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SAKKO Formenkunde

Inzwischen bewährte Praxis, im Rahmen neuer, komplexerer Schnittmuster-Projekte auch etwas Hintergrundinformation zusammenzutragen:

Das SAKKO

Das Kleidungsstück „Sakko“  umfasst bestimmte Ausprägungen  einer Jacke.

Typisch ist das Sakko die formal recht festgelegte, meist etwa hüftlange Jackenform für einen Herrenanzug (Hose in gleichem Material gefertigt) oder einer Herren-Kombination (Hose aus anderem, teilweise auch legeren Material). Aber auch für Damen ist dieses Kleidungsstück – oft als Teil eines Hosenanzugs oder mit etwa knielangem Bleistiftrock  – sehr elegant im Businessbereich anzutreffen.

Das Sakko hat sich im Laufe der letzten 200 Jahre aus dem Gehrock entwickelt, der bereits in den Jahrhunderten davor in den jeweilig zeitgemäßen Modevarianten eine typische Jackenform für Männer darstellte. Der Gehrock war schnitttechnisch in Taillen-Höhe geteilt aus einem oberen Jackenteil und einem unteren – oft ausgestellten – Rockteil gearbeitet. Das Sakko dagegen ist einteilig geschnitten, in der Regel durch einen Taillenabnäher geformt.

Kaum ein anderes Alltagskleidungsstück ist heutzutage so formal definiert  wie das Sakko. Gesprochen wird über  Anzahl der Knöpfe und Knopfreihen, wenige Reversformen, bestimmte Materialien und Farben, einige andere Details, aber meist steht aufgrund der vorgesehenen Nutzung eigentlich schon alles fest.  Dies soll aber die geübte SelberschneiderIn nicht hindern, aus traditionellen Schnittformen individuelle Kunstwerke zu fertigen. Passend zu den formalen Formen des Sakkos besteht eine Reihe von unterschiedlichen formalen Verhaltensweisen beim Tragen dieses Kleidungsstücks. Wir sind aber hier SelberschneiderInnen-Blog und nicht Benimm-Lexikon…

Viele andere Bezeichnungen beschreiben entweder das gleiche Kleidungsstück in verschiedenen deutschsprachigen Regionen, oder ganz bestimmte Varianten für traditionell bestimmte Anlässe.

Häufig zu finden sind die Bezeichnungen Jackett, Blazer, Smoking, Tuxedo ,  Frack, Cutaway,  Veston , Janker oder Joppe.

Knöpfe / Knopfleiste

Generell unterschieden werden Sakkos mit einer oder zwei Knopfreihen. Gängig im Alltag und im Büro sind einreihige Sakkos. Noch formaler aber auch eleganter, meist auf bestimmte Anlässe beschränkt, Uniform-artiger wirkend sind Zweireiher.

Meist besteht jede Knopfreihe aus zwei oder drei Knöpfen. Ein einzelner Knopf ist typisch an festlicher Abendgarderobe zu finden. Vier Knöpfe sind seltener. Viele Knöpfe sind vor allem an traditionellen Trachtenmodellen zu finden.

Der Ärmel mit einem Schlitz an der hinteren Naht ist typischerweise mit vier kleineren, funktional unnotwendigen  Knöpfen geschlossen. Hier ist eine offene Ausführung mit richtigen Knopflöchern Indiz für ein Maßmodell – Stangenware ist hier meist nur mit Fake-Knopfleiste ausgestattet.

Revers

Das Revers ist der lang vom Hals bis zur Knopfleiste heruntergezogene, aus einem breiten inneren Beleg heraus umgeschlagene Kragen des Sakkos.

Meist ist das Revers schnitttechnisch vorn geteilt in einen angeschnittenen Teil und ein extra Kragenteil, wobei durch die Schnittform offene Spitzen am Revers entstehen, die nach unten zeigen können (fallende Fasson) oder nach oben (steigende Fasson). Möglich ist aber auch ein komplett am Vorderteil / Beleg angeschnittener Schalkragen, z.B. beim Smoking.

Abstich

Als Abstich bezeichnet wird der Verlauf / die Form von der Knopfleiste bis zum Saum.

Typisch beim Sakko ist hier ein geschwungener, runder Verlauf zu finden. Besonders bei zweireihigen Modellen ist der Abstich eckig.  Einen außergewöhnlichen Abstich zeigt der Cutaway (kurz „Cut“, ähnlich dem „Stresemann“) , bei dem der runde Verlauf bis in den Rücken hinein reicht. Und da ist natürlich der Frack, bei dem der Abstich nach einem kurzen, taillenhohen Verlauf vorn steil zu einem recht langen, spitzen Rückenteil zuläuft („Pinguin“).

Schlitze

Im Rücken der meisten Sakko-Formen sind Schlitze eingearbeitet, die die Bewegungsfreiheit (ursprünglich vor allem beim Reiten) verbessern.

Meist ist entweder ein zentraler Schlitz in der hinteren Mittelnaht gearbeitet, oder zwei seitlichere Schlitze in der Naht zwischen Rücken- und Seitenteil.

Taschen

Traditionell besitzen Sakkos drei äußere Taschen: zwei große, vorn/seitliche Hüfttaschen und eine oben offene kleine Tasche im linken Brustbereich, die gern für ein sorgfältigst drappiert eingestecktes Tuch verwendet wird.

Die Hüfttaschen sind oft innenliegend gearbeitet und mit einer abgerundeten Taschenklappe verschlossen (Patten-Tasche), können aber auch aufgesetzt sein mit und ohne Klappe, oder auch offen durch einen Schlitz oder eine Paspel erreichbar.

Seltener zu finden sind weitere, formal  definierte Zusatztaschen im vorderen Hüftbereich, z.B. Billet-Taschen oder Uhren-Taschen.

Futter

Sakkos sind meist komplett gefüttert. Lediglich sehr legere Modelle (z.B. aus Jeans-Stoff) sind ohne Futter und zeigen damit innen die Verarbeitung. Im Futter sind üblicherweise mehrere Innentaschen eingearbeitet.

Material

Das Sakko erscheint oft in schwarzen, dunkelgrauen oder dunkelblauen Wollstoffen, nicht oder nur dezent (z.B. mit schmalen, unaufdringlichen Nadelstreifen) gemustert. Den Damen vorbehalten sind für die meisten Anlässe kräftigere gewebte Muster bis hin zu Designer-Wollstoffen (1. Reihe der Materialbilder).

Wer es spannender mag, fertigt sein Sakko aus alternativen, dennoch sehr geeigneten Materialien:  Seide in uni oder gemustert (2.Reihe, Bild 1+2), Baumwoll-/Jeans-Stoffe (2.Reihe, Bild 3+4) oder warum nicht auch aus Kunstpelz, der kuschelig am umgeschlagenen Revers das innere Kunstwildleder umspielt (2. Reihe Bild 5).

Auch beim Futter die Entscheidung: Traditionell schlicht schwarz/grau oder – in den letzten Jahren auch im Handel häufiger anzutreffen – Futter mit Mut zur Farbe (3.Reihe).


Das Schnittmuster

Schnittmuster zum Artikel:Auf www.passt-online.de stehen zu diesem Artikel Maß-Schnittmuster bereit.
SAKKO
Variantenreiches PASST! Basisschnittmuster für Damen- und Herren-SAKKOs mit verschiedenen Grundformen geeignet beispielsweise auch für Jackett, Blazer, Smoking, Cut, Stresemann, Frack  …
Details…
  1. 22. Mai 2015 um 12:23

    Toll! Ich bewundere die Mühe, die ihr in Recherche und
    Schnittausarbeitung gesteckt hat.

  2. 3. Juni 2015 um 22:55

    Kann mich Petra nur anschließen – auch für Anfänger sehr verständlich. Weiter so!

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