktionale oder optische Verzierungen können die Pluderhose ergänzen.

In den frühen europäischen Formen (für Männer) ist die Hose oft zweilagig gearbeitet, wobei das Obermaterial in Längsstreifen geschnitten, oft auch zweifarbig, das Untermaterial sehen oder sogar hervorquellen lässt.

 

Im Haremsbereich ist die Hose oft aus transparentem Material, zusätzlich mit zentralem, festerem, blickdichten Schurz oder Rüschenschal abgebildet.

Heute sind stabilere Pluderhosen beiderlei Geschlechts oft mit großen, voluminösen Taschen bestückt bis übersät.

Das Schnittmuster zum Beitrag: Das Schnittmuster steht für die Maßschnittmuster-Software PASST! (kostenloser Download auf der Seite www.passt-online.de) zur Verfügung. Sie finden auch weitere Lingerie-Schnittmuster und auch alles für darüber.
Schnittmuster PLUDERHOSEN / SAROUEL 
Heute wie seit vielen Jahrhunderten und in vielen Kulturen und modischen Trends verbreitet ist PLUDERHOSE (auch Sarouel, Pumphose, Haremshose, Puffhose, Aladinhose, Sirwal, Goa, Salvar oder Junk Hose genannt). Je nach konkreter Umsetzung wird die Pluderhose von beiden Geschlechtern getragen (Unisex). Viele Varianten in Grundschnitt, Länge, Weiten Bund und Bein, Bünde, Schritthöhe uvm. Für den Alltag, die Freizeit, auch für Bauchtanzkostüme geeignet.
 
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