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Die SCHLUSE

27. September 2016 Hinterlasse einen Kommentar

Da sollte man denken, modebegriffstechnisch sei George kaum noch zu überraschen – aber gestern als Fern-Seher einer vorabendlich-öffentlichrechtlichen Quizshow wurde er mit der Frage „Was ist eine Schluse?“ konfrontiert.

Antwortalternativen wurden präsentiert: zum Fischfang? zum Straßenbau? zum Anziehen? Letzteres schloss George für sich aus, er hätte es schon mal gehört. Auch die Kandidaten in der Quizshow waren ratlos. Und auch 61 von 62 Studiozuschauern. Einer aber stand auf und vermerkte „Bei uns sagt man auch schlusig für lässig, es ist ein lockeres Kleidungsstück für Frauen.“.

Richtig lag er.

Berater Google musste her. Der Duden online half nicht weiter: „Geld (auch für Falschgeld), Hülle, Hülse, Schale, Schlampe“ sagte dieser. Nun, Duden ist vielleicht zu spießig. Ein anderes Begriffshelferlein definierte eine Gefängnis-Schließerin.

Die Schluse

Es war aber dennoch auf den ersten Blick nicht zu übersehen. Shop-Angebote aller großen Bekleidungshersteller, Bilder ohne Ende und auch Erläuterungen für alle ähnlich-wie-George-Unwissenden: Die SCHLUSE ist ein Kunstwort zusammengesetzt aus SHIRT und BLUSE. Lässig weit, bequem, nicht unbedingt mit Kragen oder Knopfleiste, aber fraulich modisch elegant hinsichtlich Material und/oder verarbeitungstechnischen Details. Ein seit etwa einem Jahr hippes Must-have im weiblichen Kleiderschrank.

Das Schlusen-Schnittmuster

Nun wäre George nicht Schnittmuster-Hersteller, wenn er sich nach dieser Offenbarung nicht gleich die Frage stellen würde: Braucht´s da ein neues Schnittmuster? SCHLUSE01? Aber schnelle Antwort: Nein. Viele der vorhandenen Schnittmuster schreien geradezu nach einer kreativen Verarbeitung zur Schluse.

Eine gute Ausgangsbasis für eine eigene Schluse sind – wer hätte dies gedacht – natürlich die Schnittmuster SHIRT und BLUSE. Beide weit eingestellt, und dann von der Bluse z.B. Ärmel, Kragen oder ein Stückchen Knopfleiste auf das Shirt montieren – fertig ist die individuell-perfekte Schluse.

Aber auch andere Schnittmuster können leicht zur Schluse mutieren: Die TUNIKA ist ein guter Rumpf und Halsausschnitt, auch HEMD ist in weit Damen-tauglich mit gut verwendbaren Ärmeln. Ärmelspender könnten auch JACKE oder SAKKO sein, oder auch ein kurzes PEPLUM-Shirt als Basis mit Fledermausärmeln und vielleicht Hemd-Manschetten – wer die Schnittmuster eh schon hat, kann durchklicken und träumen…

Wer näht die coolste Schluse?

Weiter gedacht: Die Kombination von Schnittmustern

Nun ist dieser Grundansatz der modischen Kombination von etablierten Kleidungsstücken (=Grundschnitte) ja nicht auf die Schluse beschränkt. Vieles kann man und frau sich vorstellen. Wäre mehr Denken in Komponenten der Versuch eines Fortschritts?
Aber das führt heute zu weit. Die Themen „Kombination von Schnittmustern“ und „Schnittmuster aus Komponenten“ werden fortgesetzt, sobald die Gedanken hierzu geordnet sind…

Die SCHLUSE - Beispiele

Lust bekommen?

Schneidern Sie doch einmal Ihre Schluse selbst! Schnittmuster ohne Ende dafür finden Sie auf www.passt-online.de – besonders natürlich das SHIRT und die BLUSE.

DAMENBLUSEN
Das Basisschnittmuster DAMENBLUSEN für passt! ermöglicht mit tausenden einstellbaren Varianten die Grundlage unterschiedlichster Blusenformen für jeden Anlass. Einstellbar sind: Passform: anliegend/Stretch, tailliert, gerade, weit, extraweit Länge: Taille, Hüfte, Schenkel Abnäher: keine, Keil-Abnäher, Wiener Teilung, Französischer Abnäher Kragen: Hemdkragen, Stehkragen, Mandarinkragen, Flachkragen, Rüsche, V-Ausschnitt, Rundausschnitt Kragenweite: halsnah, locker, weit Ärmellänge: lang, dreiviertel, kurz, Stummel Ärmelform: gerade, gerafft, Trompete Ärmelabschluss: Manschette, Saum, Rüsche Verschluss: Knöpfe, Zip…
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SHIRT
Basisschnittmuster SHIRT für PASST! nach Ihren persönlichen Maßen für Damen, Herren und Kinder. Maßschnittmuster für ÄRMELLOSE SHIRTS unterschiedlicher Formen für verschiedenste Anlässe. Das Schnittmuster SHIRT ist aufgrund der wenigen Teile und den einfachen, geraden Nähten in den meisten Varianten besonders geeignet auch für Anfänger. Einige mögliche Einsatzfälle des SHIRTs: Sport-Shirts, festliche Tops, Sommer-Shirts, ländliche Shirts, lange Shirts als Nachtkleid, Hauskleid oder Partykleid. Für Stretch-Materialen wie auch für unelastische Stoffe geeignet. Varianten: Länge: von Unterbrust bis Knöchel. Weite Brust: Stretch, Anliegend, Bequem, Weit. Weite Saum: Stretch, Anliegend, Bequem, Weit, Sehr weit. Halsausschnitt: Rund, V-Ausschnitt, Kasten. Halsausschnitt Weite. Halsausschnitt Tiefe. Armausschnitt: Anliegend, Bequem, Tief, Tiefer. Armausschnitt Weite. Saum: Gerader Saum, Gerafft, Bündchen…
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PETTICOAT

Petticoat Schnittmuster
 

Der PETTICOAT ist ein meist mehrlagiger oder mehrstufiger, weiter Unterrock. Ein Petticoat formt den darüber getragenen Rock oder das Kleid, schöpft aus der Weite des Saumes, lässt die Taille schlank erscheinen und die Hüfte dem Schönheitsideal folgend breiter.

Das Wort „Petticoat“ setzt sich zusammen aus dem französischen „petit“=klein und dem englischen „coat“=Umhang, Mantel.

Die größte Verbreitung erlangte diese Form des Unterrocks in den späten 1940ern bis zu den frühen 1960er Jahren – den Zeiten des Rock ´n´ Roll und Twist – jeder hat wohl die Silhouette vor Augen.

Aber bereits lange zuvor – seit dem 16. Jahrhundert –  wurden die Kleider in verschiedenen Modephasen durch unterstützende Unterröcke optisch erweitert. Oft knöchel- oder bodenlang, waren diese frühen Petticoats meist unter den edlen Roben versteckt, in einigen Perioden aber durch einen vorn geöffneten Oberrock auch visuell wirksamer Teil der Kleidung. Eine Hoch-Zeit der langen Petticoats war das Viktorianische Zeitalter Ende des 19. Jahrhunderts.

Heute sind Petticoats aus der alltäglichen Kleidung weitgehend verschwunden. Neben traditionellen Nischen wie Squaredance oder Country&Western sind Petticoats häufig in der Hochzeits-Mode zu finden.

George meint: Schade eigentlich! Mit etwas Phantasie lässt sich manches Outfit mit einem Petticoat – vielleicht auch sichtbar aus unkonventionellem Material – aufpeppen.

 
Petticoat Schnittmuster
 

Material

Das grundlegende Ziel eines Petticoats ist, den Saum des darüber getragenen Rockes zu weiten, zu stützen, ohne einen natürlichen Faltenwurf oder die Bewegungsfreiheit zu behindern.

Hierzu ist meist (sehr!) viel Material erforderlich; die Fülle wird durch starke Raffung erzielt. Das Material sollte steif sein, nicht in sich zusammenfallen, aber auch möglichst leicht zum bequemen Tragen.

Die geeignetste Grundlage für einen Petticoat ist deshalb Tüll. Dieses leichte Netzmaterial aus Nylon oder anderen Kunstfasern ist in vielen Farben günstig zu bekommen. Auch edle Varianten in Seide oder Baumwolle sind erhältlich.

Petticoats können aber auch aus anderen leichten, Stoffen hergestellt werden, insbesondere wenn (Teile der) Unterbekleidung sichtbar sein sollen. Für ländliche Mode und Trachten bieten sich beispielsweise luftige, bedruckte Baumwollstoffe an.

 

Alle diese Materialien sind einzuordnen irgendwo zwischen absolut steif bis frei fließend – entscheidend für die spätere erzielte Ausstellung des Petticoats. Ein erster Eindruck kann bereits im Stoffgeschäft durch Tasten und leichtes probeweises Raffen der vielleicht dreifachen Stoffbreite gewonnen werden. Mehr hierzu im Kapitel „Ausprobieren!“ weiter unten.

Für einen noch besseren Stand des Saumes sorgt ein zusätzlich eingenähtes Versteifungsband, Crinolborte, Krinolin-Band oder im englischen Horsehair Braid genannt.

 

Verzierung

Wie im Unterwäsche-Bereich allgemein spielt die Verzierung des Petticoats eine wesentliche Rolle, unterstützt die Schönheit der Form dieses Kleidungsstücks wie den Stolz und das Selbstbewusstsein der Trägerin.

Für die Funktionalität eines nicht unter dem Rock sichtbaren Petticoats ist eine Verzierung nicht erforderlich. Minimalistinnen mögen puren Nylon-Tüll verwenden, allseitig gegen Ausfransen umsäumt. Dies ist für den zu erzielenden Form-Effekt die leichteste, ehrlichste Lösung.

Eine elegante Form ist die Verwendung von Schrägbändern für die Säume und die Verblendung der Stufenübergänge. Hiermit kann sowohl einfach eine reine, unauffällige, saubere Verarbeitung erreicht werden (z.B. weißes Schrägband auf weißem Tüll) wie auch farbliche Akzente gesetzt (z.B. rotes Schrägband auf schwarzem Tüll).

Spitzen und Borten jeder Art eignen sich zum unteren Saumabschluss; insbesondere, wenn der Saum des Petticoats unter dem Rock hervorblitzt. Lochborten können die einzelnen Stufen des Petticoats optisch trennen.

 

Bund

Die einfachste Form eines Bundes für den Petticoat ist der Gummizug im Tunnel. Vorteile sind einfachste Erstellung und unkompliziertes An- und Ausziehen. Beachtet werden sollte, dass der Gummizug nicht einschneidet und sich unter der Oberbekleidung nicht abzeichnet, zumal eine Raffung zumindest der Hüftweite auf den Bundsitz erforderlich ist.

Besser sind breitere, anliegende, elastische oder auch feste Bünde. Diese können aus Bundgummi wie auch aus anderen Materialien hergestellt sein. Sehr breite Formbünde bis unter die Hüfte können möglicherweise die komplette erste obere Stufe des Petticoats ersetzen.

Bei nicht-elastischen Bünden muss ein Verschluss (oft in der hinteren Mitte, aber auch seitlich möglich) eingebracht werden. Hier bietet sich ein Reißverschluss an, es können aber auch Haken oder Knöpfe sein. Der Hingucker in einem breiten Bund ist eine vorn oder hinten liegende Schnürung oder ein Corsagen-Verschluss.

 

Kreative Varianten

Bitte lassen Sie bei der eigenen Erstellung eines Petticoats Ihre Phantasie spielen. Ein spannendes Kleidungstück mit vielen optischen Möglichkeiten.

Entscheiden Sie, wie viel des Petticoats bei Ihren fertigen Outfit sichtbar sein wird: Aus dem grundlegenden Schnittmuster des Petticoats können Sie auch einen „ganz normalen“ Rock herstellen. Oder Sie würzen ein alltagstaugliches Kleidungsstück mit etwas zusätzlicher Form und zusätzlichem Look. Oder der Petticoat ist der Rock – alles eine Materialfrage.

 

Ausprobieren!

Bei der eigenen Herstellung eines Petticoats sind einige funktionale Details eigentlich nur durch Ausprobieren oder durch viel Erfahrung umzusetzen. Das Schnittmuster kann die Passform am Bund sicherstellen, die gewünschte Länge und den generellen Aufbau, aber:

Das verwendete Material für den Petticoat hat gravierenden Einfluss auf die schlussendlich erzielte Form. Die vorgeschlagene Raffung kann hier nur einen Anhaltspunkt bieten, auch ist nicht jede Raffung für jedes Material geeignet. Beim ersten Petticoat unbedingt alles erst lose heften und anprobieren – am besten mit der Ziel-Oberbekleidung darüber. Dann kann hier noch nach Wunsch optimiert werden.

Auch ist eine Frage, ob die einzelnen Lagen / Bahnen bei Überlappung innen oder außen angebracht werden sollten. Dies hat neben dem optischen Unterschied je nach Material auch Einfluss auf die spätere Gesamtform des Petticoats.

 
Petticoat Schnittmuster
 

Das Schnittmuster zum Blog

Wer einmal ein Petticoat selberschneidern möchte, wird hier fündig:

PETTICOAT
Variantenreiches PASST! Schnittmuster PETTICOAT nach Ihren persönlichen Maßen. Der richtige Unterrock für alle weiten Kleider und Röcke. Bei entsprechender Materialwahl auch als Rock umsetzbar und für eigene kreative Schöpfungen. Einstellbar sind …
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BARETT

Barett SchnittmusterDas BARETT (auch Béret, Baskenmütze) ist eine Kopfbedeckung; eine Mütze unterschiedlicher Form, aber typischer dreiteiliger Schnittführung. Beim Wort an sich vermutet man keltisch/lateinischen Ursprung, die Form der Kopfbedeckung kam im Spät-Mittelalter in Mode und ist seither in verschiedenen Ausprägungen immer wieder verbreitet.

Viele Berühmtheiten ließen sich mit einem Barett abbilden, um nur einige zu nennen Martin Luther, Auguste Rodin und Che Guevara.

Ursprünglich gebildeten Ständen und dem Adel vorbehalten, verbreitete sich das Barett schnell in alle Stände. Bereits früh war es eine verbreitete Kopfbedeckung im militärischen Bereich, mit Beginn der Uniformierung hat es dort bis heute einen festen Platz gefunden – in vielen Armeen rund um die Welt gehört das  Barett zur Grundausstattung.

Wohl vom militärischen Vorbild abgeleitet ist das Barett auch in anderen straff geführten Organisationen sehr beliebt, beispielsweise bei der Polizei oder den Pfadfindern.

Andere Evolutionen des Baretts führten zu ganz anderen noch heute verbreiteten Ausprägungen: Die bäuerliche Variante im Grenzland Frankreich/Spanien wurde zur Baskenmütze, akademische Anwendungen führten zum Doktorhut und auch viele Kochmützen sind näher betrachtet schnitttechnisch ein Barett.

 

Die Schnittform

Barett SchnittmusterUnter der Bezeichnung Barett findet man Kopfbedeckungen unterschiedlicher Schnittform. Wir konzentrieren uns hier auf eine für die meisten Anwendungen typischen, dreiteiligen Schnitt in einer Vielzahl möglicher Varianten: Deckel unterschiedlicher Form und Größe, Boden von absolut flach bis voluminös auftragend, und ein Sockel von nicht vorhanden (d.h. der Boden ist nur gesäumt) bis sehr hoch (z.B. bei manchen Kochmützen oder beim Doktorhut).

 

Das Material

Nicht nur die Form-Varianten haben einen Einfluss auf die Erscheinung der fertigen Kopfbedeckung, sondern insbesondere auch das verwendete Material.

Ein Barett kann aus Strickmaterial hergestellt sein, aber typisch aus nicht dehnbaren, verschiedensten Stoffen wie Wolle / Loden oder Samt, aber auch in Baumwolle oder besonders wirkend in Leder oder edel in Seide.

Barett Schnittmuster

Meist wird das Barett einlagig aus dem Obermaterial gearbeitet. Bei manchen Obermaterialien kann eine Fütterung sinnvoll sein. Für ein spezielles Erscheinungsbild dient eine Verstärkung von Deckel oder Sockel.

Je nach Anwendungszweck und Zeitalter kann das Barett verziert sein; eine einfachen Quaste wie bei der Baskenmütze oder in anderer Form beim Doktorhut, ein Emblem wie im militärischen oder akademischen Bereich, oder gar Bänder, Borten oder Federn wie in vergangenen Jahrhunderten üblich.

Das Schnittmuster zum Blog

Wer einmal ein Barett selberschneidern möchte, wird hier fündig:

BARETT
Variantenreiches PASST! Basis-Schnittmuster BARETT. Erstellbar sind unterschiedlichste Kopfbedeckungen, die aus den Teilen Deckel, Boden und Sockel bestehen; darunter Militär-Barett, Baskenmützen, mittelalterliche und Renaissance-Mützen, Kochmützen oder Doktor-Hüte. Einstellbar sind  …
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Das Paradigma der Gradierung

1. Februar 2016 4 Kommentare

golden-pattern Schnittmuster nach Maß

Seit sehr vielen Jahrhunderten befassen sich die Menschen mit der Herstellung zunehmend den Körperformen angepasster, individueller Kleidung. Die Kleidung wird zumeist aus in Bahnen gewebten Stoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs hergestellt. Um aus diesen zweidimensionalen, rechteckigen Stoffbahnen den oft stark dreidimensionalen Menschen zu verhüllen, haben unsere pfiffigen Vorfahren Schnittmuster mit raffiniert geschwungenen Formen erdacht, die an den Kanten zusammengenäht den überaus komplexen menschlichen Körperbau überraschend perfekt umschließen können.

Nun sind Menschen sehr unterschiedlich gebaut. Nicht nur, dass sie mehrheitlich dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht mit jeweils spezifischen Körperformen angehören; sie sind auch sehr klein bis fast schon riesig; sie sind spargeldürr bis extraknuffig.

Aus diesem Grund ist Kleidung in sehr unterschiedlichen Abmessungen erforderlich. Solange die Herstellung zumeist im Haushalt erfolgte, war eine ganz pragmatische „Maßschneiderei“ üblich: Grob zuschneiden, anprobieren, optimieren, zusammennähen.

Spätestens mit Einzug der industriellen Produktion von Kleidungsstücken waren aber Regeln für die Maße der Kleidungsstücke/Schnittmuster erforderlich. Alle Menschen wurden in „Konfektionsgrößen“ eingeteilt, je nach Land, Kultur und Komplexität der Kleidungsstücke in vielleicht so um die 100. So gibt es in Deutschland beispielsweise Konfektionsgrößen für Babies, Kinder, Jugendliche, Damen und Herren, die beiden letzteren auch in normal, kurz und lang, und der Herr (wie fies!) alternativ auch mit Bauch. Es seien einmal beispielhaft die deutschen Damengrößen 36 oder 44 genannt.

 

golden-pattern Schniottmuster nach Maß

Die Gradierung

Um Kleidungsstücke herstellen zu können, sind Schnittmuster in den einzelnen Konfektionsgrößen erforderlich. Ein Designer hat die Form für z.B. ein Kleid entworfen, ein Ur-Schnittmuster in einer definierten Größe (z.B. Damen 36) wird erstellt. Und daraus werden dann alle anderen gewünschten Größen nach Regeln abgeleitet (38, 40, 42, …): das nennt sich Gradierung.

Zur Anleitung dieser Gradierung entstanden in den letzten 150 Jahren Unmengen von Fachliteratur, inhaltlich und formal überraschend ähnlich. Da werden „Sprungwert-Tabellen“ verwendet, eine „Interpolation“ zwischen Größen wird erforderlich, Sätze zur Konstruktion sind niedergeschrieben wie „… ein Zwölftel des Hüftumfangs plus 1,5 cm rechtwinklig zu …“.

Die generelle Logik der Gradierung ist die Definition festgelegter Stufen bei bestimmten Körpermaßen in Zentimetern (oder der jeweils landestypischen Längeneinheit) zwischen den einzelnen Konfektionsgrößen – so liegen zwischen der Konfektionsgröße Damen 36 und Damen 38 im Hüftumfang genau xx,x Zentimeter.

 

Gradierung kontra Mensch

Aus der Vorgehensweise zur konfektionierten Kleidungsherstellung an sich und der Gradierung ergibt sich eine Reihe von Problemen.

Als erstes und wichtigstes entspricht statistisch kaum ein Mensch einer der festgelegten Konfektionsgrößen. Schauen wir uns nur einmal die für die Passform existentiellen Maße Körpergröße, Brust-, Taillen- und Hüftumfang an. Wohl niemand von Ihnen werten LeserInnen wird in einer Konfektionsgrößen-Tabelle exakt die korrekten Werte finden. Schlimmer noch: Die Proportionen passen wahrscheinlich nicht besonders. Vielleicht sind Sie zu groß, die Taillenhöhe falsch oder das Hinterteil zu rund…

Weiterhin sind die Regeln zur Gradierung für Menschen nahe des Zentrums der Normalverteilung aller auftretenden Maße und Proportionen ausgelegt. Die Gradierung schwächelt bei vielen selteneren Proportionen – speziell bei den knuffigeren ZeitgenossInnen – und versagt allein schon durch die Nennung konkreter Längenangaben völlig für die Herstellung von Kleidungsstücken in untypischen Körpergrößen, z.B. für Puppen.

 

Das Paradigma der Gradierung

Die Grundlagen der heute praktisch unverändert genutzten Schnittmuster-Gradierung sind entstanden in Zeiten von Papier und Stift und manueller Grundrechnung. Mit diesen Möglichkeiten entstanden – teilweise durch Anpassung praktischer Erfahrungen – bestmögliche Algorithmen für die Konstruktion typischer Kleidungs-Schnittmuster: Kleid und Rock, Hose und Sakko. Es wurden die häufigsten Standard-Konfektionsgrößen der Menschen festgelegt und dokumentiert und Algorithmen zur Abbildung der Schnitt-Teile, mit festen Größenannahmen, Abständen und Abstufungen in Zentimetern.

Generationen von Fachbuch-AutorInnen, Schnittmuster-Hersteller und SchneiderInnen arbeiten seither mit diesen Ansätzen, einem Paradigma, fest verankert in den Köpfen aller Insider.

George erinnert sich an ein Projekt-Kickoff zur Maßschnittmuster-Veröffentlichung mit einem Modeverband. Gespräch mit der Schnittmuster-Verantwortlichen, einer verdienten Dame und anerkannten Fachbuch-Autorin.

Dame:  Wie gradieren Sie von 32 auf 34?

George: Was ist gradieren? Was ist 32 und 34?

Dame: (erst sprachlos — dann abschließendes, George die Qualifikation absprechendes Gebrabbel)

Das Projekt wurde nach dem Workshop eingestellt. Die innovative Projekt-Initiatorin und –Leiterin konnte sich gegen die einflussreiche Schnittmuster-Expertin nicht durchsetzen.

Nun sind Paradigmen an sich nichts Schlechtes. Der Glaube und erste Gedanke „Das MUSS so sein, das war IMMER schon so!“ spart Zeit und viel Chaos durch sonst drohendes, unendliches Trial and Error. Aber das Thema Gradierung wäre reif für einen Paradigmen-Wechsel…

 

golden-pattern Schnittmuster nach Maß

Modulieren statt Gradieren

Der Form des einzelnen Menschen und damit auch die Schnittmuster-Teile für umhüllende Kleidung sind definiert durch eine Anzahl von relevanten Maßen. Einige davon sind beispielsweise Körpergröße, Brust-, Taillen-  und Hüftumfang. Diese Maße stehen in bestimmten Abhängigkeiten zueinander, um eine menschliche Form abzubilden, streuen aber weit in den absoluten, stufenlosen Werten wie in der Proportion zueinander. So kann beispielsweise der Taillenumfang sowohl deutlich kleiner als auch deutlich größer sein als der Brust- und/oder der Hüftumfang. Die möglichen Kombinationen der einzelnen Maße ergeben eine nahezu unendliche Anzahl auftretender menschlicher Formen.

So muss jeder Versuch scheitern, mit einer Standard-Konfektionsgröße (= abgestufte, festgelegte Proportion) ein für irgendeinen Menschen wirklich passendes Schnittmuster bereit zu stellen.

Nun ist in der Konfektionsherstellung wohl eine Gradierung erforderlich und eine wirtschaftlich bedingte Konzentration auf den Mittelwerts-Menschen verständlich und statthaft. Anders als in anderen Industrien ist der Weg zu „Losgröße 1“ noch kaum angedacht.

Für die Bereitstellung von Schnittmustern für SelberschneiderInnen ist eine Einteilung in Standard-Konfektionsgrößen aber überholt; ein Relikt aus Zeiten von Kurvenlineal und Bleistift, aus Logistik- und Lagerkosten der Schnittmuster-Verlage und der Stoffabteilung des Kaufhauses als Bezugsquelle.

Neue Algorithmen – nennen wir sie Modulierung –  berücksichtigen die Maße des Menschen wie sie sind: vielfältig und stufenlos. Die Größe 38 ist nur noch eine willkürlich festgelegte Ausprägung von Maßen, genau wie die Maße von Ihnen, Ihrem Partner, Ihren Kindern oder Ihrer Puppe oder auch mir jetzt genau am heutigen Tag.

Modulierte Schnittmuster bieten eine gravierend bessere Passform für die Herstellung von Kleidungsstücken als gradierte Schnittmuster jemals in der Lage wären zu liefern.

 

golden-pattern Schnittmuster nach Maß - PASST!

Schnittmuster nach Maß mit modulierenden Algorithmen

Die Schnittmuster von golden-pattern® Schnittmuster nach Maß werden individuell konsequent nach modulierenden Algorithmen erstellt. Jedes Ihrer Maße zählt zur Ausgabe einer bestmöglich passenden Konstruktion Ihres Wunschkleidungsstücks.

Die Maßschnittmuster-Software PASST! (für Windows-PCs) können Sie sofort, kostenlos und unverbindlich ausprobieren mit dem ebenfalls kostenlosen Probe-Schnittmuster TSHIRT.

golden-pattern Schnittmuster nach Maß - PASST!

 

Kostenloser Download der Maßschnittmuster-Software PASST! und des variantenreichen Basis-Schnittmusters TSHIRT:

www.passt-online.de 

 

Viel Spaß beim Selberschneidern!

CAPE & PONCHO

Cape / Poncho Beispiele

Ganz im top-aktuellen modischen Trend: Das Cape und der Poncho. Schauen wir uns diese beiden Kleidungsstücke einmal aus der Sicht der SelberschneiderIn etwas näher an:

So sieht´s aus

Cape und Poncho sind sehr einfach geschnittene, wärmende, Ärmel- und Verschluss-freie Umhänge. Unterschied zwischen Cape und Poncho ist hierbei, dass das Cape vorn offen ist und um Hals und über die Schultern gelegt wird, während der Poncho rundherum geschlossen ist lediglich mit der Kopföffnung zum Hineinschlüpfen.

Die Länge kann sehr unterschiedlich sein. Während häufig schenkel- bis knöchellange Modelle zu sehen sind, ist ab Unterbrust-Länge abwärts eigentlich alles möglich. Auch kann die Länge vorn und hinten unterschiedlich ausfallen, optisch angepasst auch an die übrige Kleidung. Längere Ausführungen beider Kleidungsstücke können zusätzlich seitlich Öffnungen für die Hände besitzen.

Der Saumformen sind viele. Neben einfach gerade ist zipfelig und wellig häufig anzutreffen, gerne immer  mit Fransen oder auch Quasten verziert. Krägen und Taschen sind möglich, aber nicht mehr  „pur“. Tolerierbar ist sicher ein einzelner Verschlussknopf oder -riegel oben am Cape ;-).

So war´s damals

Cape Fell LederAuch wenn das, was diese Saison Cape oder Poncho genannt wird, gerade extrem angesagt ist – eine innovative Neuschöpfung ist es in keinster Weise. Diese einfachste Form wärmender Umhänge ist seit Jahrtausenden auf der ganzen Welt verbreitet. Bereits früheste archäologische Funde zeigen zu heute unverändert geschnittene derartige Kleidungsstücke. Griechen wie Römer hatten mehrere Begriffe für Capes je nach Länge und Anlass.  Die mittelalterliche Kotze (von Kotzen – Wollzeug) war ein Vertreter des Ponchos. In den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten war das Cape unverzichtbares Requisit für Bösewichte wie Superhelden. Ein Western-Film wäre unvollständig ohne den klischeehaft Siesta-haltenden Poncho-tragenden Mexikaner lehnend an der Hauswand.  Zur vorletzten Jahrhundertwende war das Cape als  Pelerine modern, die letzte Modewelle schwappte das Kleidungsstück in den 1970ern an die Frau. Und sollte es in kommenden Jahrtausenden menschliche Zivilisation mit Bedarf an Körperbedeckung geben: Cape und Poncho werden präsent sein.

So ist´s konstruiert

Denn einfacher und passformmäßig unproblematischer lässt sich der Zuschnitt von Material für ein Kleidungsstück kaum gestalten – nähtechnisch müssen für die Grundform nur sehr wenige, gerade, nicht belastete Teile zusammengefügt werden.

Schnittformen

Von der Schnittform sind unterschiedliche Grundansätze für Capes und Ponchos möglich. Die Urform war wohl das Bären- oder Wolfsfell, in das einfach in der Mitte ein Loch für den Kopf geschnitten wurde. Hiervon rührt wohl der kreisrunde Schnittansatz her, der darüber hinaus aber durchaus Vorteile z.B. des homogenen Falls und der recht gleichmäßigen Saumlänge hat. Mit Aufkommen gewebter Materialien und damit technisch begrenzter Stoffbahn-Breite war die naheliegende (da sparsame und einfache) Grundform das Rechteck. Guter Beleg hierfür ist beispielsweise auch die historische Tunika oder der Kimono. Und als guter Kompromiss ist der seitliche Zwickel zu sehen. Eine Stoffbahn-Breite in etwa der Schulterbreite, und für die Weite ein seitlicher Zwickel in gewünschter Breite nähert an die Kreisform an.

So wird´s gemacht

Cape und Poncho sind Kleidungsstücke der kälteren, windigen, ungemütlichen Jahreszeit. Entsprechend  sind die typischen Materialien dicht und wärmend: Oft Wolle, gern auch in der verdichteten Form als Loden.

Schnittmuster Material

Was sagt dies alles der SelberschneiderIn? Sehr gut! – denkt sie. Für die AnfängerIn sind einfacher Schnitt und unkompliziertes Nähen Garant für Erfolgserlebnisse. Und für die erfahrene ExpertIn  liegt im zugrundeliegenden Minimalismus die Chance auf Kreativität hinsichtlich Material, Farbe, Muster und Details.

Cape und Poncho sind ideale Kleidungsstücke für SelberschneiderInnen!

Das Schnittmuster

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
CAPE / PONCHO passt! Maßschnittmuster
Das variantenreiche PASST! Basisschnittmuster nach Maß CAPE und PONCHO ermöglicht sehr einfach geschnittene, wärmende, Ärmel- und Verschluss-freie Umhänge. …
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Schnittmuster Cape / Poncho

LINGERIE

Schönes Etwas auf der weiblicher Haut“ – das ist es wohl, was mit der Bezeichnung LINGERIE heute vor allem verbunden wird.

Ursprünglich vom französischen Wort „linge“ – Leinen > Wäsche > Unterwäsche stammend, hat sich die Lingerie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer eigenen, umworbenen Kleidungsgruppe entwickelt. Weit gefasst alles direkt auf der Haut Getragene, ob als Unterwäsche, als Nachtwäsche, oder nur so in Freizeit oder zum Spaß. Enger gefasst Frauenkörper umspielend, gern sexy, gern transparent.

Wenn die SelberschneiderIn sich typische Lingerie Kleidungsstücke ansieht, ist zunächst einmal gar keine Verwandtschaft, keine Kategorie erkennbar hinsichtlich Schnittkonstruktion, möglichem Material oder Zweck der Verwendung. Die meisten der Schnittmuster sind verwendbar für Frauen, aber oft auch für Männer und bedenkenlos sogar für Kinder; aus Seide und Spitze, aber auch aus Baumwolle oder dem namensgebenden Leinen; Details entscheiden über explizit supersexy bis bequem lässig alltagstauglich. Und natürlich entscheidend wie immer der Inhalt des Kleidungsstücks in den Augen des Betrachters.

Schauen wir uns einmal einige Lingerie Kleidungsstücke näher an.

Wer übrigens zuerst wirklich schauen mag statt lesen: Fotos von Lingerie Musterstücken aus unterschiedlichsten Schnittmustern sind hier in einem kleinen Fotoshow-Video zusammengestellt.

https://youtu.be/eB4RHZKf_n8

Einige der folgenden Kleidungsstücke wurden übrigens bereits in früheren Blogartikeln ausführlich vorgestellt. In diesen Fällen einfach dem Link folgen.

Corsagen

Laut verbreiteter Definition ist die CORSAGE ein den Oberkörper eng umschließendes, festes und steifes Kleidungsstück; als Unterbekleidung oder Oberbekleidung zu tragen, als einzelnes Kleidungsstück oder zum Kombinieren oder Ansetzen…

Ausführliche Informationen HIER in diesem Blog.

https://selberschneidern.wordpress.com/2014/06/24/corsage-formenkunde/

Babydolls

Der BABYDOLL ist ein sehr leichtes, oft transparentes, oft weit geschnittenes Nachthemdchen.

Manchmal nur durch eine Oberbrust-Raffung gehalten, manchmal mit angesetzten Cups, ist ein ausgestellt gearbeitetes Rockteil unterschiedlich möglicher Länge angesetzt.

Weite Ausführungen können über den Kopf gestreift werden, im Brustbereich anliegende Modelle sind an der Unterbrust mit einem Knopf, Haken oder Bändchen verschlossen.

Ergänzt zu einer kompletten Nachtkleidung wird der Babydoll durch ein passend luftig gearbeitetes kurzes Höschen, wie in dem namensgebenden Film von 1956 zu sehen.

Shirts

Ein Grundelement von Unterwäsche und anderer Lingerie ist das ärmellose SHIRT in unterschiedlichen Weiten und Längen. Als Unterhemd für Frauen, Männer und Kinder ist das Shirt genauso unverzichtbar wie als Freizeitkleidung oder beim Sport.

Slips

Ein SLIP (vom englischen „slip“ – hineinschlüpfen) ist eine Unterhose (oder Badehose) für Frauen. Es existieren viele unterschiedliche Grundformen und Benennungen…

Ausführliche Informationen HIER in diesem Blog.

https://selberschneidern.wordpress.com/2014/03/18/slip-formenkunde/

Bodysuits

Die Bezeichnung BODYSUIT ist wohl der allgemeinste, umfassendste Begriff für ein einteiliges, meist anliegendes Kleidungsstück, das einen nennenswerten Teil des Körpers verhüllt. Immer enthalten ist der Rumpf bis in den Schritt, alternativ können Arme / Hände, Beine / Füße und Hals(ausschnitt) / Kopf integriert sein…

Ausführliche Informationen HIER in diesem Blog.

https://selberschneidern.wordpress.com/2015/01/29/bodysuit-formenkunde/

Body & Leggings

Die Kombination BODY & LEGGINGS aus einem eng anliegenden, beinlosen und meist im Schritt geschlossenen Oberteil (Body) mit separater, ebenfalls eng anliegender Hose (Leggings) ist ein Klassiker nicht nur für Sportanzüge unterschiedlichster Disziplinen.

Body und Leggings werden typischerweise aus unterschiedlichem Material gearbeitet und können auch komplett separat getragen werden (der Body z.B. aus gut sitzende, nicht verrutschende Unterwäsche).

Der Unterschied zum einteiligen Bodysuit mit angeschnittenen Hosenteilen ist, das die Leggings separat in typischer Hosenform geschnitten sind.

Kimono

Das „Ding zum Anziehen“, was Kimono übersetzt bedeutet, ist wohl das typische in aller Welt mit Japan verbundene Kleidungstück.

Der Kimono wird in fast unveränderter Form seit etwa dem 9. Jahrhundert von Frauen wie Männern in Japan getragen. Während er in vergangenen Jahrhunderten verbreitete Tagesbekleidung darstellte, ist der Kimono heutzutage – wohl auch mit der zunehmenden Verbreitung westlicher Kleidung in Japan – meist Festen und zeremoniellen Anlässen vorbehalten.

Der Grundschnitt eines Kimonos ist – wie viele sehr alte historische Schnitte – stark an der gewebten Stoffbahn orientiert und somit rechteckig und einfach.

Mit einem selbergeschneiderten Kimono lässt sich recht unkompliziert eine exotische, fernöstliche Stimmung zaubern (jedenfalls, wenn die strengen fernöstlichen Regeln zur kunstgerechten Herstellung, Lagerung, Reinigung, den Anlässen und dem Anlegen dieses Kult-Kleidungsstückes einmal außeracht gelassen werden).

Bademäntel

Ein BADEMANTEL ist ein kuscheliges Kleidungsstück für direkt auf feuchter Haut; zu sehen meist auf dem Weg zum und am Weg vom Badezimmer.

Der Bademantel ist meist knie- bis knöchellang mit Kapuze zum Schutz feuchter Haare oder mit halsschmeichelndem Schalkragen.

Der typische Bademantel entspringt einem normalen Jackenschnitt und  ist in Frottee oder Waffelpiqué gearbeitet.

Morgenmäntel

Ein MORGENMANTEL oder HAUSMANTEL ist ein leichtes Kleidungsstück, getragen über Schlafkleidung, Unterkleidung oder auch auf nackter Haut, um beim Herumlaufen in der Wohnung kulturell ordnungsgemäß verhüllt zu sein.

Je nach Geschmack ist der Mantel sehr kurz schenkel- bis vielleicht dreiviertellang, gern aus edlem Material wie Seide hergestellt.

Für Lingerie-Kombinationen sieht man häufig ein transparentes Kleidungsstück (Kleid, Babydoll, …) „darunter“ und ein in Farbe und Material abgestimmter, verdeckender Morgenmantel „darüber“.

Schlafanzüge

Der SCHLAFANZUG besteht aus einem Oberteil in T-Shirt-Form mit kurzen oder langen Ärmeln und einer separaten Hose mit kurzen oder langen Beinen, aus gleichem, weichem und hautfreundlichem Material.

Wie der Name sagt, wird der Schlafanzug zum Schlafen getragen, von Frauen, Männern und Kindern.

Oft gesehen die Ausführung in tristen Farben und öden Mustern. SelberschneiderInnen haben die Chance, hier Zeichen zu setzen!

Nachtkleider

Das Nachtkleid (manchmal Nachthemd genannt) ist traditionell die Nachtkleidung der Mädchen und Damen. Ein nicht zu enges bis weites, knie- bis knöchellanges Kleid aus hautsympathischem Material Kleidungsstück.

Leinen und Baumwolle sind zur Herstellung die traditionelle Wahl, optisch eindrucksvoller können auch edlere Materialien verwendet werden.

Unterkleider

Das UNTERKLEID wird unter einem Kleid oder einer Kombination Pullover/Bluse und Rock getragen. Gründe können sein zusätzlicher Kälteschutz, unerwünschte Transparenz der Oberbekleidung, besserer Fall  oder Vermeidung „hochkriechender“ Röcke oder Oberteile an der Haut.

Unterkleider sind in der Regel aus glattem, fallendem  Material, meist einfarbig, meist schlicht oder gezielt mit etwas Bling-Bling aufgewertet.

Bikini

Auch der BIKINI kann in die Gruppe der Lingerie Kleidungsstücke eingeordnet werden.

Die nett anzusehende Form des stoffsparenden Zweiteilers aus knapper Brustverdeckung + knappem Höschen ist bei Frauen zwar bereits seit dem Altertum bekannt und verdankt seinen heutigen Namen skurrilerweise amerikanischen Atomwaffentests auf dem gleichnamigen Südseeatoll.

Heute ist der Bikini an den Stränden dieser Welt verbreitet. Als typische Lingerie lässt sich der Schnitt aber auch in anderem Material gearbeitet gut als Unterbekleidung tragen und zeigen.

Schnittmuster

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
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PASST! Schnittmuster-CD mit Software (Windows) und variantenreiche 12 BASIS-SCHNITTMUSTER für Schönes auf der Haut = tausende unterschiedliche Kleidungsstücke nach Ihren persönlichen Maßen: Corsagen (Schnittmuster LINCOR), Babydolls (LINBADO), Shirts (SHIRTEY), Slips (LINSL01), Bodysuits (BODYSUIT), Body&Leggings (BODYLEGG), Kimonos (KIMONO), Bademäntel und Morgenmäntel (JACKEV2), Schlafanzüge (HOSE01+TSHIRT), Nachthemden und Unterkleider (KLEID01), Bikinis (BI08A2). Plus Bonus-Buch PASST! SELBERSCHNEIDERN NACH MASS als PDF-eBook.
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Schnittmuster für COSPLAY (II)

10. September 2015 Hinterlasse einen Kommentar


 
Als Schnittmuster-Sponsor des deutschen Teams zum European Cosplay Gathering 2015 in Paris hatte ja George bereits Anfang Juli an dieser Stelle ein wenig über Cosplay an sich und die Verwendung von Schnittmustern für die Anfertigung der teils sehr aufwendigen Outfits berichtet.
 
Zum ersten Blogartikel aus dem Juli: https://selberschneidern.wordpress.com/2015/07/03/schnittmuster-fur-cosplay/
 
Jetzt ist der Wettbewerb vorbei, Fotos veröffentlicht und Videos online gestellt. Hier wie damals versprochen der Bericht von Claud – einer der Finalteilnehmerinnen – über den Verlauf der Veranstaltung, die Kostüme und auch die verwendeten Schnittmuster.

 

Claud berichtet über die Veranstaltung:

Das European Cosplay Gathering (ECG, alle wichtigen Links unten) fand dieses Jahr zum fünften Mal statt. Dabei funktioniert alles so, dass in den jeweiligen Ländern über einen Vorentscheid ein Solo-Teilnehmer und ein Team (2-3 Personen) ausgewählt wird, das dann nach Paris fährt um am Finale teilzunehmen. Der ECG ist der einzige größere Wettbewerb bei dem man zu dritt teilnehmen darf, ansonsten gibt es vor allem Wettbewerbe für Einzelpersonen (z.B. Euro Cosplay in London) und Paare (z.B. World Cosplay Summit in Nagoya).
 
In Deutschland findet der Vorentscheid auf der Buchmesse in Leipzig statt und man gewinnt neben dem Finaleinzug auch die kostenlose An-und Abreise nach Paris, den Hotelaufenthalt während des Events sowie Verpflegung über den Tag und Abendessen im Hotel.
 
Nach Paris reist man bereits einige Tage vor dem „Main Event“, der Bühnenshow am Samstag, denn es gibt eine Vielzahl von weiteren Events, an denen man als Finalist teilnimmt:
 
Mittwoch eine Willkommensparty, bei der man sich im Cosplay auf einem gemieteten Boot kennenlernen konnte.
 
Donnerstag zur freien Verfügung (wenn man nicht damit beschäftigt war seine Kostüme zu Ende zu bringen *haha*). Zeitgleich läuft ja die Japan Expo (die größte Messe zum Thema Japan, Anime und Manga in Europa).
 
Freitag dann auf der kleineren Bühne die Auslosung der Startreihenfolge sowie eine kleine Vorstellung der Teams, später am Tag Vorstellung auf der Hauptbühne wie bei einer Art Catwalk. Dann Proben bis in den Abend hinein.
 
Samstag zuerst der zweite Probendurchlauf. Dann die Show…
 
Der ECG bietet eine wirklich großartige Show, die Kostüme aller Teilnehmer waren super, einige auch unendlich aufwendig und in Sachen Bühnenrequisiten haben sich die wenigsten lumpen lassen. Falls jemand von den Blog-LeserInnen einmal die Gelegenheit hat und sich nur ein bisschen für Japan interessiert ist die Japan Expo und das ECG Finale definitiv einen Besuch wert!
 
Nach der Show die Preisverleihung. Wir haben uns angesichts der superkrassen Konkurrenz leider nicht platziert – allerdings haben wir uns da in guter Gesellschaft befunden, denn nur drei pro Kategorie konnten prämiert werden.
 
Am Samstag abends noch das „European Snack Gathering“, um den Finaltag ausklingen lassen.
 
Sonntag Shootings mit freier Kostümwahl; schöne Fotos von guten Fotografen. Eine Pizzaparty. Und dann war es auch schon vorbei.
 

 

Die Kostüme – Claud berichtet weiter:

Die Serie aus der wir gecosplayt haben heißt „Chūnibyō Demo Koi ga Shitai!“, in der es um den Hauptcharakter Yuuta geht, der versucht mit seiner kindischen Vergangenheit – die voll war mit Rollenspielen, imaginären Gegnern und Abenteuern und ihm selbst als den großen Helden „Dark Flame Master“- abzuschließen.

[Anmerkung von George: Chūnibyō = „Achtklässlerkrankheit“: Jugendlicher Wahn, sich selbst als einen das Böse bekämpfenden Helden zu empfinden.]

Yuuta wechselt an eine weitergehende Schule. Da ihn dort keiner von früher kennt, hofft er als ganz normaler Jugendlicher sein Leben weiterzuführen.
 
Allerdings gibt es das Mädchen Rikka in seiner Klasse, die noch immer ganz der Phantasiewelt verfallen ist und weiterhin an magische Kräfte, Kämpfen mit überdimensionalen Waffen glaubt (z.B: ihrem Regenschirm Schwartschild Prototype Mark II) und der Suche ist nach dem Horizont der Anderswelt.
 
Zudem ist Rikka ein großer Fan des Dark Flame Masters, den sie beim Spielen im Park beobachtet hat. So versucht sie mit allen Mitteln Yuuta zurück in die Welt der Phantasie zu ziehen.
 
In unserem Auftritt haben wir also versucht diese „Disharmonie“ von Yuuta und Rikka zu transportieren, denn sie versucht ihn hier dazu zu animieren wieder als Dark Flame Master aktiv zu werden, so dass sie gemeinsam kämpfen können.
 
Da Rikka in der Serie alle möglichen LED Dinge benutzt um alles „realistischer“ zu machen, haben wir auch auf einige Spielereien zurückgegriffen.
 
Weiter unten in der Linkliste zwei Videos von unserem Auftritt.
 
Da die Kostüme sozusagen selbst auch nur Cosplays sind (in der Serie tragen die beiden diese Sachen zum Sommerschulfest um dort einen Auftritt zu machen), haben wir z.B. die Schleifen von Rikka genau so hängen lassen wie es auf der Vorlage zu sehen ist, obwohl wir natürlich wissen, dass man sowas, damit es „gut“ aussieht verstärkt und schöner auffächert.
 
Folgende Schnittmuster haben wir verwendet:

Yuuta: Mantel, T-Shirt, 5 Pocket Jeans
Rikka: Corsage, Bluse, Mittelalter Wams (als kleine Hilfe für den Rock)
 
Wir haben auch die Kostüme vom „Catwalk“ am Freitag mithilfe von Passt! angefertigt, dabei haben die den Sakko-Schnitt und die Herrenhose abgewandelt.

 

Links zur Veranstaltung

European Cosplay Gathering http://www.european-cosplay-gathering.com/presentation.html
Video Auftritt Germany “Yuuta & Rikka” ECG Finals 2015 Germany Group Cosplay Chuunibyou Demo Koi Ga Shitai Rikka & Yuta HD (N-Gamz)
Weiteres Video vom Auftritt Germany ECG Season 5 Finals – Germany Group – Chunibyo Demo Koi Ga Shitai!
 
Vielen Dank für die Genehmigung zur Verwendung des Bildmaterials an:
Das Event: ECG – European Cosplay Gathering
Die Helfer EPIC
Der Photograph der Bühnenbilder CoolADN
Der Photograph vom Shooting Antony Gomes Photographe
 

 

Schnittmuster für COSPLAY

Lust darauf, das nächste Cosplay Outfit auch mit PASST! Schnittmustern nach Maß selberzuschneidern?
Wir haben da mal was für Euch vorbereitet…

 

Schnittmuster zum Artikel: Auf www.passt-online.de stehen wie immer alle im Artikel genannten Maß-Schnittmuster bereit.

Schnittmuster-Set COSPLAY (klein)
Kleines Schnittmuster-Set speziell für COSPLAY Fans zusammengestellt zum attraktiven Setpreis. Geeignet für als kreative Basis außergewöhnlicher Cosplays wie auch für hunderte alltagstaugliche Kleidungsstücke. …
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Schnittmuster-Set COSPLAY (groß)
Großes Schnittmuster-Set speziell für COSPLAY Fans zusammengestellt zum attraktiven Setpreis. Geeignet für als kreative Basis außergewöhnlicher Cosplays für weibliche wie männliche Charaktere wie auch für tausende alltagstaugliche Kleidungsstücke. …
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MATROSENKRAGEN

Was haben Donald und Miss Moon gemeinsam? Klar! Den Modegeschmack. Beide tragen bei öffentlichen Auftritten stets Matrosenkragen.

Der Matrosenkragen in seiner typischen hinten recht langen, rechteckigen Form oft mit aufgesetzten Streifen am robusten oder auch feinen  Shirt fand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei europäischen (wohl zuerst deutschen und britischen) Marineuniformen Verbreitung. Geschichten über den Sinn dieser Kragenform sind da viele: Evolutionäre Entwicklung aus einem Halstuch, besonderer Regenschutz, Schutz gegen Verschmutzung durch lange, umwickelte Zöpfe, Streifen als Rangabzeichen oder als Kerben gewonnener Schlachten, einfache Form für nähungeübte Männerhände, …  – alles Teile der Wahrheit oder Seemannsgarn.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts fand der Matrosenkragen den Weg aus der militärischen Kleidungsordnung in den Fashion Mainstream. Besonders Kinderkleidung mit Matrosenkragen war für Jungen (am Hemd, meist mit kurzen Hosen) wie für Mädchen (meist am Kleid oder an der Bluse mit Rock) ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis weit in das 20. Jahrhundert hinein sehr verbreitet.

Traditionell wird der Matrosenkragen von einem (schwarzen) gebundenen Tuch zusammen gehalten. In moderneren Zusammenstellungen sieht man häufig Schleifen (bei den Mädchen) oder Krawatten.

Die vorherrschenden Farben der Seemannskleidung, meist aus Baumwolle oder Leinen, waren dunkelblau und weiß, möglich auch kombiniert mit grau und rot.

In der Mode wurde das Uniformvorbild diesbezüglich – besonders in der Kindermode –  im Wesentlichen übernommen. Bei der Damenmode durfte das Stilelement Matrosenkragen freier interpretiert werden: angepasste Formen, Pasteltöne oder edles Material wie Seide oder Spitze waren erlaubt.

Beide – Matrose wie Mode – kamen herum in der Welt.

Ob nach Vorbild der Seemänner oder der vorherrschenden westlichen Kindermode oder beidem, initiiert durch westlich-aufgeschlossen-moderne ErzieherInnen: Der Marine-Look mit Matrosenkragen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Vorlage von Schuluniformen, am bekanntesten wohl in Japan, da bis heute erhalten und in Mangas millionenfach abgebildet.

In den Schuluniformen wurden über die Jahre Materialien wie Farben oder Ergänzung mit anderen Kleidungsstücken (oft ein Blazer) der Matrosenstil weiterentwickelt. Es wurde teilweise bunter und kariert-gemusterter, weiter bestimmt aber dunkelblau und weiß das Bild.

Die japanische Mädchen-Schuluniform – Bluse mit Matrosenkragen und kurzer Faltenrock – ist durch die alltägliche Verbreitung auch die natürliche, typische Kleidung vieler Teenie-Heldinnen in asiatischen Comics und Zeichentrickfilmen. Über Mangas und Anime-Fernsehserien findet dieser Look wieder zurück rund um die Welt: Wer heute zu den Cosplay-Fans zählt (siehe vorhergehender Blog-Artikel), kommt am Matrosenkragen kaum vorbei.

Fest verbunden ist der Matrosenkragen sowohl mit dem ewig junggeblieben-chaotischen US-Bürger mit dem gelben Schnabel wie auch mit dem langzöpfigen japanischen Wunderschulmädchen. Das Modedetail Matrosenkragen vereint so denkbar westlichste und östlichste Kulturen.

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
MATROSENKRAGEN (Gratis-Schnittmuster)
Basisschnittmuster MATROSENKRAGEN in vielen klassischen und modernen Varianten. Kragenform, Ausschnittform, Länge und Breite des Kragens sind einstellbar. Ansetzbar an viele Schnittmuster von Oberteilen …
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Schnittmuster für COSPLAY

3. Juli 2015 1 Kommentar

George sitzt in der Lounge mit Blick von der Reede vor Road Town, auf den Knien das Notebook zur Durchsicht der Mails. „Der wohl coolste Arbeitsplatz wo gibt“, denkt er bei sich.

Neben dem ganz normalen Tagesgeschäft eine spannende Mail: Eine Claud fragt nach Schnittmustern: „Ich schreibe aufgrund einer Sponsoring Anfrage des deutschen European Cosplay Gathering Teams 2015. Wir haben uns auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahres beim deutschen Vorentscheid für das European Cosplay Gathering qualifiziert und werden Anfang Juli zur Japan Expo nach Paris reisen, um dort Deutschland in einem europaweitem Kostüm-Wettbewerb zu vertreten. Hierbei geht es darum mit einem Kostüm zu überzeugen, bei dem eine gewählte Vorlage so genau wie möglich umgesetzt wird, und dieses dann in Form eines kurzen Theater-Sketches auf einer Bühne zu präsentieren.“

Da George die Kreativität und besondere Affinität zum Selberschneidern der Cosplay-Szene sowohl bei seinen Besuchen auf der Leipziger Buchmesse wie auch auf einer Cosplay-/-BJD-Convention in Berlin bewundert hat, wurden die benötigten Schnittmuster gern bereit gestellt.

Aus dem folgenden Mailverkehr:

George: „Was ist eigentlich Cosplay?“

Claud: „Cosplay ist das Hobby sich als seine Lieblingsfigur egal aus welchen Medien zu verkleiden, mit selbst genähten und gebastelten Kostümen und das nicht nur zur Karneval oder Halloween Saison sondern das ganze Jahr über.“

George: „Und dazu wird gern genäht…“

Claud: „Cosplay ist, wie kein zweites, vergleichbares Hobby in Deutschland, eine riesige neue Subkultur, die sich die Freude des Nähens angeeignet und wieder salonfähig gemacht hat.“

George: „Nach welchen Kriterien sucht Ihr die Schnittmuster aus?“

Claud: „Wir verwenden die Schnittmuster immer je nachdem ob sie zur Vorlage passen, dabei benutzen wir sie meistens für Cosplay und ändern sie dann entsprechend der Vorlage ab, aber auch für Eigendesigns, bei denen man ja freier ist, sind sie sehr praktisch, da hier dann die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten zusätzlich inspirierend sind, und auch für LARP (z.B. Harry Potter, dort hat man ja als feste Vorlage die Mäntel aus den Filmen. Bei Fantasy LARPs ist man wieder freier, da man hier zwar je nach Setting auf eine bestimmte Epoche festgelegt ist, aber dennoch die genauen Schnitte freier wählen kann).“

Claud: „Viele Cosplays bestehen aus einer Schuluniform, meistens aus einem Faltenrock, einem Oberteil mit Matrosenkragen und einem Blazer.“

Claud: „Ein kleiner Trick von uns: Da wir auch männliche Charaktere cosplayen haben wir uns mit unseren Maßen zweimal im Programm eingetragen, einmal als weiblich und einmal als männlich, das berechnet dann die Schnitte authentischer.“

George: „Und welche Schnittmuster nutzt Ihr aktuell?“

Claud: „Für die Japan Expo in Paris speziell arbeiten wir mit folgenden Schnittmuster für unsere Finalkostüme: MANTEL, CORSAGE, BLUSE, T-SHIRT, HERRENHEMD, JEANS. Und bei den Kostümen des Vorentscheid – also die mit denen wir uns den Platz im Finale ergattert haben: Dort haben wir auch einen Schnitt verwendet, nämlich den T-SHIRT-Schnitt mit dem wir die Weste und die Ärmel gemacht haben.“

George: „Danke für die interessanten Einblicke, Claud. Und viel Erfolg in Paris!“

Claud (schon auf dem Sprung): „Danke noch einmal für die Unterstützung, die Schnitte helfen wirklich ungemein Zeit zu sparen. Wir sind etwas unter Zeitdruck mit den Kostümen für Frankreich. Eine typische Cosplayerkrankheit :D“

Weg war sie, auf nach Paris. Aber das Problem der Knappheit an Zeit haben nun wirklich nicht nur die Cosplayer gepachtet. Wohl eher eine Eigenschaft engagierter ZeitgenossInnen jeder Branche. Deshalb ergänzend besserwisserisch mit auf den Weg:

George: „Wie erging es Ihnen seinerzeit mit Ihren Projekten?“

Mark Twain: Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von Claud von den Rainbow Riders. Fotos der fertigen Modelle folgen nach Abschluss der Japan Expo.

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen die genannten Maß-Schnittmuster bereit.
MANTEL
Basisschnittmuster MANTEL. Variabel in genereller Weite und Rockausstellung, Länge und Verschlussbreite. Reverkragen, Umlegekragen und Stehkragen. Zweiteiliger Ärmel …
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CORSAGEN
CORSAGEN Basisschnittmuster in den Grundformen CORSAGE mit Cups, mit Brusthebe und offen sowie als BUSTIER und WASPIE. Verschiedene Längen und Abschüsse wie Schnebbe, Läppchen/Schößchen oder Strumpfhalter. Viele geeignete Varianten für Ober- und Unterbekleidung …
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BLUSEN
Das Basisschnittmuster DAMENBLUSE für passt! ermöglicht mit tausenden einstellbaren Varianten die Grundlage unterschiedlichster Blusenformen für jeden Anlass. Einstellbar sind: …
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T-SHIRT
Basisschnittmuster T-SHIRT für passt! nach Ihren persönlichen Maßen in hunderten Varianten aus kombinierbaren Passformen, Ausschnittformen, Ärmelformen, -weiten und –längen, Saumlängen …
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HERRENHEMD
Basisschnittmuster klassisches HERRENHEMD mit Schulterpasse. Variable Paßformen, Krägen, Ärmelweiten und -abschluss. In vielen Varianten auch für die Dame geeignet …
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5-POCKET-JEANS
Basisschnittmuster 5-Pocket-JEANS für passt! nach Ihren persönlichen Maßen in zahlreichen kombinierbaren Varianten für Sie, Ihn und Es. Einstellbar sind …
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SAKKO Formenkunde

21. Mai 2015 2 Kommentare

Inzwischen bewährte Praxis, im Rahmen neuer, komplexerer Schnittmuster-Projekte auch etwas Hintergrundinformation zusammenzutragen:

Das SAKKO

Das Kleidungsstück „Sakko“  umfasst bestimmte Ausprägungen  einer Jacke.

Typisch ist das Sakko die formal recht festgelegte, meist etwa hüftlange Jackenform für einen Herrenanzug (Hose in gleichem Material gefertigt) oder einer Herren-Kombination (Hose aus anderem, teilweise auch legeren Material). Aber auch für Damen ist dieses Kleidungsstück – oft als Teil eines Hosenanzugs oder mit etwa knielangem Bleistiftrock  – sehr elegant im Businessbereich anzutreffen.

Das Sakko hat sich im Laufe der letzten 200 Jahre aus dem Gehrock entwickelt, der bereits in den Jahrhunderten davor in den jeweilig zeitgemäßen Modevarianten eine typische Jackenform für Männer darstellte. Der Gehrock war schnitttechnisch in Taillen-Höhe geteilt aus einem oberen Jackenteil und einem unteren – oft ausgestellten – Rockteil gearbeitet. Das Sakko dagegen ist einteilig geschnitten, in der Regel durch einen Taillenabnäher geformt.

Kaum ein anderes Alltagskleidungsstück ist heutzutage so formal definiert  wie das Sakko. Gesprochen wird über  Anzahl der Knöpfe und Knopfreihen, wenige Reversformen, bestimmte Materialien und Farben, einige andere Details, aber meist steht aufgrund der vorgesehenen Nutzung eigentlich schon alles fest.  Dies soll aber die geübte SelberschneiderIn nicht hindern, aus traditionellen Schnittformen individuelle Kunstwerke zu fertigen. Passend zu den formalen Formen des Sakkos besteht eine Reihe von unterschiedlichen formalen Verhaltensweisen beim Tragen dieses Kleidungsstücks. Wir sind aber hier SelberschneiderInnen-Blog und nicht Benimm-Lexikon…

Viele andere Bezeichnungen beschreiben entweder das gleiche Kleidungsstück in verschiedenen deutschsprachigen Regionen, oder ganz bestimmte Varianten für traditionell bestimmte Anlässe.

Häufig zu finden sind die Bezeichnungen Jackett, Blazer, Smoking, Tuxedo ,  Frack, Cutaway,  Veston , Janker oder Joppe.

Knöpfe / Knopfleiste

Generell unterschieden werden Sakkos mit einer oder zwei Knopfreihen. Gängig im Alltag und im Büro sind einreihige Sakkos. Noch formaler aber auch eleganter, meist auf bestimmte Anlässe beschränkt, Uniform-artiger wirkend sind Zweireiher.

Meist besteht jede Knopfreihe aus zwei oder drei Knöpfen. Ein einzelner Knopf ist typisch an festlicher Abendgarderobe zu finden. Vier Knöpfe sind seltener. Viele Knöpfe sind vor allem an traditionellen Trachtenmodellen zu finden.

Der Ärmel mit einem Schlitz an der hinteren Naht ist typischerweise mit vier kleineren, funktional unnotwendigen  Knöpfen geschlossen. Hier ist eine offene Ausführung mit richtigen Knopflöchern Indiz für ein Maßmodell – Stangenware ist hier meist nur mit Fake-Knopfleiste ausgestattet.

Revers

Das Revers ist der lang vom Hals bis zur Knopfleiste heruntergezogene, aus einem breiten inneren Beleg heraus umgeschlagene Kragen des Sakkos.

Meist ist das Revers schnitttechnisch vorn geteilt in einen angeschnittenen Teil und ein extra Kragenteil, wobei durch die Schnittform offene Spitzen am Revers entstehen, die nach unten zeigen können (fallende Fasson) oder nach oben (steigende Fasson). Möglich ist aber auch ein komplett am Vorderteil / Beleg angeschnittener Schalkragen, z.B. beim Smoking.

Abstich

Als Abstich bezeichnet wird der Verlauf / die Form von der Knopfleiste bis zum Saum.

Typisch beim Sakko ist hier ein geschwungener, runder Verlauf zu finden. Besonders bei zweireihigen Modellen ist der Abstich eckig.  Einen außergewöhnlichen Abstich zeigt der Cutaway (kurz „Cut“, ähnlich dem „Stresemann“) , bei dem der runde Verlauf bis in den Rücken hinein reicht. Und da ist natürlich der Frack, bei dem der Abstich nach einem kurzen, taillenhohen Verlauf vorn steil zu einem recht langen, spitzen Rückenteil zuläuft („Pinguin“).

Schlitze

Im Rücken der meisten Sakko-Formen sind Schlitze eingearbeitet, die die Bewegungsfreiheit (ursprünglich vor allem beim Reiten) verbessern.

Meist ist entweder ein zentraler Schlitz in der hinteren Mittelnaht gearbeitet, oder zwei seitlichere Schlitze in der Naht zwischen Rücken- und Seitenteil.

Taschen

Traditionell besitzen Sakkos drei äußere Taschen: zwei große, vorn/seitliche Hüfttaschen und eine oben offene kleine Tasche im linken Brustbereich, die gern für ein sorgfältigst drappiert eingestecktes Tuch verwendet wird.

Die Hüfttaschen sind oft innenliegend gearbeitet und mit einer abgerundeten Taschenklappe verschlossen (Patten-Tasche), können aber auch aufgesetzt sein mit und ohne Klappe, oder auch offen durch einen Schlitz oder eine Paspel erreichbar.

Seltener zu finden sind weitere, formal  definierte Zusatztaschen im vorderen Hüftbereich, z.B. Billet-Taschen oder Uhren-Taschen.

Futter

Sakkos sind meist komplett gefüttert. Lediglich sehr legere Modelle (z.B. aus Jeans-Stoff) sind ohne Futter und zeigen damit innen die Verarbeitung. Im Futter sind üblicherweise mehrere Innentaschen eingearbeitet.

Material

Das Sakko erscheint oft in schwarzen, dunkelgrauen oder dunkelblauen Wollstoffen, nicht oder nur dezent (z.B. mit schmalen, unaufdringlichen Nadelstreifen) gemustert. Den Damen vorbehalten sind für die meisten Anlässe kräftigere gewebte Muster bis hin zu Designer-Wollstoffen (1. Reihe der Materialbilder).

Wer es spannender mag, fertigt sein Sakko aus alternativen, dennoch sehr geeigneten Materialien:  Seide in uni oder gemustert (2.Reihe, Bild 1+2), Baumwoll-/Jeans-Stoffe (2.Reihe, Bild 3+4) oder warum nicht auch aus Kunstpelz, der kuschelig am umgeschlagenen Revers das innere Kunstwildleder umspielt (2. Reihe Bild 5).

Auch beim Futter die Entscheidung: Traditionell schlicht schwarz/grau oder – in den letzten Jahren auch im Handel häufiger anzutreffen – Futter mit Mut zur Farbe (3.Reihe).


Das Schnittmuster

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SAKKO
Variantenreiches PASST! Basisschnittmuster für Damen- und Herren-SAKKOs mit verschiedenen Grundformen geeignet beispielsweise auch für Jackett, Blazer, Smoking, Cut, Stresemann, Frack  …
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