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Schneidern im Mittelalter (5/13 Teil 1)

SCHNEIDERN IM MITTELALTER

Folge 5 Teil 1 – Material (1)

Wesentlichen Einfluss auf die Authentizität eines heute hergestellten mittelalterlichen Kleidungsstückes haben die verwendeten Materialien. Deshalb hier und in den kommenden beiden Teilen eine Übersicht der verfügbaren mittelalterlichen Grundstoffe für Ihr Kleidungsstück.

Leinen

Leinen, hergestellt aus den Fasern des Flachs, ist das typische Material der Mittelalter-Kleidung. Bereits seit Jahrtausenden  bekannt und verbreitet, war es wohl in weiten regionalen Bereichen über den gesamten Zeitraum der verbreitetste aus Pflanzen gewonnene textile Rohstoff.

Speziell für Unterbekleidung wurde und wird Leinen gern verwendet, da er sehr angenehm direkt auf der Haut zu tragen ist – im Gegensatz zur Alternative Wolle.

Leinen als Material hat auch heute noch Bedeutung – speziell die zunehmende Orientierung zu naturverbundenerer, nachhaltiger Lebensweise hat Platz geschaffen für kleine Naturstoffläden wie größere Internet-Versender, die  Leinen recht „authentisch“, das meint möglichst industriefern gesponnen, gewebt und gefärbt, anbietet.

Leinen-Kleidung wird Ihnen auf Mittelalter-Veranstaltungen mit Abstand am häufigsten begegnen.

Wolle

Wolle ist neben Leinen das zweite über das gesamte Mittelalter sehr verbreitete Material für Kleidungsstücke, speziell für Oberbekleidung.

Bereits im Altertum wurden Schafe zur Wollerzeugung gehalten. Scheren, spinnen, weben und bleichen/färben gehört zu den sehr verbreiteten alten Techniken und konnte auch in den Familien ohne den Einsatz von fremder Leistung durchgeführt werden.

Neben der Wolle von Schafen wurden auch die Haare anderer heimischer Tiere verarbeitet, wie etwa Ziegen oder Kaninchen. Als Import waren – teuer und rar – Wollstoffe asiatischer und afrikanischer Tierarten verfügbar.

Der Handel mit Wolle und die Herstellung von Wollstoffen wurde bereits im frühen Mittelalter zunehmend gewerblich durchgeführt. Wer spannend ein wenig über den Zeitgeist des 12. Jahrhunderts – speziell auch rund um Wollhandel und Wollverarbeitung – lesen möchte, dem sei die Figur der Aliena in Ken Follet’s Roman „Die Säulen der Erde“ empfohlen.

Durch die spezielle, auch bereits im Mittelalter verbreitete Veredlung von Wollstoffen durch Verfilzung des gewebten Tuches entsteht Loden.

Hanf

Hanf ist einer der ältesten pflanzlichen textilen Rohstoffe und wurde auch während des gesamten Mittelalters gezielt angebaut.

Die Robustheit der Fasern führte hauptsächlich zur Nutzung als Seil-, Sack- oder Segelmaterial. Hanfseile wurden als Gürtel verwendet. Aber auch eine Anzahl von Kleidungsstücken aus Hanfstoffen ist überliefert.

Nessel

Gemeint ist der Stoff aus den Fasern der Brennnessel – nicht der heute häufig so genannte Baumwoll-„Nessel“.

Die Verarbeitung wild gesammelter oder auch angebauter Brennnesseln zu Textilien war während des Mittelalters sehr verbreitet, da alle erforderlichen Grundstoffe und Techniken in der Familie verfügbar waren. Erhaltene Zeichen dafür sind z.B. das Märchen „Die sieben Raben“ der Gebrüder Grimm oder der Einzug des Nesselblattes (sagen zumindest viele) in Holsteiner Wappen.

Heute sind Stoffe aus Brennnessel schwer zu bekommen. Vereinzelt bieten Versandhändler Naturstoffe aus asiatischen Nesselarten an.

Baumwolle

Auch die Baumwolle war bereits in der Antike bekannt und gelangte aus Indien und Nordafrika im frühen Mittelalter als wertvolles Importmaterial nach Europa.

Die Verbreitung von Baumwollgewebe war aber im europäischen Mittelalter gering; die Verwendung wird in der Szene verbreitet mit Naserümpfen kommentiert – obwohl – schauen Sie sich auf den Mittelaltermärkten die von HändlerInnen feilgebotenen Gewänder einmal genauer an…

Erste Bedeutung erlangte die Baumwolle im Hochmittelalter als Mischgewebe.

Fortsetzung folgt…

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