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Leipzig in Schwarz

George wieder einmal in Leipzig. Das letzte Mal, im Frühjahr anlässlich der Buchmesse zur Vorstellung der COSPLAY CD, hatte er sich noch geärgert: Keine Zeit für die Sonderausstellung „Leipzig in Schwarz“ im Stadtgeschichtlichen Museum, Haus Böttchergäßchen.

Aber: Die Dauer der Ausstellung wurde bis 24.07.2016 verlängert – die Chance, gleich hinein Freitagmorgens um 10 Uhr.

Zum 25. Mal fand am Pfingst-Wochenende 2016 in Leipzig das jährliche Wave-Gotik Treffen (WGT) statt. Schrieb 1993 noch die Leipziger Volkszeitung: „Passanten waren verschreckt, Kinder staunten mit offenstehenden Mündern“, so ist diese Veranstaltung zehntausender friedlich-schwarzverkleideter Zeitgenossen aus ganz Deutschland und der ganzen Welt mittlerweile in der Stadt als eines der touristisch-kulturellen Highlights anerkannt und mit dem – wollten die WGT Fans dies wirklich? – Leipziger Tourismuspreis beehrt.

In der kleinen Ausstellung (ein Raum) sind liebevoll Relikte aus den 25 Jahren zusammengetragen, mit Original-Dokumenten und Erläuterungen der Hintergründe und Entwicklungen der Bewegung. Eine Auswahl typischer Kostümierungen und Accessoires wird gezeigt.

Die Ausstellung ist für „Außenstehende“ ein idealer kleiner Einstieg in das Gothic-Thema, und für SelberschneiderInnen unbedingt empfehlenswert und interessant wie die gesamte Gothic-Szene – werden doch die meisten Outfits in kreativer Eigenleistung selbst entworfen, genäht und gebastelt.

Der Kern der Kleidungsstücke besteht oft aus Stilelementen der viktorianischen Zeit: Weite Röcke, Mieder, Zylinder, Gehröcke. Elegant sollte es sein, aufwendig inszeniert und mit Detailliebe verziert. Schwarz. Vielleicht etwas Rot oder Weiß. Gerne Messing und Kupfer. Aber auch viele Einflüsse der Kleidung von der Renaissance bis hin zu den 1930ern sind zu finden. Und durch die ursprüngliche Nähe zu den Punks auch das gekonnt-Zerrissene, gezielt-Herunterhängende, offenherzig-Vernetzte. Kunstwerke, absolut anschauenswert.

Drei Gedanken hat George aus der Ausstellung konkret mitgenommen:

Erstens 25 Jahre sind lang. Die Babies, die in den 1990ern von einem schwarzbehandschuht-händchenhaltenden Pärchen auf dem Rockkonzert gerade noch nicht gezeugt waren, gehen heute vielleicht mit Ihren immer noch Gothic-getreuen Eltern zu Pfingsten selbst verkleidet gemeinsam durch die Leipziger Straßen.

Zweitens Schnittmuster: Seit langem liegt die Gothic / Steampunk / Victorian Kollektion umfänglich wachsend in der gedanklichen Schublade. Die Ausstellung hat wieder Eindrücke hinzugefügt, die Schublade lässt sich nicht mehr schließen.
Konkreter Vorsatz: Noch diesen Sommer gibt es ein spezielles viktorianisches Teil.

Drittens eigener Eindruck: Pfingsten 2017 ist geblockt für einen Leipzig-Besuch. Rechtzeitig organisieren!

Homepage des Wave-Gotik Treffens: http://www.wave-gotik-treffen.de/photogallery.php

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig: http://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de/

  1. BIGI
    2. Juli 2016 um 20:09

    Aus gutem Grund – ich zähle mich seit einer Ewigkeit zur Gothic-Szene – sehe ich mich genötigt hierzu etwas zu schreiben. Auch bin ich ein Liebhaber der viktrianischen Mode, ebenso der verwandtenen Stile ab 1850 – 1920. Ich sammle Puppen aus der Zeit, allen möglichen Kleinram, restauriere diese Dinge. Ebenso Möbel. Alles so nah am Original wie möglich. Möglichst mit originalen Materialien, Stoffen etc.. Ein bisschen kenne ich mich also aus.
    Mitte der 70er, gehörte ich zu den ersten Punks in Deutschland – die Szene war mir zu destruktiv und da ich erblich und verwandtschaftlich vorgeschädigt bin, zudem mit der betreffenden Musikszene derart verbunden – landete ich beim Rock n Roll der 50er. Auch alles am Original. Die Kommerzialisierung, die Anpassung an den Mainstream, schreckte mich dann so weit ab, dass ich bei meinen eigentlichen Wurzeln landete: Der Farbe Schwarz. Der Lebenseinstellung Schwarz. Das blieb bis heute. Ich bin Schwarz und das ist auch gut so.
    Im übrigen ist der Wave der Ursprung der schwarzen Szene, nicht der Punk. Das ist schon ein Unterschied. Auch wenn diese beiden Musikstile irgendwie zusammen gehören. Dann gibts innerhalb der schwarzen Szene zwar viele unterschiedliche Stile – aber ich fürchte dass die allermeisten Leute, die wie ich einen Haufen Geld in ihre diversen Outfits gesteckt haben, es gar nicht gern haben wenn alles in einen Topf geworfen und dreimal umgerührt wird. Der harte Kern dieser Szene, st schon irgendwie exklusiv und möchte ach so gesehen werden.
    Was nun die viktorianische Kleidung angeht – diese war aus feinsten Stoffen und kunstvoll und aufwendig verarbeitet. Innen und aussen. Denn anders würden viele Kleidungsstücke gar nicht sitzen. Tun sie wirklich nicht. Und sie sind – richtig gearbeitet, alles andere als bequem. Ich habe schon einiges nachgenäht – nach Originalen. Und klar habe ich es mir versucht einfacher zu machen. Und das Ergebnis war dann…. ernüchternd…
    Darum bin ich auf den Schnitt – jetzt wirklch gespannt 🙂

    • 4. Juli 2016 um 07:29

      Die Blog-Artikel hier sind auch immer ein bisschen „Angeln“… schauen, ob Leute sich interessieren für (künftige) Themen.

      Für alle speziellen Themenbereiche, in denen wir uns nicht selbst auskennen (also praktisch überall ;-)), suchen wir immer Partner aus der jeweiligen Szene – mit Verständnis und Zugang und Überblick. Dies haben wir im Mittelalter-Bereich vor Jahren getan, letztes Jahr für Cosplay und derzeit anlaufend für Puppenschnitte. Wichtig! – sonst finden wir im Projekt für die Kunden nicht das richtige Wording und tappen von einem Fettnäpfchen ins nächste.

      Bigi, vielleicht möchten Sie uns helfen. Sie kombinieren interessante Interessen. Gothic steht wirklich seit Jahren auf unserer Interessen-Wunschliste, einige Puppen-Schnittbögen werden auf jeden Fall als Testballon dieses Jahr noch herauskommen. Und ein 50er-Jahre-Kleider-Set steht recht weit oben auf unserer Projektliste.

      Vielleicht eine kleine Gothic-Kollektion fürs nächste Wave-Gotik Treffen. Oder ein bisschen Puppen-Gothic.

      Lust mal zu sprechen? george@golden-pattern.de

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