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Schneidern im Mittelalter (5/13 Teil 3)

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 5 Teil 3 – Material (3)

Spinnen und Weben

Die Verarbeitung der pflanzlichen oder tierischen Ausgangsmaterialien zum fertigen Gewebe  entwickelte sich im Laufe des Mittelalters technisch wie organisatorisch entscheidend weiter.

Im frühen Mittelalter war die Tuchherstellung weitgehend Heimarbeit; sowohl für den Eigenbedarf wie teilweise auch als Teil der Abgaben an den Landeigentümer. Die Rohstoffe wurden gewonnen (d.h. gesammelt, angebaut, geschoren, …), vorbereitet, mit einer Handspindel zu einem Faden gesponnen und mit einfachsten Webstühlen gewebt.

Diese Vorgehensweise war auch über das gesamte Mittelalter und darüber hinaus im ländlichen Bereich verbreitet.

Ab dem 13. Jahrhundert waren dann Spinnräder zu finden, und auch die Webstühle entwickelten sich weiter.  Die Produktivität der Stoffherstellung wurde so stark gesteigert, es waren hierfür aber auch Investitionen jenseits der Möglichkeiten eines Einzelhaushalts erforderlich.

Zu diesem technischen Fortschritt entwickelte sich daher eine umfangreiche Gewerbestruktur, bei der jeder Herstellungsschritt von einer speziellen Berufsgruppe übernommen wurde. Regional bildeten sich Zentren mit speziellen Kompetenzen – ausgehend von der führenden Mittelmeer-Region nach Norden.

Farben

Das Einfärben von Geweben im Mittelalter mit den verfügbaren pflanzlichen und tierischen Mitteln   war aufwändig und teilweise sehr kostspielig. Normalerweise wurde das fertige Gewebe komplett gefärbt, für spezielle Anwendungen aber auch der Faden vor dem Weben oder gar das Vlies vor dem Spinnen.

Kräftiges Krapp-, Scharlach-(Schildlaus)- oder gar teures Purpur-(Schnecken-)-Rot, Indigo-(Import-)-Blau oder Safran-Gelb waren beliebt bei allen, die es sich leisten konnten. Speziell das Hochmittelalter war bunt!

Wirklich reines Weiß war kaum zu finden – die Möglichkeit der Bleiche war begrenzt.

Schwarz kam im früheren Mittelalter hauptsächlich im klerikalen Umfeld vor; erst im späten Mittelalter entwickelte sich Schwarz zur Modefarbe.

Schwächere Farben aus lokalen Beeren und Rinden waren auch dem Großteil der Bevölkerung zugänglich; ebenso die Herstellung dunklerer, brauner Farben.

Im ländlichen Bereich waren durch die häusliche Herstellung oft ungefärbte / naturfarbene Gewebe im Einsatz.

Zur Nutzung einzelner Farben als „geschütztes Markenzeichen“ bestimmter Personengruppen gab es unterschiedlichste regionale, wechselnde Reglementierungen.

Dies galt sowohl dem Schutz höhergestellter Stände vor (optischer) Nachahmung, wie auch dem Outing geringgeschätzter Gewerbe und Volksgruppen. So wird beispielsweise oft vor gelben Mittelalter-Kleidern gewarnt, war es doch in einigen Regionen in bestimmten Zeiten Zeichen des Einkommens durch körperliche Zuneigung.

Im militärischen Bereich dienten Farben/Farbkombinationen zunehmend der Identifikation = Uniformierung.

Muster

Muster in Textilien wurden im Mittelalter vorwiegend durch das Verweben unterschiedlicher Garnqualitäten, – farben oder –stärken erzeugt. Die Qualität der Muster hing hierbei entscheidend an der Kontinuität und Feinheit der Fäden. Die Möglichkeiten bei Leinen oder Wolle war hiermit begrenzt.

Für wertvolle Gewänder wurden aber sehr aufwendige Muster gefertigt – gelegentlich unter Verwendung von Silber- oder Goldfäden.

Als günstige Alternative zur Verzierung von Stoffen gab es zwei Möglichkeiten: Sticken von Mustern oder Drucken.

Während das Sticken mit kontrastfarbigen Garnen bereits im Altertum verbreitet war, entwickelte sich der Stoffdruck, meist mit Holzstempeln, erst langsam im Verlauf des Mittelalters.

Borten

Neben der vollflächigen Verzierung der Textilien war während des Mittelalters besonders auch der Besatz der Kleidungskanten mit Borten häufig anzutreffen.

Eine verbreitete Technik war die Herstellung der Borten durch Brettchenweben – hier besonders erwähnt da diese Handarbeit sich gerade aktuell nach langer Vergessenheit wieder stark verbreitet.

Fortsetzung folgt…

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