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Keyword: ‘Gradierung’

Das Paradigma der Gradierung

1. Februar 2016 4 Kommentare

golden-pattern Schnittmuster nach Maß

Seit sehr vielen Jahrhunderten befassen sich die Menschen mit der Herstellung zunehmend den Körperformen angepasster, individueller Kleidung. Die Kleidung wird zumeist aus in Bahnen gewebten Stoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs hergestellt. Um aus diesen zweidimensionalen, rechteckigen Stoffbahnen den oft stark dreidimensionalen Menschen zu verhüllen, haben unsere pfiffigen Vorfahren Schnittmuster mit raffiniert geschwungenen Formen erdacht, die an den Kanten zusammengenäht den überaus komplexen menschlichen Körperbau überraschend perfekt umschließen können.

Nun sind Menschen sehr unterschiedlich gebaut. Nicht nur, dass sie mehrheitlich dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht mit jeweils spezifischen Körperformen angehören; sie sind auch sehr klein bis fast schon riesig; sie sind spargeldürr bis extraknuffig.

Aus diesem Grund ist Kleidung in sehr unterschiedlichen Abmessungen erforderlich. Solange die Herstellung zumeist im Haushalt erfolgte, war eine ganz pragmatische „Maßschneiderei“ üblich: Grob zuschneiden, anprobieren, optimieren, zusammennähen.

Spätestens mit Einzug der industriellen Produktion von Kleidungsstücken waren aber Regeln für die Maße der Kleidungsstücke/Schnittmuster erforderlich. Alle Menschen wurden in „Konfektionsgrößen“ eingeteilt, je nach Land, Kultur und Komplexität der Kleidungsstücke in vielleicht so um die 100. So gibt es in Deutschland beispielsweise Konfektionsgrößen für Babies, Kinder, Jugendliche, Damen und Herren, die beiden letzteren auch in normal, kurz und lang, und der Herr (wie fies!) alternativ auch mit Bauch. Es seien einmal beispielhaft die deutschen Damengrößen 36 oder 44 genannt.

 

golden-pattern Schniottmuster nach Maß

Die Gradierung

Um Kleidungsstücke herstellen zu können, sind Schnittmuster in den einzelnen Konfektionsgrößen erforderlich. Ein Designer hat die Form für z.B. ein Kleid entworfen, ein Ur-Schnittmuster in einer definierten Größe (z.B. Damen 36) wird erstellt. Und daraus werden dann alle anderen gewünschten Größen nach Regeln abgeleitet (38, 40, 42, …): das nennt sich Gradierung.

Zur Anleitung dieser Gradierung entstanden in den letzten 150 Jahren Unmengen von Fachliteratur, inhaltlich und formal überraschend ähnlich. Da werden „Sprungwert-Tabellen“ verwendet, eine „Interpolation“ zwischen Größen wird erforderlich, Sätze zur Konstruktion sind niedergeschrieben wie „… ein Zwölftel des Hüftumfangs plus 1,5 cm rechtwinklig zu …“.

Die generelle Logik der Gradierung ist die Definition festgelegter Stufen bei bestimmten Körpermaßen in Zentimetern (oder der jeweils landestypischen Längeneinheit) zwischen den einzelnen Konfektionsgrößen – so liegen zwischen der Konfektionsgröße Damen 36 und Damen 38 im Hüftumfang genau xx,x Zentimeter.

 

Gradierung kontra Mensch

Aus der Vorgehensweise zur konfektionierten Kleidungsherstellung an sich und der Gradierung ergibt sich eine Reihe von Problemen.

Als erstes und wichtigstes entspricht statistisch kaum ein Mensch einer der festgelegten Konfektionsgrößen. Schauen wir uns nur einmal die für die Passform existentiellen Maße Körpergröße, Brust-, Taillen- und Hüftumfang an. Wohl niemand von Ihnen werten LeserInnen wird in einer Konfektionsgrößen-Tabelle exakt die korrekten Werte finden. Schlimmer noch: Die Proportionen passen wahrscheinlich nicht besonders. Vielleicht sind Sie zu groß, die Taillenhöhe falsch oder das Hinterteil zu rund…

Weiterhin sind die Regeln zur Gradierung für Menschen nahe des Zentrums der Normalverteilung aller auftretenden Maße und Proportionen ausgelegt. Die Gradierung schwächelt bei vielen selteneren Proportionen – speziell bei den knuffigeren ZeitgenossInnen – und versagt allein schon durch die Nennung konkreter Längenangaben völlig für die Herstellung von Kleidungsstücken in untypischen Körpergrößen, z.B. für Puppen.

 

Das Paradigma der Gradierung

Die Grundlagen der heute praktisch unverändert genutzten Schnittmuster-Gradierung sind entstanden in Zeiten von Papier und Stift und manueller Grundrechnung. Mit diesen Möglichkeiten entstanden – teilweise durch Anpassung praktischer Erfahrungen – bestmögliche Algorithmen für die Konstruktion typischer Kleidungs-Schnittmuster: Kleid und Rock, Hose und Sakko. Es wurden die häufigsten Standard-Konfektionsgrößen der Menschen festgelegt und dokumentiert und Algorithmen zur Abbildung der Schnitt-Teile, mit festen Größenannahmen, Abständen und Abstufungen in Zentimetern.

Generationen von Fachbuch-AutorInnen, Schnittmuster-Hersteller und SchneiderInnen arbeiten seither mit diesen Ansätzen, einem Paradigma, fest verankert in den Köpfen aller Insider.

George erinnert sich an ein Projekt-Kickoff zur Maßschnittmuster-Veröffentlichung mit einem Modeverband. Gespräch mit der Schnittmuster-Verantwortlichen, einer verdienten Dame und anerkannten Fachbuch-Autorin.

Dame:  Wie gradieren Sie von 32 auf 34?

George: Was ist gradieren? Was ist 32 und 34?

Dame: (erst sprachlos — dann abschließendes, George die Qualifikation absprechendes Gebrabbel)

Das Projekt wurde nach dem Workshop eingestellt. Die innovative Projekt-Initiatorin und –Leiterin konnte sich gegen die einflussreiche Schnittmuster-Expertin nicht durchsetzen.

Nun sind Paradigmen an sich nichts Schlechtes. Der Glaube und erste Gedanke „Das MUSS so sein, das war IMMER schon so!“ spart Zeit und viel Chaos durch sonst drohendes, unendliches Trial and Error. Aber das Thema Gradierung wäre reif für einen Paradigmen-Wechsel…

 

golden-pattern Schnittmuster nach Maß

Modulieren statt Gradieren

Der Form des einzelnen Menschen und damit auch die Schnittmuster-Teile für umhüllende Kleidung sind definiert durch eine Anzahl von relevanten Maßen. Einige davon sind beispielsweise Körpergröße, Brust-, Taillen-  und Hüftumfang. Diese Maße stehen in bestimmten Abhängigkeiten zueinander, um eine menschliche Form abzubilden, streuen aber weit in den absoluten, stufenlosen Werten wie in der Proportion zueinander. So kann beispielsweise der Taillenumfang sowohl deutlich kleiner als auch deutlich größer sein als der Brust- und/oder der Hüftumfang. Die möglichen Kombinationen der einzelnen Maße ergeben eine nahezu unendliche Anzahl auftretender menschlicher Formen.

So muss jeder Versuch scheitern, mit einer Standard-Konfektionsgröße (= abgestufte, festgelegte Proportion) ein für irgendeinen Menschen wirklich passendes Schnittmuster bereit zu stellen.

Nun ist in der Konfektionsherstellung wohl eine Gradierung erforderlich und eine wirtschaftlich bedingte Konzentration auf den Mittelwerts-Menschen verständlich und statthaft. Anders als in anderen Industrien ist der Weg zu „Losgröße 1“ noch kaum angedacht.

Für die Bereitstellung von Schnittmustern für SelberschneiderInnen ist eine Einteilung in Standard-Konfektionsgrößen aber überholt; ein Relikt aus Zeiten von Kurvenlineal und Bleistift, aus Logistik- und Lagerkosten der Schnittmuster-Verlage und der Stoffabteilung des Kaufhauses als Bezugsquelle.

Neue Algorithmen – nennen wir sie Modulierung –  berücksichtigen die Maße des Menschen wie sie sind: vielfältig und stufenlos. Die Größe 38 ist nur noch eine willkürlich festgelegte Ausprägung von Maßen, genau wie die Maße von Ihnen, Ihrem Partner, Ihren Kindern oder Ihrer Puppe oder auch mir jetzt genau am heutigen Tag.

Modulierte Schnittmuster bieten eine gravierend bessere Passform für die Herstellung von Kleidungsstücken als gradierte Schnittmuster jemals in der Lage wären zu liefern.

 

golden-pattern Schnittmuster nach Maß - PASST!

Schnittmuster nach Maß mit modulierenden Algorithmen

Die Schnittmuster von golden-pattern® Schnittmuster nach Maß werden individuell konsequent nach modulierenden Algorithmen erstellt. Jedes Ihrer Maße zählt zur Ausgabe einer bestmöglich passenden Konstruktion Ihres Wunschkleidungsstücks.

Die Maßschnittmuster-Software PASST! (für Windows-PCs) können Sie sofort, kostenlos und unverbindlich ausprobieren mit dem ebenfalls kostenlosen Probe-Schnittmuster TSHIRT.

golden-pattern Schnittmuster nach Maß - PASST!

 

Kostenloser Download der Maßschnittmuster-Software PASST! und des variantenreichen Basis-Schnittmusters TSHIRT:

www.passt-online.de 

 

Viel Spaß beim Selberschneidern!

golden-pattern GOOD BYE!

16. September 2019 8 Kommentare

Zwanzig Jahre. 1999 – 2019 hat das Hobby-Projekt golden-pattern interessierten SelberschneiderInnen Schnittmuster nach Maß am eigenen PC geboten, eine sehr gut fünfstellige Anzahl deutschsprachiger Menschen etwa 80% weiblichen und 20% männlichen Geschlechts haben mit den beiden golden-pattern Software Generationen GOLDPATT und PASST! nach ihren eigenen persönlichen Maßen Kleidungsstücke geschneidert.

Aufmerksame KundInnen haben es bereits seit geraumer Zeit bemerkt: Seit gut 2 Jahren sind keine neuen Schnittmuster für PASST! mehr hinzugekommen, alle Aktionen und Newsletter sind ausgelaufen.

Dieser Tage ist nun endgültig Schluss mit dem Projekt golden-pattern. Der Shop wird geschlossen. 20 Jahre sind ein gutes Alter für eine private kleine Software-Idee. Kein Anlass zur Trauer.

Wer an dieser Stelle droht in spontane Panik zu verfallen: Ihre erworbenen Schnittmuster-Lizenzen können Sie natürlich weiterverwenden, möglicherweise noch in sehr vielen Jahren. Hierzu folgt kurzfristig an dieser Stelle ein spezieller Artikel „PASST! Schnittmuster offline nutzen“.

Ostern 1999 entstand die Basis der Software GOLDPATT über ein langes Wochenende aus Eigenbedarf nach Frust mit wortwörtlich für die wohl unnormalen Proportionen Georges Familie unpassenden Papierschnittmustern des Marktführers. Einmal im Internet platziert, war das Interesse groß.
Wer etwas mehr über die Vergangenheit von golden-pattern und die Philosophie dahinter lesen mag:

https://selberschneidern.blog/2015/09/18/schnittmuster-fuer-menschen/
https://selberschneidern.blog/2016/02/01/das-paradigma-der-gradierung/
https://selberschneidern.blog/2013/10/06/r-i-p-goldpatt-1999-2013/

2010 dann die nächste Generation, PASST!. Unzulänglichkeiten des mit der heißen Nadel getrickten GOLDPATT wurden beseitigt, die Möglichkeiten der Schnittmuster gravierend erweitert. Schnittmuster für so gut für jede Gelegenheit entstanden – gut 100 Schnittmuster in hunderttausenden von Varianten. Und ein richtiges, gebundenes Buch – und CDs für den Versand per Snailmail – echt OldStyle eben auch.

Bereits seit einiger Zeit wäre der nächste Generationswechsel angesagt. Viel tut sich in Technik und Zeitgeist. Mobile Devices, Datenschutzgesetz, Responsive Design, Micro Payment, Installation trotz aktuellem Virenschutz und Firewalls, … – der Punkte sind einige. PASST! und der Shop funktionieren, sicher, aber nicht mehr voller Jugend und Stolz.

golden-pattern wurde fast über seine gesamte Lebensdauer rein nebenberuflich und mit „Zero budget“-Anspruch entwickelt und betrieben. Ein Hobby-Projekt von George halt. Es hat viel Spaß gemacht über die Jahre, die vielen interessanten Kontakte mit unterschiedlichsten SelberschneiderInnen, neben „ganz normal“ auch CosplayerInnen, Mittelalter-Volk, Furries, LatexLeute, BJD und Fashion Doll Fans, …., Märkte und Messen.

Interessant auch über 20 Jahre die Konkurrenz zu beobachten. Es gab neben golden-pattern kaum Versuche, Schnittmuster nach Maß abseits der traditionellen Gradierung (siehe auch den Link „Paradigma der Gradierung“ oben) anzubieten. Die meisten dieser Versuche scheiterten schnell, und genau wie George ist wohl auch niemand anderes mit dieser Idee Millionär geworden ;-). Und interessant, dass keiner der großen Schnittmuster-Anbieter innovativ vorangeht – es werden weiter die viktorianischen Kühe fast ohne Lifting gemolken mit immer neuen Stoffen über immer neuen Models.

Jetzt ist Zeit für neue Ideen, für ein neues Hobby-Projekt von George, vielleicht für die nächsten 20 Jahre. Andere Branche. Anderes Universum. Neue Herausforderungen. Schon gestartet.

Weiterverwertung der entstandenen Schnittmuster und Technologie? George hat einen groben Plan zur kostenlosen Bereitstellung der Schnittmuster nach Maß. Aber noch nicht entschieden. Vielleicht meldet sich auch jemand aus der Branche, der das Thema übernehmen mag. Time will tell.


Sobald etwas Neues diesbezüglich passiert – in diesem Blog wird es zu lesen sein.

Kategorien:Internes

Schnittmuster für Menschen

18. September 2015 Hinterlasse einen Kommentar

Gestern hat der Facebook Auftritt von golden-pattern Schnittmuster nach Maß ein neues Profilbild erhalten. Keine große Sache eigentlich, wird doch täglich von Millionen Nutzern dieses kleine persönliche Logo durch ein allerneuestes Selfie ersetzt. Und das alte war ja nun wirklich vom letzten Jahrtausend. Dennoch hier einige Worte über die Ideen hinter diesem kleinen Bild und vor allem über die Menschen, für die wir arbeiten.

Schauen wir uns das Profilbild kurz an: Die Schere – klar. Die Schere ist schon immer das Icon der golden-pattern Software. Und dieses Werkzeug symbolisiert wohl am besten die Schneiderei – zumindest wenn eine Erkennbarkeit bei sehr kleinen Bildgrößen eine Rolle spielt.

Aber schauen wir auf die Silhouetten:

Schnittmuster für Menschen

v.r.n.l.: Teenie, Knuffie, Mann, Frau, Preggy, Skinny, Kiddy, Dolly

Die Silhouetten symbolisieren die Menschen, für die wir Schnittmuster entwickeln. Der Anspruch: Egal ob klein oder groß, dünn oder dick, Frau oder Mann – das Schnittmuster soll stets die bestmögliche Anpassung an die persönlichen Proportionen bieten. „Mensch ist Mensch“ könnte man denken, aber bei näherem Hinsehen ist keine Person wie die andere geformt.

Falls Sie mehr weibliche als männliche Silhouetten identifizieren: In der Tat. Obwohl sich fast die Hälfte unserer Schnittmuster auch für Herren eignet, sind etwa 90% unserer KundInnen weiblichen Geschlechts; und auch die meisten verkauften Schnittmuster sind typisch weiblich.

Je nach Proportion des Menschen zeigen sich unterschiedliche Motivationen zum Selberschneidern und es bieten sich die unterschiedlichen schnitttechnischen Herausforderungen.

Schauen Sie sich einmal die nachfolgenden Kategorien an: Finden Sie sich wieder? Kommentare willkommen!

FRAU – der statistische Mittelwert

Mit „Frau“ ist hier nicht die Hälfte der menschlichen Bevölkerung gemeint, sondern die hinsichtlich Ihrer Körperform „normale“ Frau, die sich in der Normalverteilung im Interessenbereich der Standardkonfektionsketten befindliche. Sagen wir so etwa Konfektionsgröße 36 bis 42, vielleicht etwas größer oder kleiner als die Norm-168.
Die Frau kann in jedes Kleidungsgeschäft, in jede Boutique gehen und findet schnell etwas Passendes. Warum also nähen?

Für die Frau wie für alle anderen Kategorien gilt: Wohl niemand in unserem Kulturkreis schneidert heute selber, um Geld zu sparen. Für die Dumpingpreise fernöstlicher Diskountketten-Importe kann niemand bei uns auch nur das Material kaufen, von der Nähzeit ganz zu schweigen.

Die Frau näht für das persönliche Kleidungsstück, für etwas Außergewöhnliches. Besonderes Material, besondere Form, besonderer Anlass sind die Motivationen. Und natürlich Hobbies, wie bei jeder anderen erwachsenen Kategorie.

Schnitttechnisch ist die „normale“ Frau bestens erforscht. Bücher – besser Standardwerke – über Schnittkonstruktion für Damenmode gibt es zuhauf. Zwar nicht für stufenlos proportionale Maßalgorithmen (glücklicherweise, unser Wettbewerbsvorteil ;-)), aber unter Wegdenken der Zentimeter-von-oben-Paradigmen dieser Branche können platte Stoffteile der persönlichen Form der Frau gut angepasst werden.

MANN – seltenerer Selberschneider

Wie oben bereits erwähnt, liegt der Männeranteil unserer KundInnen bei etwa 10%. In dieser Größenordnung oder nur wenig höher schätzen wir auch den Anteil der Kleidungsstücke, die aus unseren Schnittmustern am Mann landen (schwieriger zu sagen; Männer nähen für Frauen und Frauen für Männer).

Der „normale“ Mann (bekommt Alltagskleidung in jedem Geschäft) schneidert selbst nach den Rückmeldungen hauptsächlich für sein Hobby – Mittelalter-Sachen und Kleidungsstücke für Auftritte jeder Art spielen eine wichtige Rolle.

Männer mit eher nicht alltäglichen Proportionen haben dieselbe Motivation zum Selberschneidern wie ihre jeweiligen weiblichen Form-Genossinnen – siehe dort.

Für die Schnittkonstruktion für Männer gilt das oben bereits gesagte: Ausreichend jahrzehntelang bewährte Fachliteratur bietet sichere Algorithmen für den „normalen“ Mann.

KNUFFIE – inniger Wunsch nach passender Kleidung

Die größte Herausforderung und mit die dankbarsten Kundinnen: Die Frau mit üppigeren Rundungen an den unterschiedlichsten Stellen.

Die XXL-Ecken in den Bekleidungshäusern sind übersichtlich, die Spezialgeschäfte für Übergrößen teuer und oftmals einfallslos, und keines der Stangen-Kleider will wirklich gescheit sitzen. Hier kann selberschneidern auch für Alltagskleidung Erfolgserlebnisse bringen.

Mit der Schnittmusterkonstruktion – insbesondere mit der stufenlosen Gradierung universeller Schnittmuster – ist es im fortschreitenden Übergrößenbereich absolut nicht einfach. Die persönlichen Proportionen selbst von Personen gleicher Grundmaße können sehr unterschiedlich ausfallen. Auch eignet sich nicht jeder Grundschnitt speziell im Bereich der Brust und des Ärmelausschnitts für jede Proportion.

Wir mögen unsere knuffigen Kundinnen und bemühen uns. Wir testen unsere Schnittmuster standardmäßig bis Größe Damen 64, auch in kurz und lang, und gegen vorhandene Kunden-Referenzmaße. Nicht immer ist alles möglich, aber in jedem Fall bietet das Schnittmuster eine bessere Ausgangsbasis mit weniger manuellen Anpassungen gegenüber einem Standardgrößen-Papierschnittmuster.

SKINNY – Idealbild der Mode

Die ideale Figur der Kundin für die Hersteller von Kleidung (und damit auch Schnittmustern) ist die (sehr) schlanke Frau mit kleiner Brust und wenig Po. Wir wollen uns bitte dabei aber gar nicht in die Diskussion über die Model-Branche und wandelnde Schönheitsideale einmischen und schon überhaupt gar kein Ziel vorgeben.

Die schlanke, eher knabenhaft gebaute Frau hat die besten Chancen, recht einfach mit nur minimalem Optimierungsaufwand perfekt sitzende Kleidungsstücke selber zu schneidern: schmale Abnäher oder gar Abnäher-freie Varianten, spannungsarme Hals- und Armausschnitte, glatter geschmeidiger Fall langer Kleider ganz ohne Unterbrechung durch Love Handles.

PREGGY – Babybäuche und mehr

Ein häufiger Grund, Kleidungsstücke selber zu schneidern, ist eine (temporäre) körperliche Veränderung, für die es im Geschäft ein nicht so großes Angebot gibt, oder für die besondere optische oder materialtechnische Wünsche vorliegen.

Warum so kompliziert ausgedrückt? Schließlich will ein Babybauch bequem verhüllt werden und angemessen stolz vorangetragen. Und ein Hängerchen aus weicher Baumwolle mit süßem Druck ist schnell genäht.

Spezielle Schwangerschafts-Modelle bieten wir (derzeit nicht besonders ausgewiesen – eigentlich eine gute Idee!) nicht an, aber viele Modelle eignen sich auch für die rundesten Bäuche. Am besten hierfür den Taillenumfang anpassen. Und der Saum muss eh gerade abgesteckt werden.

Zurück zum komplizierten ersten Satz. In dieser Kategorie sehen wir auch die KundInnen, deren Körperform oder typische Körperhaltung aus anderen Gründen, z.B. einer körperlichen Behinderung, stark vom Durchschnitt abweicht. Auch hier kann ein Maßschnittmuster in vielen Fällen helfen (z.B. Ausdruck unterschiedlicher linker und rechter Schnittteile bei Asymmetrie)

TEENIE – junge SelberschneiderInnen

Erfreut beobachten wir die Verjüngung unserer KundInnen über die letzten Jahre. Wer sich in den Stoffgeschäften umschaut oder die wieder zunehmende Anzahl von Sew-it-yourself Zeitschriften bemerkt: Selberschneidern kommt wieder verstärkt in Mode.

Junge SelberschneiderInnen wünschen sich einfach zu schneidernde Modelle, schnelle Erfolgserlebnisse, die sich im Stil den jeweiligen Trends hinsichtlich Form und Material anpassen lassen. Vielleicht ein individuelles Kleidungsstück für die nächste Party oder der „Nachbau“ des Outfits eines Idols.

KIDDY – Selbstgeschneidertes für Kinder

Kinder selbst werden eher selten schneidern (Warum eigentlich nicht? Bestehen Erfahrungen?), aber für Kinder wird häufig genäht.

Neben Alltagskleidung (während schnellem Wachstums vielleicht schon lohnenswert) sind besondere Outfits wie Verkleidungen häufige Projekte. Recht schnell und vor allem individuell entsteht die Prinzessin oder der Zombie.

Auch immer wieder gern genäht: der Partner-Look Mutter – Tochter, z.B. bei Nachthemden.
Rein schnitttechnisch ist bei Kindern ab einer gewissen Größe (so ab dem Alter von 2 Jahren) wenig zu beachten. Bei der Realisierung der Projekte sollte durch die entsprechende Variante auf ausreichende Bequemlichkeitszugaben geachtet werden.

Für Baby-Proportionen sind unsere Schnittmuster nicht optimiert.

DOLLY – kleine Abbilder des Menschen

Viele unserer KundInnen schneidern für Puppen. Hier gibt es die unterschiedlichsten Ausprägungen, die sich untereinander vielfach gar nicht wahrnehmen, obwohl sie das gleiche Schnittmuster verwenden.

Da gibt es die traditionellen Puppen mit Kinderproportionen, edel mit Porzellankopf, dann aus immer lebensechteren und vor allem stabileren Kunststoffen. Da werden Teddybären benäht. Da gibt es die meist jungen Fans der Modepuppen im Barbie-Format, die ihre Puppen benähen. Da gibt es die meist erwachsenen Fans hochwertiger Fashion Dolls mit aufwändigsten Kreationen. Da gibt es die Fans fernöstlicher BJD`s, gern auf Conventions im Partnerlook mit ihren kleinen Gliederpuppen anzutreffen. Aber auch übergroße Stücke für stangengeführte Riesenpuppen auf Veranstaltungen werden genäht.

Generell lassen sich alle Schnittmuster auch für Puppen mit grob menschlichen Proportionen ausgeben. Die Herausforderung beim Nähen für Puppen ist eher die Größe.
Traditionelle Kinderpuppen oder große Modepuppen (Maßstab 1:2 bis 1:3) lassen sich noch ohne große Veränderungen beschneidern. Für kleinere Puppen (1:4, eine häufige Größe hochwertiger Dolls, bis 1:6, der Barbie-Größe) sollte schon überlegt werden, ob Schnittteile manuell vereinfacht werden oder gar zusammengelegt werden. Darunter wird es schwierig – obwohl – eine Kundin hatte Schnittmuster für Ihre Schweizer 1:12 Puppenstuben-Figuren angefragt.

Zum Schluss – Schneidern Sie selbst!

Sie haben es gelesen: Ihre Chancen auf individuelle, außergewöhnliche, selbstgeschneiderte Kleidungsstücke stehen gut! Versuchen Sie es einfach einmal mit unserer kostenlosen Maßschnittmuster-Software PASST! und den vielen unterschiedlichsten Schnittmuster-Modellen.

Übrigens: Für alle, die das alte Profilbild nicht kennen oder sich nicht erinnern können: Zur Anmeldung von golden-pattern bei Facebook wurde das 1999 für den ersten Internet-Auftritt von golden-pattern kreierte Logo verwendet. Wie der Zeitgeist und damit oft auch der persönliche Geschmack sich doch ändert…

Jubiläum: 15 Jahre golden-pattern

Zum Osterfest 2014 feiert golden-pattern Schnittmuster nach Maß sein 15-jähriges Bestehen. Ein Anlass, einmal die Firmengeschichte mit den wichtigsten Highlights einzelner Jahre Revue passieren zu lassen.

Weihnachtsfest 1998

Die Mutter von George – gelernte Schneiderin – schenkt seinen Töchtern (12 und 13) zu Weihnachten eine Nähmaschine. Anlass, sich nach über 20 Jahren Näh-Abstinenz einmal wieder mit Schere, Nadel und Faden auseinanderzusetzen.

Januar 1999

Das erste Nähprojekt, drei Fleecejacken nach einem Mehrgrößen-Schnittmuster des Marktführers, endet katastrophal. Ok, George´s Schuld. Einfach die üblichen Kleidungsgrößen blind zugeschnitten und zusammengenäht. Bei den Mädels wirkten die Jacken wie ein Zelt über einem Streichholz, dafür füllte George das Kleidungsstück prall aus. Mit Dreiviertelärmeln.

Der Blick (besser wäre vorher gewesen) auf die Größentabellen des Schnittmuster-Herstellers verrät: George z.B. liegt in den einzelnen Maßen zwischen Größe 48 und 58 (in der Körpergröße noch darüber). Kann ja nicht passen.

Soweit die Erinnerung nicht trügt, wurden die Jacken 1x alibihalber auf einem Spaziergang getragen und verschwanden dann…

Osterfeiertage 1999

Einige Tage frei, keine Termine, keine Verpflichtungen. Da war doch dieses Schnittmuster-Ärgernis. Ist es nicht im Zeitalter des PCs möglich, einfach seine persönlichen Maße einzugeben und heraus kommt ein Schnittmuster, das passt?

Eine kleine Recherche in den bescheidenen Anfängen des Internets zeigt: Für Hobby-Leute gibt es da wohl nichts, nur Profi-CAD-Systeme, hinsichtlich Komplexität und Preis für eine andere Zielgruppe.

Also hingesetzt an den PC, Delphi aufgerufen (eine seinerzeit sehr beliebte Programmiersprache des Herstellers Borland) – was wird gebraucht – Maße erfassen – eine Syntax zur Definition von Schnittmustern – eine Schnittmuster-Vorschau – Ausdrucken am heimischen Tintendrucker.

Ostermontag 1999 erzeugt ein Software-Rudiment namens „GOLDPATT“ ein erstes Fleecejacken-Schnittmuster mit dem Namen „HEMD01“ – nachträglich gesehen die Geburt der Firma golden-pattern.

Jahre 1999 / 2000

Im Rahmen der nebenberuflich-hobbymäßigen Möglichkeiten Weiterentwicklung von GOLDPATT. Funktioniert gut, erste Kontakte, viele Interessenten. Erstellung einer Internet-Seite mit dem kostenlosen Download von GOLDPATT mit HEMD01:

www.golden-pattern.de

Viele tausend Downloads im ersten Jahr, gute, konstruktive Feedbacks und Nachfrage nach weiteren Schnittmustern zeigen: Das Thema ist interessant und ausbaubar.

Jahr 2001

GOLDPATT hat einen vorzeigbaren Entwicklungsstand erreicht. Ziel: einfache Bedienung und möglichst gute Gradierungs-Ergebnissen der Schnittmuster für jede Größe von Puppe über Kinder und alle Erwachsenen-Proportionen bis extraknuffig.

Einige grundlegende weitere Schnittmuster wie HOSE01 oder ROCK01 sind entwickelt und getestet. Ein kleiner Online-Shop entsteht, Beginn der gewerblichen Nutzung.
Nach und nach Veröffentlichung vieler weiterer grundlegender Schnittmuster. Allzeit-Renner bis heute ist das Schnittmuster 5-Pocket-Jeans JEANS01.

Jahr 2005

Eine stattliche Anzahl unterschiedlichster Schnittmuster steht inzwischen zur Verfügung. Erste CD Zusammenstellungen werden veröffentlicht, zuerst noch selbstgebrannt und –gedruckt. Aber die Möglichkeit, nicht nur über den eigenen Online-Shop zu verkaufen. Der Kundenstamm wächst stetig.

Jahre 2007 / 2008

Gedanken über die Zukunft von golden-pattern. Wo wollen wir hin? Wird der „Zero-Budget“-Gedanke vom Projektstart aufrecht erhalten? Wie lange lässt sich GOLDPATT noch weiterentwickeln, wo sind die Grenzen?

Jahr 2008

Die Internet-Plattform INTERPATT geht online. Die Idee ist, alle Funktionen von GOLDPATT auch online abwickeln zu können, im Browser, Plattform-unabhängig ohne Software-Installation am eigenen Gerät.

Die Menschheit war noch nicht bereit dafür. Oder die Plattform war grottenschlecht. Oder das Marketing. Jedenfalls wurde der Betrieb von INTERPATT nach etwa einem Jahr wegen erwiesener Nichtzurkenntnisnahme durch die KundInnen eingestellt. Die Idee schlummert aber noch in der Schublade – manchmal zuckt sie.

Jahr 2009

Mittelalter kommt in Mode. Eine erste kleine Test-Kollektion von mittelalterlichen Schnittmustern erzielt unerwartet positive Resonanz. Seither sind die historischen Schnittmuster ein fester Bestandteil unseres Portfolios mit einem eigenen, sehr fachkundigen, treuen Kundenstamm.

Im Hintergrund wurde mit Start der Mittelalter-Modelle auch die neue Generation der Maßschnittmuster-Software gezeugt – gravierend erweiterte interne Schnittmuster-Syntax und neue Software-Algorithmen ermöglichen künftig noch raffiniertere Modelle und Varianten.

Jahr 2010

Ein Kundenwunsch führt zu dem Versuch der Digitalierung eines authentischen Schnittmusters aus den 1920er Jahren.

Nach Kontakten und freundlichen Genehmigungen einiger Rechteinhaber wie den Staatlichen Museen von Berlin. Ullstein oder dem Buchverlag für die Frau entsteht eine kleine Retro/Vintage-Kollektion: digitalisierte Original-Schnittmuster, aber voll gradierbar, mit Original-Abbildungen und Beschreibungstexten aus dem Zeitraum 1860 bis 1940.

Die Kundenresonanz auf die Retro-Modelle ist sehr unterschiedlich. Einige Fans dieses Zeitraums sind begeistert, wirklich 100% authentische Schnittmuster nach ihren persönlichen Maßen nutzen zu können. Andere, „normale“ Hobby-NäherInnen sind häufiger einmal pikiert über die Qualität der Schnittteile oder der Beschreibung, manchmal sogar über die Rechtschreibung – dies alles hatte halt vor 100 Jahren einen anderen Stand, einen anderen Zeitgeist.

Jahr 2011

Dank an den Buchverlag für die Frau.

In den Kontakten und interessanten Gesprächen mit der Geschäftsführerin und ihrem Mann aus dem Retro-Rechte-Anlass entstand die Idee zu einem Buch über das Schneidern nach Maß. „PASST!“ soll es heißen und die neue Software-Generation auf CD enthalten, die Wörter „Selberschneidern“ sowie „SelberschneiderInnen“ sollen etabliert werden. Nur letzteres ist nicht gelungen – die Lektorin konnte das Paradigma des Dudens nicht überwinden.

Im Mai 2011 erscheint „PASST! Selber schneidern nach Maß“.

Und golden-pattern wird in Facebook aktiv auf facebook.com/goldenpattern unter dem Motto: „Unsere Facebook-Fans wissen mehr!“

Jahr 2012

Durch einen Zufall in einer Auktionsplattform entdeckt: Eine asiatische Gliederpuppe, „Ball-jointed-doll“ oder „BJD“. Nun spielen Jungs nicht mit Puppen (weiteres kann ja hier und hier und hier in diesem Blog nachgelesen werden), aber eine Faszination hinsichtlich der Benähbarkeit dieser Puppen und dem Marktpotential lässt sich nicht leugnen, speziell auch nach Recherchen über die im englischsprachigen Ländern beliebten Fashion Dolls.

Das Thema soll auf der Seite www.dollforce.com angegangen werden; leider liegt die Seite wegen gesundheitsbedingtem Rückzug einer Geschäftspartnerin brach. Interesse an einem kleinen eigenen Geschäftsfeld? Melden!

Ebenfalls 2012 begann die Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Miroque – Lebendige Geschichte“. Bis zur grundlegenden thematischen Umstrukturierung der Miroque dieses Jahr war in allen Regelausgaben 2012/2013 und in vielen Sonderausgaben ein themenbezogenes Maßschnittmuster von golden-pattern enthalten.

Jahr 2013

Der Generationswechsel der Maßschnittmuster-Software wird vollzogen. PASST! ist nicht mehr nur im Buchformat erhältlich, sondern soll wie der Vorgänger GOLDPATT kostenlos im Download bereit stehen, mit einem Shop voller unterschiedlichster Schnittmuster. „Alte“ Schnittmuster der KundInnen sollen auch in PASST! ohne Neukauf verfügbar sein. Im Januar 2013 geht PASST! online auf:

www.passt-online.de

Im Dezember 2013 wird dann endgültig der GOLDPATT Download und der GOLDPATT Shop vom Netz genommen, mehr hier im Blog-Artikel R.I.P. GOLDPATT.

 

Jahr 2014

Es geht weiter:

erste neue Basis-Schnittmuster für PASST! entstehen, die früher nicht möglich gewesen wären.

PASST! Schnittmuster sind jetzt auch gesammelt auf CD verfügbar.

Die Kollektionsplanung für die kommenden Monate steht.

Ostern 2014 wird gefeiert! Wir sind stolz auf 15 Jahre golden-pattern Schnittmuster nach Maß und auf tausende aktive KundInnen.

 

Pläne für die Zukunft

Kurzfristig ist einfach:

Dieser Tage wird das Mitmach-Buchprojekt „SelberschneiderInnen“ gestartet, von KundInnen für KundInnen. Mehr auf www.facebook.com/selberschneiderinnen.

Die neue PASST! CD STARTER ist gerade herausgekommen, muss noch bekannt gemacht werden.

Kommenden Monat wird das als 2. Auflage erweiterte Buch „Schneidern im Mittelalter“ als eBook für den Kindle veröffentlicht.

Ein weiterer persönlicher Auftritt auf dem Stoffmarkt Holland wird vorbereitet.

Und die Oster-Feier-Tage werden auch genutzt, die mittel- und die längerfristige Palme zu fokussieren: am Firmen-Whiteboard hängen 107 Zettel mit Ideen und Konzepten, von roten Magneten gehalten.

Also, Langeweile kommt auch die kommenden 15 Jahre nicht auf.