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Schneidern im Mittelalter (6/13 Teil 1)

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 6 Teil 1 – Nähtechniken, Zubehör und Handwerkszeug (1)

Nähte

Im Mittelalter gab es natürlich keine Nähmaschine – alle Nähte wurden mit der Hand ausgeführt.

Wer auf eine möglichst authentische Herstellung seiner mittelalterlichen Kleidung Wert legt, kann sich hier über die wichtigsten Handnähte informieren.

Teile zusammennähen

Überwendlich-Stich

Zwei einzelne Stoffteile wurden entweder überlappend zusammengenäht oder rechts auf rechts von der Innenseite genäht, wie es heute zumeist der Fall ist.

Beim überlappenden Zusammennähen werden alle beiden überlappenden Kanten mit dem Überwendlichstich sowohl befestigt wie auch vor Ausfransen gesichert.

Geradstich

Sehr stabil und optisch ansprechend lassen sich Stoffteile rechts auf rechts zusammennähen. Von links wird hierbei entlang der Nahtlinie ein Geradstich gesetzt, der die Stoffteile bei entsprechend kurzer Stichlänge zuverlässig zusammenhält und von außen ein sehr sauberes, gerades Nahtbild erzeugt.

Weitere Stabilität erzielt und gleichzeitig die Stoffränder gegen Ausfransen gesichert werden kann die Naht durch das Umlegen der Nahtzugabe nach einer Seite und Festnähen mit Überwendlichstich.

Sattlerstich

Besonders stabil hält der Sattlerstich das Material zusammen – häufig anzutreffen bei der Verarbeitung von Leder z.B. bei Schuhen. Hierbei werden zwei Nadeln  verwendet.

Säume

Säume schließen offene Stoffteile ab; wie Hals- und Armausschnitte, Ärmel und Röcke / Hosenbeine. Säume verhindern vor allem das Ausfransen des Materials, erzeugen aber auch einen optisch ansprechenden, definierten Abschluss und beeinflussen durch ihre Schwere den Fall des Kleidungsstücks.

Saum überwendlich

Typisch und verbreitet waren im Mittelalter und sind auch noch heute der Umschlagsaum. Der Stoff wird einfach oder doppelt nach innen umgeschlagen und durch eine Naht (Geradstich oder Überwendlichstich) gesichert.

Rollsaum

Eine weitere historisch belegte Art der Säumung ist der Rollsaum. Besonders für feine Materialien geeignet, wird die Stoffkante ganz schmal nach innen eingerollt und überwendlich genäht.

Knopf- und Nestellöcher

Knopflöcher und Nestellöcher (für das Durchziehen von Bändern) wurden mit dem noch heute verwendeten Knopflochstich gearbeitet.

Knopflochstich

Dieser Stich stabilisiert gleichzeitig die Fläche um den Einschnitt und sichert gegen aufreißen oder ausfransen.

Verschlüsse

Mit der Entwicklung der Kleidung ergab sich gleichzeitig auch die Herausforderung, die Kleidungsstücke dicht und unverlierbar am Körper zu halten.

Fibel

Die erste verbreitete Form des Kleidungsverschlusses war die Fibel / Spange, bereits in der Antike bekannt und auch noch über das gesamte Mittelalter hinweg, wenn auch abnehmend, genutzt.

Fibeln gab es je nach Verwendungszweck in unterschiedlichsten Formen, Größen und aus verschiedenen Materialien – oft Eisen oder Bronze, aber auch aus Edelmetallen.

Fibeln

Die große Fibel hielt den offenen Rechteck- oder Halbkreis-Mantel über der rechten Schulter (bei Linkshändern über der linken Schulter?), kleinere Fibeln schlossen vor allem Halsausschnitte.


Fortsetzung folgt…

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