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PLUDERHOSE / SAROUEL

Seit vielen Jahrhunderten und in vielen Kulturen und modischen Trends verbreitet ist die Pluderhose.

Gerade heute ist dieses optisch interessante, praktische und bequeme Kleidungsstück wieder hochaktuell.

Je nach konkreter Umsetzung wurde und wird die Pluderhose von beiden Geschlechtern getragen (Unisex).

Begriffe und Herkunft

Wer heute eine Pluderhose erwerben möchte, kann diese unter verschiedensten Bezeichnungen im Handel finden.

Pluderhose, Pumphose oder Puffhose  sind deutsche Begriffe für eine europäische Hosenform seit dem beginnenden 16. Jh., in vielen Längen von kurz bis knöchellang getragen. Wie oftmals in der frühen Zeit wurde gern modisch übertrieben, sodass aufgrund der übermäßigen Weite und dem damit gewaltigen Stoffverbrauch das Kleidungsstück gewichtsmäßig wortwörtlich kaum noch tragbar war.

Alltagstaugliche Ausprägungen waren anzutreffen in allen Jahrhunderten seither, oft auch im militärischen Bereich als Teil der Uniform (siehe heute z.B. die Schweizer Garde des Vatikan, Foto weiter unten).

Eine Reihe weiterer Bezeichnungen weist auf den viel früheren,  orientalischen Ursprung und weiteren Quellen dieser Hosenform hin.

Als Haremshose benannt nach dem abgeschlossenen Wohnbereich muslimischer Frauen speziell bei Würdenträgern / Polygamie bzw. der Gruppe dieser Frauen selbst.

Als Aladinhose nach den Vorstellungen von der Figur aus „Märchen aus 1001 Nacht“ mit persischem Ursprung im 3.Jhd, über die Zeit vielfachst übersetzt und modifiziert.

Als Sirwal, Punjabi, Goa Hose mit regional indischem Ursprung.

Als Sarouel arabisch nordwestafrikanisch / französisch.

Oder als Salvar türkisch.

Und (bestimmt nicht) zuletzt auch als Junk Hose bezeichnet, oft weniger weit geschnitten und auf das Material/Aussehen bezogen („altes Zeug, Altstoff“), oft aber nicht von der typischen Pluderhose zu unterscheiden.

Orientalismus

Nie ist dieses Kleidungsstück in weitgehend unveränderter Form wirklich komplett aus der Mode gekommen.

Nach den kulturellen und historischen Wurzeln erlebte die Pluderhose in Europa als Haremshose modische Auferstehung in der Phase des Orientalismus mit Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jh. und den ersten Jahren des 20. Jh.. Gern wurde „orientale“ Exotik zur Schau gestellt und imitiert.

Gebäude im „maurischen Stil“ entstanden allerorts, Karl May schrieb „Durchs wilde Kurdistan“, und in der westeuropäischen Kunst häufte sich das Auftreten der Mohren und Türken (selbstverständlich heute so zu recht nicht mehr politically correct). Ganz besonders beliebt waren leicht bekleidete, sinnlich posierende Haremsdamen (natürlich in Haremshosen), die so anders wirkten…

Siehe Oliver Dennett Grover (1861 – 1927) – Harem Scene (oben) und ein Vergleich mit der damals aktuellen westeuropäischen Mode (Giulio Rosati (1857 – 1917) – The Harem Dance (Ausschnitt, rechts)), alles 1899).

Heute

Bis die Pluderhose wieder in der modernen westeuropäischen Mode aufgetaucht ist, dauerte noch. Ob hierzu die Phase des Orientalismus eine entscheidende Rolle spielte oder die pragmatische Übernahme dieses bequemen Kleidungsstücks durch das Kennenlernen im Rahmen privater und modischer Globalisierung – dies wäre ein Thema ausführlicherer Recherche.

Aber gerade auch aktuell heute (2014) ist die Pluderhose auf den Straßen der Metropolen Europas allgegenwärtig – speziell in der jugendlich-alternativen Szene. Wer Samstags im Sommer in Berlin Kreuzberg den Markt am Maybachufer besucht, wird Händler diese verkaufend und viele Besucher jedweder Nationalität diese tragend antreffen.

 

Ausprägungen

Eine Pluderhose ist eine sehr bis extrem weite Hose mit viel Material in unterschiedlichen Längen von kurz bis knöchellang, die am Bund und am Beinsaum stark gerafft oder in Falten gelegt auf Körpermaß eingenommen wird.

Der Schritt kann hosentypisch hoch angelegt sein, in einigen Ausprägungen aber auch tief und tiefer gelegt sein bis hin zu einer waagerechten Linie Beinsaum=Knöchel – Schritt – Beinsaum=Knöchel. Die große Weite ermöglicht dennoch ausreichend Beinfreiheit.

Am Rumpf wurde die Pluderhose traditionell vor allem durch einen Wickel- oder Tunnelbund gehalten. In historischen Abbildungen ist häufig ein geknoteter Schal oder eine Schnur als Halt zu sehen. Heute kann dies einfach durch ein Bundgummi erreicht werden.

Bei Varianten beispielsweise für orientalischen Tanz darf der Bund dabei gern auch tief auf der Hüfte liegen.

Der Bund bei kann aber auch – häufig heutzutage anzutreffen – in und unter Taillenhöhe durch breites elastisches Material ausgeführt sein, was bequem zu tragen ist und eine ansprechende Linie (schmale gerade Taille, breit aufgebauschte Hüfte) ergibt.

Auch anzutreffen waren und sind feste Formbünde unterschiedlicher Breite und Form, beispielsweise zentral spitz zulaufend. Bei festen Bünden ist ein Verschluss erforderlich, heute wohl meist ein kurzer Reißverschluss bis über die Hüfte seitlich oder hinten, bei Männern auch vorn mit Schlitzbeleg.

Der geraffte Beinanschluss wird einfach erreicht durch ein angesetztes, fast anliegendes Saumband. Raffiniertere Abschlüsse können durch ein Tunnelsaum oder ein angesetztes Bündchen erreicht werden.

Zusätzliche funktionale oder optische Verzierungen können die Pluderhose ergänzen.

In den frühen europäischen Formen (für Männer) ist die Hose oft zweilagig gearbeitet, wobei das Obermaterial in Längsstreifen geschnitten, oft auch zweifarbig, das Untermaterial sehen oder sogar hervorquellen lässt.

 

Im Haremsbereich ist die Hose oft aus transparentem Material, zusätzlich mit zentralem, festerem, blickdichten Schurz oder Rüschenschal abgebildet.

Heute sind stabilere Pluderhosen beiderlei Geschlechts oft mit großen, voluminösen Taschen bestückt bis übersät.

Das Schnittmuster zum Beitrag: Das Schnittmuster steht für die Maßschnittmuster-Software PASST! (kostenloser Download auf der Seite www.passt-online.de) zur Verfügung. Sie finden auch weitere Lingerie-Schnittmuster und auch alles für darüber.
Schnittmuster PLUDERHOSEN / SAROUEL 
Heute wie seit vielen Jahrhunderten und in vielen Kulturen und modischen Trends verbreitet ist PLUDERHOSE (auch Sarouel, Pumphose, Haremshose, Puffhose, Aladinhose, Sirwal, Goa, Salvar oder Junk Hose genannt). Je nach konkreter Umsetzung wird die Pluderhose von beiden Geschlechtern getragen (Unisex). Viele Varianten in Grundschnitt, Länge, Weiten Bund und Bein, Bünde, Schritthöhe uvm. Für den Alltag, die Freizeit, auch für Bauchtanzkostüme geeignet.
 
Details…

 

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