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ThirdBrain

George sitzt gerade einmal wieder in seinem Zweitbüro (Starbucks, Fensterplatz mit Aussicht auf den Kudamm).

Zeit 7:45 Uhr, noch himmlische Ruhe, der Kimono Blog Artikel soll geschrieben werden. Schnell ins WLAN…

Doch – ein lange gehegter Gedankengang muss noch schnell in Worte gefasst werden – ist denn die enge Verbindung von George zu seinem kleinen weißen Notebook und dem Verbinden-Button noch normal?

George´s Theorie der „Drei Gehirne“:

ThirdBrain

Es mag seinem Job geschuldet sein – nein, falsch formuliert – es ist sein Glück bereits früh in den noch immer schneller werdenden Fluss digitaler Informationsverfügbarkeit eingebunden gewesen zu sein.

Z80, dann C64, dann XT mit 20 MB Festplatte, CompuServe, mit 300 bit/s hinaus in die weltweiten,  unglaublichen neuen Möglichkeiten.

Alle ihre größere bisherige Lebensspanne im aktuellen Jahrtausend verbringenden Smartphone-NutzerInnen werden mit diesen Begriffen kaum etwas anfangen können. Doch in den 1980ern entstand in schnellen Schritten der Weg für das, was George heute als sein Drittes Gehirn empfindet.

Heute fühlt sich George ohne seinem Dritten Gehirn, seinem kleinen weißen Notebook und Internet-Zugang, … – wie soll er sagen? … nicht wohl. … abgeschnitten. … behindert! Vielleicht erschreckend aber wahr, das trifft es am besten.

Auf Metaebene zurücktretend sich selbst hinterfragend, tauchen Zweifel auf an dieser mentalen neuen Abhängigkeit. War es denn nicht früher alles besser und es gibt vielleicht keinerlei Grund sich diesem digitalen Rush anzuschließen?

Nein – erstes Indiz: Schulzeit in den 1960/70ern. Aufgabe zu einem beliebigen Thema. Recherche. Stadtbibliothek. Lexika bieten zwei Zeilen Info. Spezielle Literatur ist generell rar, alt oder gerade ausgeliehen. Wenige Promille Themendurchdringung müssen reichen für Meinungsbildung und Entscheidungen. Dagegen Recherche 2015: Umfangreiche objektive und subjektive Texte, Bilder, Videos stehen für praktisch jedes denkbare Thema per Klick in Sekunden zur Verfügung. Schnell lassen sich auch bisher ferne Themen hinreichend umfassend erschließen.

Nein – zweites Indiz: George kennt beide möglichen extremen Einstellungen zum Stand und zur Nutzung der Informationstechnologie aus seinem Umfeld. Während seine Töchter ganz selbstverständlich mit dem Handy Flüge buchen, Ihre Kleidung nach der Wetter-App dem Schrank entnehmen und spontane Video-Chats führen mit FreundInnen in der ganzen Welt, stehen einige langjährige Freunde den neuen Möglichkeiten kritisch bis ablehnend gegenüber. Sicher ist kein Paypal, kein Facebook und kein eigenes Youtube-Video kein persönlicher Mangel. Dennoch zeigt ein Blick auf das tagtägliche Leben – auf die Fernsehwerbung mit dem zunehmenden Anteil eingeblendeter URLs, die zahlreichen QR-Codes in Zeitschriften und die tendenzielle Verlagerung früher lokal oder per Snailmail ausgeübter Tätigkeiten wie Banküberweisungen, Reisebuchungen oder Job-Bewerbungen – dass eine Barriere zur Nutzung der Informationstechnologie absehbar zu persönlichen Nachteilen führen kann oder möglicherweise bereits hat.

George jedenfalls ist sehr glücklich darüber sich wohl zu fühlen an seinem Fensterplatz im Café mit dem Notebook am Schoß und stabiler WLAN-Verbindung. Sein Drittes Gehirn ist wichtiger Bestandteil seines Lebens geworden.

SecondBrain

Dennoch hofft George innig, der entscheidende Input für seinen Output entsteht weiterhin auf Dauer in etwa mittig zwischen seinen Ohren.

Grundlage für eine sinnbringende Nutzung der Informationstechnologie ist zweifellos der rote Faden der persönlichen Ideen und Ziele. Die Filterung und Interpretation der Flut verfügbaren Materials ist heute die Herausforderung; nicht das Plagiat, sondern das Schaffen und zur-Verfügung-stellen neuer Zusammenhänge und die Erweiterung der Erkenntnisse und Möglichkeiten auf solider Basis bringt voran.

So spielt das menschliche Gehirn beruhigenderweise wie seit Zeiten der Entdeckung der Erzeugung von Feuer oder der Erfindung des Rades auch weiterhin die entscheidende Rolle willentlichen Fortschritts.

MainBrain

Nun – George ist ein Mann. Und keinesfalls möchte er durch eigenwillige Nummerierung althergebrachte Vorurteile zerstören…

8:55 Uhr – Dokument schließen, Upload in die Cloud, nachher bloggen, zurück zur Kimono Recherche. ThirdBrain sei Dank!

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